Plug-in-Hybrid im Fahrbericht: VW Golf GTE

19.09.2014 | Christian Sauer | Testrides

VW Golf GTE
Nachdem wir bereits im Frühjahr den rein elektrisch angetriebenen e-Golf testeten und in einem Prototyp des Golf GTE mitfahren konnten, griffen wir nun selbst zum Steuer und zum Ladekabel des sportlichen Plug-in-Hybriden.

Vor 40 Jahren endete eine Ära: Der legendäre VW Käfer wurde von einem komplett neuen Modell abgelöst, das auf den Namen „Golf“ hörte. Noch vier Jahrzehnte später ist der Volkwagen auch in der siebten Generation ein „Dauerbrenner“ und wird inzwischen mit mehr als zwei Antriebsquellen angeboten. Neben Benziner und Diesel, gibt es den Golf ebenfalls mit Erdgas, komplett elektrisch als e-Golf und nun auch als Plug-in-Hybrid. Nach dem XL1 ist er überhaupt erst der zweite VW-Hybrid mit Stromanschluss. Die Modellbezeichnung „GTE“ leiten die Wolfsburger übrigens von den beiden anderen sportlichen Varianten des Golfs, dem Klassiker GTI mit seinem bis zu 230 PS starken Benziner und dem GTD mit 184-PS-Diesel ab – beide mit zwei Liter Hubraum.

Dazwischen ordnet sich der GTE mit 204 PS / 150 kW Systemleistung ein. Der 1,4 Liter kleine Vierzylinder bringt es allein auf 150 PS / 110 kW und der direkt neben ihm verbaute Elektromotor als dreiphasige permanentmagneterregte Synchronmaschine leistet 105 PS / 75 kW. Die Lithium-Ionen-Batterie mit 8,7 kWh Kapazität ist ebenso wie der 40-Liter-Tank im Heck untergebracht. Bedingt dadurch, dass der eigentlich für das Ersatzrad vorgesehene Platz unter dem Kofferraum nicht für Gepäck genutzt werden kann, sinkt dessen Volumen auf 272 bis 1.162 Liter mit umgeklappten Rücksitzen. Bei GTI und GTD sind es (theoretisch) 360 bis 1.270 Liter, aber auch nur wenn das untere Fach genutzt wird. Damit relativiert sich der vermeintliche Nachteil wieder etwas.

 

Von seinen sportlichen Brüdern übernimmt der GTE diverse Technik-Features und Design-Elemente. Dazu gehören dezente Spoiler und 16  bis 18 Zoll große Leichtmetallräder. Exklusiv den elektrifizierten Fahrzeugen von Volkswagen vorbehalten, sind dagegen die C-förmigen LED-Tagfahrlichter und der blaue Zierstreifen, der sich durch die serienmäßigen LED-Scheinwerfer und den Kühlergrill zieht. Getreu dem Werbe-Slogan „Think Blue“ sind auch die Bremssättel sowie die Ambientebeleuchtung, die Ziernähte und der kultige Karo-Stoffbezug im Innenraum unseres Testwagens farbig gehalten. Die bequemen Sportsitze bieten guten Seitenhalt und das ist auch gut so, denn der GTE soll ausgeprägte Fahrdynamik mit Sparsamkeit verbinden.

Für die Beschleunigung auf Tempo 100 gibt VW 7,6 Sekunden an – der stärkste GTI ist knapp eine Sekunde schneller und läuft maximal 250 km/h – der GTE schafft immerhin 222 km/h. Die Fahrleistungen des Diesel-GTD sind nahezu identisch mit dem GTE und auch beim Verbrauch geben sich die Verbrennungsmotoren nichts: Der offizielle Durchschnittsverbrauch des GTD ist mit 4,2 Liter Diesel und der GTE mit 4,5 Liter Benzin angegeben – nur der GTI fällt durch seine höhere Leistung und 6,0 Liter Verbrauch aus dem Rahmen. Auf den typisch für einen Plug-in-Hybrid sensationell niedrig klingenden Gesamtverbrauch von 1,5 Liter Benzin auf 100 km nach dem oft kritisierten NEFZ-Messverfahren, was 35 Gramm CO2 pro Kilometer entspricht, kommt der GTE natürlich nur mit Hilfe seines elektrischen Antriebes. Bei 11,4 kWh Verbrauch soll dessen Reichweite 50 km betragen, was sich auch bei unseren Testfahrten als realistisch erweist. An einer normalen Steckdose dauert eine vollständige Aufladung nicht ganz vier Stunden, an der optionalen Wallbox mit 3,6 kW heißt es zwei Stunden und 15 Minuten warten. Analog zu anderen E-Fahrzeugen lässt sich die Ladezeit auch vorprogrammieren oder über eine spezielle App fernsteuern.