Racing fürs Volk: VW Golf R im Fahrbericht

08.02.2015 | Christian Sauer | Testrides

VW Golf VII R Drivers Club Germany
Wir von Drivers Club Germany testeten den stärksten Serien-Golf auf und abseits der Straße.

Fragt man nach dem sportlichsten Golf, folgt nach jahrzehntelanger Werbung oft immer noch der GTI als Antwort. Dabei musste der „Volks-Sportler“ seinen Titel schon 2002 an den R32 abgeben. Aus seinem 3,2 Liter großen Sechszylinder-Sauger schöpfte er damals bemerkenswerte 241 PS und 320 Nm Drehmoment, die er dank 4MOTION-Antrieb auf alle vier Räder schickte. Auch in der fünften Golf-Generation blieb der 250 PS starke Nachfolger ab 2005 dem V6 treu und brüllte wild aus zwei mittleren Auspuffrohren. Mit dem Golf VI änderte sich bekanntlich einiges: Das 2009 auf der IAA vorgestellte neue Topmodell trieb nun ein Vierzylinder-Turbo mit 2,0 Liter Hubraum an. Trotz des durchaus schmerzhaften Downsizings steigerte VW die Leistung weiter auf 270 PS und 350 Nm.  Doch damals zeichnete sich bereits der Trend ab, dass der „R“  immer alltagstauglicher und dezenter wird.

Die aktuelle Generation setzt diese Entwicklung weiter fort und tritt nicht als extremer Sportler, sondern „nur“ als stärkster Golf auf. Er wirkt (aus)gereift und spricht demensprechend auch noch mehr Kunden an, die ihn teilweise sogar als Dienstwagen fahren – schließlich ist und bleibt es ja ein Golf. Doch selbst wenn ihn optisch lediglich wenige Details wie die eigens designten und nicht aufgesetzt wirkenden Anbauteile von schwächeren Versionen wie dem GTI unterscheiden, spielt der Golf R mit seiner Leistung und Technik in einer anderen Liga. Seine Konkurrenten heißen BMW M135i, Ford Focus RS, Mercedes-AMG A 45 sowie Audi S3 / RS3 mit bis zu 367 PS.

 

Volkswagen beschränkt sich beim Golf R auf 300 PS und 380 Nm ab 1.800 Touren, was erneut mehr Leistung und mit offiziell 6,9 bis 7,1 Liter zugleich einem niedrigeren Durchschnittsverbrauch als beim Vorgänger bedeutet. Möglich macht es eine aufwendige Weiterentwicklung des 2,0-Liter-Vierzylinders aus dem GTI. Auch der neue R lässt seinen Käufern wieder die Wahl zwischen einer Handschaltung oder dem DSG Doppelkupplungsgetriebe mit jeweils sechs Gängen. Ohne Kupplungspedal wie bei unserem Testwagen sind beeindruckende 4,9 statt 5,1 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 angegeben und erst bei 250 km/h läuft er in den Begrenzer. Trotz den starken Fahrleistungen wirkt der Tacho bis 320 allerdings etwas übertrieben!

Tatsächlich wären vielleicht sogar 280 km/h möglich und einige Enthusiasten würden dafür sicher extra zahlen, wenn die Elektronik den R zumindest im Race-Modus dann später ausbremst. Gerade in diesem sportlichsten aller drei vorprogrammierten Konfigurationen könnte er aus unserer Sicht durchaus noch kompromissloser sein. Schnell und unterhaltsam ist der stärkste Golf ab Werk dann aber allemal: Das flinke DSG gibt automatisch Zwischengas beim Runterschalten und der tiefe Sound aus der zweiflutigen Abgasanlage mit zwei Paaren verchromter Endrohre erinnert an ein großvolumiges Triebwerk. Druckvoll schiebt es aus dem Drehzahlkeller an und lässt auch bis über 6.000 Touren nicht nach.