Wolf im Schafspelz: Audi RS 4

01.01.2013 | Christian Sauer | Testrides

Teaser Drivers Club Audi RS 4

Für kaum ein Auto trifft das Synonym besser zu als für den Audi RS 4, der von seiner Performance und vom Preis her so manchen Sportwagen in den Schatten stellt, optisch aber seine Power nicht auf den ersten Blick preis gibt


Respekt! – der Sound, die Beschleunigung, die Straßenlage – hätten wir einen Sozius mit verbundenen Augen auf dem Beifahrersitz Platz nehmen lassen, wäre die Chance auf Erkennen des richtigen Wagens gleich der eines Lottogewinns. Die Vehemenz, wie man bei voller Kraft in die sportlich geschnittenen Sitze gepresst wird, lässt einen reinrassigen Sportwagen vermuten. Die Info, nach nur 4,7 Sekunden Tempo 100 passiert zu haben und so weiter bis 280 beschleunigen zu können, würde den Verdacht bestätigen. Hätten wir den Probanden aber auf einen der Rücksitze gesetzt oder zwei weitere Testkandidaten samt Reisegepäck eingeladen, wär die Lösung ein Stück näher in Greifweite gerückt. Ein sportlicher Viertürer muss es also sein. Geübte Ohren würden wahrscheinlich das Klangbild eines Achtzylinders identifizieren und die Auswahl verringerte sich weiter. Für einen klassischen V8 made in USA dreht er zu hoch, also müsste es ein High-Tech-Triebwerk à la BMW M, Mercedes-AMG oder Porsche sein. Fände unsere Testfahrt, wie geschehen, dann in der kalten und nassen Jahreszeit statt, scheidet bei der demonstrierten Fahrdynamik auf rutschigem Untergrund ein Heckantrieb mit hoher Wahrscheinlichkeit aus – es kann also nur ein Allrad sein und was liegt da näher als Audi.

Quattro ist das Zauberwort und das nunmehr schon seit mehr als 30 Jahren. Noch lange bevor die anderen Hersteller die Vorteile des Allradantriebes erkannten bzw. die damit verbundenen Herausforderungen meisterten, fuhr Audi seiner Konkurrenz auf den Rallyepisten und den Straßen dieser Welt davon. Die Erfolgsgeschichte ist schon oft erzählt und nicht neu, ebenso wie die quattro-Modelle der gleichnamigen quattro GmbH. Über die Jahre hinweg haben wir inzwischen gelernt, dass wenn ein „S“ oder gar der Schriftzug „RS“ das Heck eines Audi krönt, mit einigem zu rechnen ist, aber der neue RS 4 setzt noch einen drauf. Bereits die beiden ersten Generationen des RS 4 hatten es faustdick hinter den Ohren bzw. unter der Haube. Bei der Neuauflage, die es vorerst „nur“ als Avant-Kombi gibt, arbeitet dort ein Achtzylinder, der sich ausnahmsweise mal nicht unter einer hässlichen Plastikabdeckung neugierigen Blicken entzieht, sondern wie bei Ferrari üblich mit rot lackierten Zylinderbänken seine Technik freizügig präsentiert. Gegen Aufpreis garniert sogar eine Blende aus Carbon das ansehnliche Kraftwerk. Der RS 4 Avant nutzt jenen hochdrehenden V8-Sauger, der ebenso den eng verwandten RS 5 als Coupé und neuerdings auch als Cabrio antreibt. Er schöpft aus 4,1 Liter Hubraum satte 450 PS bei 8.250 und 430 Nm maximales Drehmoment zwischen 4.000 bis 6.000 Touren.

Daran ist serienmäßig eine S tronic gekoppelt, deren sieben Gänge sich automatisch oder per Schaltwippen am handlichen, unten abgeflachtem Lenkrad wechseln lassen. Das Doppelkupplungsgetriebe arbeitet anstandslos und überträgt die Power des Achtzylinders permanent an alle vier Räder. Das Herzstück der neuesten Evolutionsstufe des quattro-Antriebes ist ein Kronenrad-Mittendifferenzial. Das kompakte und leichte Bauteil verteilt die Kräfte variabel zwischen Vorder- und Hinterachse. Bis zu 85 % können nach hinten strömen und schon die Standard-Auslegung ist mit 40:60 sportlich-heckbetont. Das selbstsperrende Kronenrad-Mittendifferenzial arbeitet mit der radselektiven Momentensteuerung zusammen, die auf alle vier Räder zugreift. Wenn ein kurven-inneres Rad bei dynamischer Gangart zu stark entlastet wird, bremst die Elektronik es leicht ab, noch bevor unerwünschter Schlupf auftritt. Als optionale Ergänzung liefert Audi ein Sportdifferenzial, das die Kräfte aktiv zwischen den Hinterrädern verteilt.