Volvo XC40 Wintertest

17.02.2018 | Christian Sauer | Testrides

Nach unserer urbanen Spritztour durch Barcelona bei der Weltpremiere Ende letzten Jahres, fahren wir das erste Kompakt-SUV der Schweden nun auf Eis und Schnee. Außerdem werfen wir einen Blick auf das neue Sondermodell V90 Cross Country Ocean Race.

Bevor es auf rutschigem Untergrund quer geht, führt unsere Fahrt erstmal auf trockenem Asphalt und strahlender Sonne quer durch Bayern. Zum Start haben wir den aus anderen Schweden-Modellen bekannten D4 als stärksten Diesel mit 190 PS an Bord. Damit ist das erste kompakte SUV von Volvo mehr als nur ausreichend motorisiert. Bei lediglich 1,8 Tonnen Leergewicht haben die 400 Nm Drehmoment leichtes Spiel. Dementsprechend sind die Fahrleistungen für ein lifestyliges Auto, das Volvos Marketing-Strategen vor allem in trendigen Großstädten verorten, mit 7,9 Sekunden auf Tempo 100 und 210 km/h Spitze respektabel. Besonders im Sport-Modus, wo neben der 8-Stufen-Automatik und dem Motormanagement auch die Lenkung geschärft wird, wirkt der XC40 spritzig und dynamisch. Das Sportfahrwerk mit strafferer Abstimmung (aber ohne Tieferlegung) unserer R-Design-Ausstattung macht das SUV zum knackigen Kurven-Carver. Dabei wird der Fahrkomfort nicht spürbar beeinträchtigt. Zu der voll alltagstauglichen Sportversion passen auch das Lenkrad und die Sitze mit mehr Seitenhalt, der aus unserer Sicht allerdings gerne noch ausgeprägter sein könnte.

Apropos Sicht: Die ist – wie schon in Barcelona festgestellt – nach schräg hinten durch die hochgezogene C-Säule sehr eingeschränkt. Die außen dadurch entstandene Fläche bietet den Designern bekanntlich zusätzliche Möglichkeiten, weitere Schriftzüge unterzubringen und den im schicken Industriedesign gestylten XC40 (Länge 4,43 m) weiter aufzupeppen. Von den größeren Volvo-Modellen übernimmt er zahlreiche Assistenz- und Sicherheitssysteme samt Kameras rundum. Das digitale Cockpit mit den 12-Zoll-Instrumenten und das senkrechte 9,3-Zoll-Display für das Infotainmentsystem kennen wir ja schon aus dem XC90 und XC60. An die komplexe Bedienung gewöhnen wir uns auch langsam. Die Qualität der verwendeten Materialien und deren Verarbeitung gefällt ebenso wie das durch das große Panoramadach verstärkte luftige Raumgefühl. Die Ablagen beispielsweise in den Türen oder der Mittelkonsole inklusive Abfall- und Kleenexbox sind äußerst praktisch. Mit 460 bis 1.336 und durchdachten Verstaumöglichkeiten punktet auch der Kofferraum.

Nahe der österreichischen Grenze wechseln wir unseren Testwagen und steigen vom XC40 R-Design in „Crystal White Pearl“ in einen Momentum („Fusion Red Metallic“) ein beziehungsweise um. Das ist die luxuriöse und weniger sportliche Topausstattung unterhalb Inscription. Ab der inzwischen begonnenen Markteinführung kann ebenfalls mit dem D4-Diesel oder dem T5-Benziner kombiniert werden. Letztgenannter leistet 247 PS und 350 Nm, was für 6,5 Sekunden und 230 km/h Höchstgeschwindigkeit reicht. Er läuft naturgemäß etwas ruhiger als der Selbstzünder und klingt unter Volllast sonorer. Zukünftig wird der XC40 außerdem von den bekannten D3 und T4 sowie dem neuen T3 angetrieben. Dieser Dreizylinder wird allein für sich 150 PS über eine Handschaltung an die Vorderräder übertragen. Er bildet gleichzeitig die Basis für den späteren Hybrid mit zusätzlichem Elektromotor. Das soll die verbrauchsgünstigste Variante idealerweise für die City werden, wobei sich bereits jetzt die beiden Topmotorisierungen mit offiziell 5,1 Liter Diesel und 7,2 Super recht genügsam präsentieren. Dagegen fallen die Preise unserer Testwagen voller Sonderausstattungen mit fast 60.000 Euro recht happig aus. Mit den schwächeren Motoren werden die Einstiegspreise jedoch unter 44.000 Euro beginnen und dazu kommt noch das gerade gestartete Vertriebsmodell „Care by Volvo“.

Noch einmal zurück zum Antrieb und Fahrverhalten: Wie viel Sicherheit und Spaß dabei Allrad bringt, beweist sich spätestens auf Eis und Schnee. Davon gibt es dieses Jahr zum Glück genug bei Lechner Racing in der Nähe des Tiroler Örtchen Faistenau. Traditionell folgen bei den Volvo Winter-Testfahrten nach „Aufwärmübungen“, wo die elektronischen Helferchen des XC40 ihr Potential zeigen können, auch freies Fahren. Mit normalen Winterreifen und ohne Spikes bleibt das SUV sehr sicher und stabil. Erst wenn das ESP deaktiviert wird und der Fahrer es bewusst darauf anlegt, geht die Kurvenfahrt in den gepflegten Drift über. Natürlich ist Feingefühl an der Lenkung und am Gas gefragt, damit man(n) nicht zu euphorisch und schnell, untersteuernd aus der Kurve hinaus schiebt. Ein beherzter Gasstoß schadet aber auch nicht und wirkt oft Wunder. Der XC40 überzeugt selbst auf dem rutschigen Terrain und qualifiziert sich somit für den nächsten Winter(urlaub). Deshalb – aber natürlich nicht „nur“ darum – wird das erste kompakte SUV der Schweden den Erfolg weltweit und in Deutschland weiter steigern. Schon jetzt fährt Volvo vor allem dank XC90 und XC60 von einem Rekord zum nächsten.

Doch auch die anderen Modelle verdienen natürlich Aufmerksamkeit und laden zu Testfahrten ein. Mit Allradantrieb ebenfalls für Eis und Schnee prädestiniert, präsentieren sich der wegen des anstehenden Modellwechsels wohl nicht mehr lange angebotene V60 Polestar, den wir nach unserem Erstkontakt im vorletzten Sommer in den Alpen nun auch driften konnten, sowie der S90 Plug-in-Hybrid und das neue Sondermodell des V90 Cross Country. Anlässlich des aktuell laufenden Volvo Ocean Race – einer der härtesten Segelregatten um die Welt – fällt er eigentlich erst auf den zweiten Blick durch spezielle Alufelgen und orangefarbige Details außen wie innen auf. Selbst wenn der Atlantik oder das Mittelmeer relativ weit weg sind, macht der V90 Cross Country Ocean Race wie alle aktuelle Volvos mit Allrad eine ausgezeichnete Figur in den Alpen.