smart Brabus Cabrio

01.11.2017 | Christian Sauer | Highlights, Testrides

Der Herbst meinte es gut mit uns und so nutzten wir die letzten Tages des Jahres mit Cabrio-Wetter, um den smart Brabus offen zu testen. Wie viel Spaß können 109 PS bereiten?

Selbst in Zeiten von Downsizing, also immer kleineren Motoren, bleiben 0,9 Liter Hubräumchen winzig. Aber die moderne (Turbo-)Technik macht es möglich, dass drei Zylinder bemerkenswerte 170 Nm ab 2.000 Touren und bei 5.750 immerhin 109 PS produzieren. Es gibt natürlich deutlich stärkere (Klein)Wagen, aber in Verbindung mit lediglich 1.040 kg Leergewicht sind relativ sportliche Fahrleistungen möglich: 9,5 s auf 100 km/h mögen auf den ersten Blick nicht spektakulär wirken, aber in einer 2,74 x 1,67 x 1,54 Meter kleinen „Knutschkugel“ fühlt sich das schon beeindruckend an. Zumindest auf den ersten Metern haben deutlich stärkere, aber auch größere und schwerere Autos kaum eine Chance.

Und wenn sich der City-Flitzer tatsächlich mal auf eine Autobahn ohne Tempolimit „verirren“ sollte, sind mit etwas Anlauf sogar offiziell abgeriegelte 165 km/h möglich. Unser Testwagen stoppt gar erst bei Tempo 170 auf dem Tacho. Spätestens dann aber werden die Windgeräusche beim Stoffverdeck unerträglich laut – kein Wunder, schließen laufen die zivilen Smart-Versionen maximal 155 km/h. Doch das Cabrio wird später noch seine Vorteile ausspielen können. Erstmal zurück auf die Autobahn, wo sich der Smart Brabus dank seines überraschend guten Geradeauslaufs unerwartet sicher anfühlt. Möglich machen es neben der generell breiteren Spur in der dritten Generation, auch die vom Bottroper Veredler der Leistung angepassten Fahrwerkskomponenten sowie die filigranen 16 Zoll (vorn) und 17 Zoll (hinten) großen Brabus-Felgen mit dünnen 205er Schlappen. Etwas befremdlich wirken zwar die Trommelbremsen an der Antriebsachse, aber dem Gewicht mehr als angemessen, haben die Scheiben vorne leichtes Spiel.

Das zeigt sich auch auf Landstraßen, wo der Smart Brabus richtig Spaß macht. Dort durcheilt der „Flo“ Kurven super direkt und die Fahrerin oder der Fahrer muss aufpassen, nicht zu „übersteuern“ und den super kleinen Wendekreis von nur 6,95 unter- bzw. überschätzen. Während auf glattem Asphalt die straffe Federung nicht besonders negativ auffällt, macht sie sich in Verbindung mit dem kurzen Radstand von 1,87 m auf schlechten Straßen allerdings negativ bemerkbar. Dann beginnt der Smart mächtig zu holpern. Insgesamt überwiegt jedoch der positive Eindruck, der durch die gute Durchzugskraft unterstützt wird. Im Leerlauf noch etwas unruhig brummelnd, kitzelten die Entwickler von Brabus in Bottrop – bereits seit 2002, also 15 Jahren offizieller Partner von Smart – einen erstaunlich sonoren und bassstarken Sound aus dem kleinen Motor samt zwei (angedeuteten) Endrohren.

Anders als die schwächeren Varianten des Smarts mit 1,0-Liter-Saugmotor mit 61 PS bis zum 90-PS-Turbo gibt es den Brabus nicht mit der 5-Gang-Handschaltung, sondern ausschließlich mit dem Doppelkupplungsgetriebe. Das wechselt die sechs Vorwärtsgänge um Welten schneller als das automatisierte Getriebe der ersten Generationen mit elendig langen Pausen zwischen den Gangwechseln. Aber auch das moderne Getriebe mit Sportmodus und Schaltpaddel findet nicht immer sofort den perfekten Anschluss. Doch wer bei den in Anbetracht der Fahrleistungen und des Fahrspaßes moderatem 4,5 Litern offiziellen Durchschnittsverbrauchs kein Lächeln ins Gesicht gezaubert bekommt, kann dank des mehrstufigem Stoffverdecks mit der Sonne um die Wetter strahlen. Erstmal heißt es, elektrisch zurückfahren und dann im zweiten Schritt hinten runterklappen. Wer es noch luftiger mag, kann per Hand zudem die Seitenholme rausnehmen und in der Hecklappe verstauen.

Der Kofferraum mit dem Motor darunter fällt mit 260 – 340 Litern natürlich nicht riesig aus, ist aber ausreichend groß für Einkaufstüten oder kleine bis mittlere Reisetaschen. Dagegen wirkt der Innenraum des Zweisitzers äußerst geräumig. Die bequemen und relativ großen Sitze bieten leider nicht viel Seitenhalt und für sportliche Fahrer sind sie gefühlt zu hoch. Hinzu kommt, dass das handliche Sportlenkrad nur in der Höhe und nicht Weite einstellbar ist. Dank Brabus schmeichelt feines Leder die Sinne. Leider steht es im wortwörtlich harten Kontrast zum schnöden Plastik – zwar deutlich hochwertiger in der aktuellen Generation als früher – aber wer ein „echtes“ kleines Luxusmobil haben möchte, muss (und kann) bei Brabus noch mehr individuell beledern lassen. Farbenfroh präsentiert sich der Smart Brabus auf Wunsch mit Tailor Made auch außen. Es scheint kaum Grenzen zu geben – auch was die Preise betrifft. Unser Testwagen schlägt mit stolzen 34.406 Euro zu Buche. Preislich startet das sportliche Cabrio bei 23.675 Euro, der viersitzige und viertürige Smart Brabus Forfour mit 21.225 Euro und der Zweisitzer/-türer mit festem Dach bei 20.415 Euro.

Auf nahezu gleichen Preisniveaus bewegen sich die rein elektrischen Smart Electric Drive mit 60 kW (81 PS), 160 Nm, maximal 160 km Reichweite, 11,5 s und 130 km/h. Doch bevor das Microcar von Mercedes-Benz ab 2020 ausschließlich mit Elektroantrieb angeboten wird, gibt es in Anlehnung an die 15-jährige Zusammenarbeit von Smart und Brabus erst einmal das auf 150 Exemplare limitierte Sondermodell „15th anniversary“ für den Stromer wie auch für den Benziner mit silberner Lackierung und braunem Verdeck sowie Interieur.

Das Nonplusultra stellt aber (zumindest vorerst) der Smart Brabus Ultimate 125 dar. Für mindestens 50.000 Euro lassen 125 PS und 200 Nm die Herzen der Petrolheads höher schlagen lassen. Damit soll der Fortwo in 9,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen und maximal 175 km/h rennen. Dank einer Edelstahl-Sportauspuffanlage mit drei mittigen Endrohren verspricht der Tuner auch eine entsprechend leistungsbetonte Akustik. Optisch zeigt der extreme Zwerg noch mehr Muskeln. Dafür sorgen unter anderem eine Breitbaukarosserie, ein neuer Frontspoiler, ein Heckdiffusor sowie Schweller. Außerdem hat Brabus dem Kleinstwagen ein Sportfahrwerk samt Spurverbreiterung sowie 18-Zoll-Monoblock-Schmiederäder mit 205er-Reifen vorne und 235er-Schlappen an der Hinterachse verpasst. Bei der Außenlackierung und der Farbe des Innenraumleders ist jeder erdenkbare Ton möglich. Neben viel Leder sorgen im Interieur noch eine Reihe Edelstahl- und Alu-Akzente für besonderen Flair. Getreu dem Toyota-Motto „nichts ist unmöglich“ wird das aber sicher auch nicht das Ende der (R)Evolution bleiben.