Reisemobil-Premiere: Weinsberg CaraLoft im Test

20.06.2016 | Christian Sauer | Testrides

Weinsberg CaraLoft
Ob wir für unseren ersten Camper-Fahrbericht mit dem CaraLoft von Weinsberg eine gute Wahl getroffen haben, klären wir ebenso wie die Frage, für wenn diese spezielle Urlaubsform das richtige ist. Außerdem geben wir wichtige Tipps für alle, die auch einmal mit dem Reisemobil auf Tour gehen wollen.

Ist es ein Klischee oder doch Realität, dass es vor allem Ü60 mit genug Zeit und Geld sind, die gemütlich von einem Campingplatz zum nächsten „cruisen“? Da ist natürlich schon etwas dran, aber auch immer mehr jüngere Menschen können sich für diese zumeist aktive Urlaubsform auf vier (oder sechs) Rädern begeistern. Und den geänderten Anforderungen passen sich die zahlreichen Hersteller von Reisemobilen, die den traditionellen Begriff „Wohnmobil“ nicht gerne hören, auch an. Statt Dauercampings ist wie schon vor Jahrzehnten zu Beginn des Camping-Trends wieder zunehmend Reisen angesagt.

Das ein Reisemobil dabei kein übertrieben langsames Verkehrshindernis sein muss, beweist unser „Testwagen“ – das 7,43 m lange und fahrfertig 2.850 kg wiegende Weinsberg CaraLoft 700 MEH präsentiert sich mit dem 150 PS starkem 2,3-Liter-Diesel richtig flott. Als Basis dient wie bei vielen Mitbewerbern ein Fiat Ducato, der serienmäßig mit 115 PS startet. Gegen 1.590 Euro Aufpreis werden daraus 130 PS. Wie in unserem Fall müssen 3.040 Euro für die nächste Leistungsstufe und 5.580 Euro extra für die Topmotorisierung samt 180 PS investiert werden. Auf Wunsch und gegen 2.075 Euro können alle Variante außer der schwächsten mit einer 6-Stufen-Automatik bestellt werden, die die serienmäßige 6-Gang-Handschatung ersetzt. Doch auch diese harmoniert gut mit dem 350 Nm starkem und effizienten Vierzylinder, dessen Diesel-Nageln und Turbopfeifen seine Herkunft aus dem Nutzfahrzeugbereich nicht verleugnen kann

 

Daran haben wir uns allerdings schnell gewöhnt und „schnell“ ist ein gutes Stichwort, denn zu unserer und der Überraschung vieler PKW-Fahrer, läuft der 2,30 m breite und 2,91 m hohe Koloss locker 150 km/h. Mit etwas Anlass steht sogar Tempo 170 auf dem Tacho im übersichtlichen Cockpit. So gelingen auf der Autobahn dank des starken Durchzugs selbst an Steigungen notwendige Überholmanöver problemlos. Für Sicherheit sorgen neben Airbags – serienmäßig für Fahrer und optional für Beifahrer, auch ABS sowie ESP samt Berganfahrhilfe und spezieller Traktionshilfe zum Anfahren auf rutschigem Untergrund. Darüber hinaus vermitteln das Breitspurfahrwerk mit bis zu 16 Zoll großen Rädern und dem Gewicht angepassten Scheibenbremsen ein sicheres Gefühl. Neben dem Tempomat würden wir uns allerdings über weitere Assistenzsysteme beispielsweise zum aktiven Abstands- oder Spurhalten insbesondere bei Überholmanövern oder Seitenwind freuen, wie sie schon bei PKWs angeboten werden.

Mit deren Handling und Fahrkomfort können Reisemobile von Natur aus nicht mithalten, doch wer sich an die hohe Sitzposition fast auf LKW- oder Reisebusniveau, die schiere Größe – immerhin kommen da noch fast fünf Meter hinter dem Fahrersitz –, die Geräusche des Aufbaus durch die im Vergleich geringere Verwindungssteifigkeit und die leichtgängige(re) Lenkung gewöhnt hat, nimmt mit etwas Übung enge wie auch schnelle Kurven locker. Beim Rangieren werden die großen Außenspiegel durch die Rückfahrkamera unterstützt, die unwahrscheinlich hilft und die wir uns auf Knopfdruck auch als digitalen Innenspiegel mit Blick nach hinten während der Fahrt wünschen würden. Technisch würde das sicherlich auf dem Fiat-Infotainment mit relativ kleinem Farb-Touchscreen machbar sein. Mit Bluetooth, DAB+ und TomTom-Navi ist es ansonsten gut ausgestattet. Wie in PKWs finden sich elektrische Helferchen für die Außenspiegel, Fensterheber und eine Klimaanlage während der Fahrt.