Sportlicher Plug-in-Hybrid: VW Passat GTE

02.04.2016 | Christian Sauer | Testrides

VW Passat GTE Drivers Club Germany

Die Werksangabe von offiziell 50 Kilometer rein elektrischer Reichweite scheint realistisch, zumindest wenn man die maximale Geschwindigkeit von 130 km/h im E-Modus nicht ständig auskostet. Wenn sich der Stromer ausklingt, tut sich der recht kleine Verbrenner zwar schwerer, wirkt aber nicht schwerfällig. Der GTE-Modus trimmt das speziell für den Hybrideinsatz entwickelte 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) – zum Glück nicht stufenlos – und das optionale adaptive Fahrwerk (DCC) auf noch mehr Dynamik. Das Setup lässt sich auch unabhängig davon individuell programmieren und allein die sowieso schon recht direkte Lenkung, könnte in flotten Kurven gerne noch etwas fester agieren. Ohne Allradantrieb empfehlen wir zu Gunsten der Traktion die aufpreispflichtige elektronische Differentialsperre XDS. Doch der Passat GTE kann auch komfortabel und natürlich sparsam. Der offizielle NEFZ-Verbrauch ist mit nur 1,6 Liter auf 100 km angegeben, was 37 g/km CO2 entsprechen würde. Mit vollem 50-Liter-Tank sollen so über 1.000 km Reichweite möglich sein. Laut Bordcomputer betrug der Durchschnittsverbrauch über die letzten 2.333 km allerdings 8,7 Liter. Somit drängt sich zumindest für Deutschland der Vergleich mit den ähnlich starken Diesel-Motorisierungen des Passats auf, die zumindest bei schneller Gangart sparsamer sind. Die sind wie der GTE mit 45.250 Euro Grundpreis jedoch auch kein Schnäppchen und verfügen zudem nicht über die spezielle Ausstattung mit sportlichen Details außen wie innen. Hinzu kommen moderne Sicherheits- und Komfort-Features wie das Head-up-Display und die digitalen Instrumente, die im Passat erstmals zumindest gegen Aufpreis bei Volkswagen angeboten werden.

 

Unser Testwagen hatte die Neuerungen zu unserer Überraschung allerdings nicht an Bord. Wir finden, dass in einem Hightech-Modell wie dem GTE heutzutage auch die elektrische Heckklappe serienmäßig sein sollte. Sinnvoll ist aus unserer Sicht ebenfalls die Bestellung der Rundum-Kameras oder des Parkassistenten zum kinderleichten Rangieren des 4,77 Meter langen Passat Kombi. Dafür präsentiert der sich naturgemäß als Raumriese mit immer noch beeindruckenden 483 bis 1.613 Litern Ladevolumen. Ohne die Batterien im Boden schluckt der Variant 650 bis 1.780 Liter. Unverändert viel Platz gibt es auf den bequemen Rück- und Vordersitzen mit gutem Seitenhalt. Hinzu kommt, dass die Qualität der Materialien und deren Verarbeitung auf hohem Niveau liegen. Allerdings wird die ebenso edel aussehende, wie empfindlich helle Leder-Alcantara-Ausstattung im Alltag nicht lange Freude bereiten. Vielleicht dann doch eher eine der dunklen Innenausstattungen, die teilweise durch blaue Nähte und grundsätzlich durch die blaue Ambientebeleuchtung aufgewertet werden. Sie erinnern dann wieder an die Sonderrolle des Passat GTE, der als Plug-in-Hybrid wie reine Stromer auch das E-Kennzeichen tragen und damit je nach Stadt beispielsweise kostenlos parken darf. Ob sich die Anschaffung deswegen und bei den derzeit günstigen Diesel-Preisen rechnet, hängt sicherlich von den Lademöglichkeiten ab. Ohne regelmäßige Stromzufuhr kann der GTE seine besonderen Vorteile nicht ausspielen. Doch bei seinen Konkurrenten BMW 330e und Mercedes-Benz C 350 e sieht es nicht anders aus.