Volkswagen electrified! VW e-Golf, GTE & e-up!

11.03.2014 | Anja Sauer | Testrides

VW e-Golf Volkswagen Electrified Berlin Tempelhof Drivers Club Germany

Fahrspaß bietet auch der e-Golf: Während im Wolfsburger Stammwerk die ersten Serienexemplare vom Band rollten – übrigens auf der gleichen Montagelinie wie alle anderen Golfs mit Verbrennungsmotoren – schnappten wir uns eines der Vorserienfahrzeuge und fuhren damit mitten durch Berlin. Im Innenraum des ebenfalls „nur“ als Fünftürers bestellbaren e-Golf findet sich die Farbe Blau an den bequemen Sitzen, dem handlichen Lenkrad, dem Schalthebel des 1-Gang-Getriebes und in Form der Ambientebeleuchtung wieder. Anders als bei anderen Elektrofahrzeugen setzt VW nicht komplett auf digitale Instrumente. Neben den linken Zeigern für die Leistungsanzeige, finden sich rechts der Tacho bis Tempo 160 – der e-Golf fährt maximal 140 km/h – und eine analoge Tankanzeige. Offiziell wären nach NEFZ-Zyklus maximal 190 km möglich. Zusätzlich ist eine „praxisnahe“ Reichweite von 130 bis 190 km angeben.

Wie in anderen VW-Modellen gibt es dazwischen ein Digitaldisplay, das um Elektro-spezifische Anzeigen wie die Rekuperationsstufe ergänzt wurde und auch der 8-Zoll-Touchscreen bietet neue Funktionen. So werden neben dem Energiefluss und der Restreichweite die Einsparpotenziale dargestellt, die beispielsweise die Heizung oder die Klimaanlage bieten. Es lassen sich verschiedene Fahrten und der eigene Fahrstil grafisch auswerten. Die Informationen erscheinen nicht so umfangreich zu sein wie z.B. im Tesla Model S und auch die optische Darstellung fällt bewusst reduzierter aus. Volkswagen will damit eine möglichst einfache Bedienung ohne lange Eingewöhnungszeit sicherstellen, was aus unserer Sicht gelungen ist. Für alle „Digital Natives“ gibt es eine Smartphone-App, mit der sich ebenfalls Fahrzeugdaten abrufen und Funktionen wie die Standheizung und -klimatisierung fernbedienen lassen. Dazu gehört ebenfalls das Batterieladen.

 

Die insgesamt 264 Lithium-Ionen-Zellen, die zusammen über eine Nennkapazität von 323  V und eine Kapazität von 24,2 kWh (brutto) verfügen, lassen sich an einer üblichen 230-Volt-Steckdose mit 2,3 kW Wechselstrom in rund 13 Stunden komplett aufladen. An der optional angebotenen Wallbox für die heimische Garage oder an einer öffentlichen Ladesäule mit 3,6 kW soll sich die Ladezeit auf acht Stunden verringern. Noch schneller wird es zukünftig mit Gleichstrom  gehen, wofür der e-Golf dank Combined Charging System (CCS) vorbereitet ist. Die Batterien sind zwischen den Achsen, unter den Sitzen positioniert und wiegen 318 kg. Mit insgesamt 1.510 kg DIN-Leergewicht fällt der e-Golf relativ leicht aus, was sich beim Fahren positiv auswirkt.

Unser erster Eindruck: Satt und sicher liegt der Volkswagen auf der Straße. Die Lenkung reagiert selbst ohne speziellen Sport-Modus direkt auf Richtungsänderungen. Von den rollwiderstandsoptimierten Reifen hören wir auf unserer Fahrt durch die Hauptstadt ebenso wenig wie von Windgeräuschen oder vom Elektromotor. Der leistet 85 kW / 115 PS und wuchtet aus dem Stand heraus das maximale Drehmoment von 270 Nm auf die Vorderräder. Wer Vollgas gibt, wird in 4,2 s auf Tempo 60 und in 10,4 auf 100 km/h katapultiert. Das Triebwerk dreht bis 12.000 Mal pro Minute. Nicht nur deswegen werden Fahrer sportlicher Verbrenner neidisch – spätestens beim Ampelsprint schauen sie verwundert dem lautlosen Golf hinterher. Allerdings erreicht man selbst mit Elektro-Power bei einer solch sportlichen Fahrweise auch nicht den offiziellen Durchschnittsverbrauch von 12,7 kWh pro 100 km. Dafür sollen die unterschiedlich starken Rekuperationsstufen sowie die drei Fahrprofile sorgen. Im Vergleich zum Normal-Modus werden in „Eco“ und „Eco+“ die Motor- und Fahrleistungen deutlich reduziert, sowie die Klimaanlage deaktiviert.

Als Richtwert für die Betriebskosten gibt Volkswagen 3,28 € / 100 km an, was selbst eingefleischte Diesel-Fahrer zum Umdenken und Umsteigen bringen könnte. Hinzu kommt die aus unserer Sicht faire Preisgestaltung. Ohne Sonderausstattungen kostet der e-Golf 34.900 Euro und ist damit rund 3.000 Euro teurer als ein vergleichbarer Golf TDI. Die Batterien sind dabei inbegriffen und mit der Garantie von acht Jahren bzw. 160.000 km soll Vertrauen in die neue Antriebstechnik geschaffen werden. Und falls die elektrische Reichweichte für die ein oder andere längere Reise doch nicht reichen sollte, bietet Volkswagen auch kostenlose Leihwagen mit Verbrennungsmotoren an. Vielleicht gehört zukünftig sogar der Golf GTE dazu.