Erstkontakt: Volvo XC90 angetestet

30.05.2015 | Mikhail Bievetskiy | Testrides

Volvo XC90 Fahrbericht
Mikhail Bievetskiy testete für Drivers Club Germany den neuen Premium-SUV aus Schweden in und rund um Frankfurt.

Fast 30.000 Vorbestellungen verzeichneten die Schweden für den neuen Volvo XC90 in ihren Auftragsbüchern. Eine beeindruckende Zahl, wenn man bedenkt, dass kein Kunde bisher den neuen Premium-SUV gefahren ist. Am 13. Juni ist die offizielle Markteinführung und wir durften bereits eine erste Runde durch das hektische Frankfurt drehen. Wie sich der Neue fährt und ob er den Basispreis von knapp 50.000 Euro wert ist, zeigt die Probefahrt.

Zur Markteinführung stehen zwei Motoren zur Verfügung; im Laufe des Jahres folgenden drei weitere. Beim Selbstzünder handelt es sich um einen D5 mit 225 PS, wobei der T6- Benziner mit 320 PS aufwartet; getestet haben wir bisher nur die Benzin-Variante. Beide Motorisierungen verteilen ihren Antrieb auf alle vier Räder mittels der Achtgang-Automatik Geartronic. Außerdem ist die Top-Motorisierung T8 Twin Engine bereits vorbestellbar. Dabei handelt es sich um einen Plug-In-Hybrid mit einer Systemleistung von 407 PS. In den kommenden Monaten folgen zwei weitere Benziner und der Einstiegs-Diesel D4, der allerdings nur frontgetrieben erhältlich sein wird.

Das Sondermodell namens First Edition soll ebenfalls zur Markteinführung erhältlich sein. Dieses ist nur Vorbestellern vorenthalten und wird bei knapp 2.000 Fahrzeugen ausgeliefert. 112 Fahrzeuge gehen davon nach Deutschland und werden mit einer individuellen Seriennummer über die deutschen Straßen rollen. Die First Edition fährt mit einer Onyx Schwarz-Lackierung und großen 21 Zoll-Felgen vor. Neben dem hochwertigen Bowers & Wilkins Soundsystem sorgen auch Komfortsitze mit Sitzbelüftung sowie -Heizung für das Gefühl eines rollenden Wohnzimmers.

Die Basispreise reichen bei den Benziner von 57.700 bis 76.705 Euro. Bei den Selbstzündern ist die Range zwischen 49.400 für den Basis-Diesel ohne Allradantrieb bis hin zu 53.400. Unser gezeigter Testwagen liegt bei rund 94.500 Euro.

 

Wenn bei einem neuen Modell kein Stein auf dem anderen bleibt, spricht das grundsätzlich für moderne Systeme, die an die heutige Zeit adaptiert sind. Beim Volvo XC90 passt diese These, denn allein schon das Cockpit und das Exterieur-Design deuten auf ein Auto aus der Zukunft. Doch auch unter der Haube hat sich einiges getan. So verrichten moderne Motoren ihren Dienst, die sehr geräuscharm arbeiten. Das kommt dem Fahrkomfort zugute. Gepaart mit einer äußerst komfortablen Lenkung und einem Luftfahrwerk, wird jede Reise zum First-Class-Erlebnis.

Drei große Konkurrenten aus Deutschland fordern den neuen Volvo XC90 heraus. Nach der ersten, kurzen Fahrt können wir sagen: Die Materialqualität und Auswahl der Materialien ist besser als im Audi Q7 (Vorgänger), Mercedes GLE (ehem. ML) und BMW X5. Allerdings greift diese Behauptung nur für Elemente, die man direkt sieht. Beim Infotainment hat BMW aktuell die Nase vorne, weil die Bedienung per iDrive deutlich einfacher verläuft. Allerdings ist das ein Punkt, der im längeren Test überprüft werden muss.

Spannend ist die Entscheidung, nur auf Vierzylinder zu setzen. Wer vorher einen V8 gefahren ist, wird sich umgewöhnen müssen. Wir meinen: Nicht weiter tragisch, da man den Großteil der Zeit in Metropolen sowieso im Stau steht. Für den Standardsprint von 0-100 km/h ist man bei der Hybrid-Variante (T8) in 5,9 Sekunden sowieso nicht untermotorisiert. Der Verbrauch von 2,5 Litern nach EU-Norm tröstet schnell darüber hinweg.

Volvo zählt zu den Marken, die in einem sehr kurzen Zeitraum eine 180°-Wendung hingelegt haben. Das bekommen sie hin mit einem neuen Baukastensystem namens SPA, einem neuen Vertriebskonzept, das auf moderne Showrooms setzt sowie dem konsequenten Umdenken von bestehenden Strukturen. Deshalb wird das komplette Modellprogramm erneuert und es folgen elf neue Modelle bis 2019.

Wir sind gespannt auf einen ausführlichen Test des Volvo XC90 im Sommer. Dann werden wir unter anderem klären, wie das Infotainment-System in der Praxis funktioniert, welche Durchschnittsverbräuche realistisch sind und der Frage nachgehen, ob ein Vierzylinder im Alltag wirklich ausreichend ist.