Zeitreise: Mit dem Oldtimer durch Havanna

03.05.2015 | Christian Sauer | Lifestyle

Kuba Oldtimer Drivers Club Germany

Sobald wir anhalten, machen sich die strahlende Sonne und Temperaturen von über 30 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit wieder bemerkbar. Gerade in den engen Straßen der Altstadt, wo mehr und mehr Ruinen zu neuem Leben erweckt werden, verdichten sich die ungefilterten Abgase zu einem im wahrsten Sinn des Wortes „atemberaubenden“ Gemisch. Da sorgen Miguels Anekdoten für eine willkommene Abwechslung: Vor sechs Jahren kaufte er einem alten Mann seinen Buick für weniger als 100 Euro ab und steckte viel Zeit in die Restauration. „Ursprünglich war er grün lackiert, aber ich dachte, dass die Farbe besser ankommt.“ Der heutige Wert ist schwer zu taxieren, aber dürfte in Havanna bei rund 2000 Euro liegen. Seitdem die kubanische Regierung vor wenigen Jahren die Gesetze geändert und Beschränkungen gelockert hat, steigen mehr und mehr Kleinunternehmer ins lukrative Taxi-Geschäft ein. Die edleren Modelle von Buick und Cadillac sind eher selten, gängiger sind Exemplare von Chevrolet und Ford.

Am beliebtesten sind Cabrios, für die ein Vielfaches im Vergleich zu den geschlossenen Oldtimern bezahlt werden muss. Doch die Konkurrenz wird immer härter: „Als ich begann, waren es gerade einmal vier Cabrios in Havanna, jetzt fahren ungefähr 140 rum.“ so Miguel und weiter „Meine Familie und ich nutzen den Wagen aber auch privat – letzten Monat sind wir sogar in den Urlaub damit gefahren.“ Die fast 1000 km lange Tour in eine andere Region der Insel absolvierte der 61-jährige Veteran ohne Probleme. Zugegeben, der Zustand ist nichts für Sammler mit hohen Ansprüchen, dafür hat der Zahn der Zeit schon zu sehr an ihm genagt, doch die Oldtimer in Kuba sind zum Fahren und nicht zum Hinstellen gedacht. Einen Wehrmutstropfen gibt es allerdings – zumindest derzeit dürfen sie noch nicht an ausländische Interessenten verkauft und ausgeführt werden. Vielleicht ändert sich das ja auch in den nächsten Jahren mit weiteren Reformen. Bis dahin bleibt vorerst die „Einbahnstraße“ nach Kuba der einzige Weg, um die Klassiker in natura selbst zu erleben. Übrigens lohnt sich der rund zehn Stunden lange Direktflug ab Frankfurt auch für Fans historischer Autos aus dem früheren Ostblock und für Käfer-Enthusiasten, sogar einige Opel Rekord soll es noch geben.