Zeitreise: Mit dem Oldtimer durch Havanna

03.05.2015 | Christian Sauer | Lifestyle

Kuba Havanna Oldtimer Drivers Club Germany
Drivers Club Germany schaute bei den US-Straßenkreuzern in der Hauptstadt von Kuba, ob das Chrom noch glänzt oder der Lack ab ist. Hier unsere Reportage aus der Karibik.

Wir schreiben das Jahr 1962: Fidel Castro, sein jüngerer Bruder Raúl und ihr Mitstreiter Che Guevara hatten drei Jahre zuvor die Macht übernommen und den Diktator Batista ins Exil vertrieben. Vor allem die von ihm unterdrückten Kubaner feierten die Revolution. Doch auch sie müssen schnell feststellen, dass es ohne das Kapital der geflüchteten Oberschicht und durch das Boykott der USA mit der Wirtschaft bergab geht. Die größte der karibischen Inseln fällt in eine Art „Dornröschenschlaf“, der zum Teil noch bis heute anhält.

Das hören, riechen und sehen wir vor allem auf den Straßen in Kuba. Inzwischen gibt es auch frisch asphaltierte Straßen, die bilden aber einen harten Kontrast zu so tiefen Schlaglöchern, wie sie selbst nach einem eisigen Winter in Deutschland nicht zu befürchten sind. Obwohl immer mehr moderne Autos aus Asien und Europa dazu kommen, dominieren US-Straßenkreuzer aus den 1950er, 40er und 30er Jahren die quirlige Szenerie. Das Auge erfreuen die knallbunten Farben ebenso wie die ausladenden Formen der automobilen Historie. Kubas Hauptstadt Havanna gilt als das größte Freiluftmuseum für Oldtimer auf der ganzen Welt. Rund 3000 sollen es derzeit sein, die vor allem als Taxis tagtäglich im Einsatz sind, um Touristen, aber auch Einheimische durch die Millionenmetropole zu chauffieren. Während es zum günstigen Normalpreis teilweise sehr in die Jahre gekommenen Exemplare mit authentischer Patina und dicken Rostwunden zu erleben gibt, strahlen die Teureren im Glanz vergangener Tage.

In dieses Bild passt auch der pinke Buick Super aus dem Jahr 1953. Sein stolzer Besitzer und Fahrer ist Miguel mit knapp zehn Jahre jüngerem Baujahr. Der gelernte Bauingenieur  gehört zusammen mit seinem Bruder, der ebenfalls ein Oldtimer-Cabrio sein Eigen nennt, dank den gut zahlenden Besuchern aus dem Ausland inzwischen zu den Besserverdienern in der kommunistischen Inselrepublik. Eine Stunde kostet umgerechnet rund 25 Euro. Dabei verbraucht der nicht mehr originale Sechszylinder mit unbekannter Leistung nicht gerade wenig. Hinzu kommt, dass die Preise des importierten Benzins in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. Zumindest die alten Motoren sind langlebig und ausgeschlachtete Wagen bieten genügend Ersatz: „Wie viele Kilometer der Motor schon drauf hat, weiß ich nicht weil die Anzeige defekt ist, aber das eigentliche Problem sind die Federn und das Differenzial“ erklärt Miguel, während ihm am Steuer und uns auf der bequemen Rückbank der kühlende Fahrtwind um die Nase weht.