Volvo XC40 – Preview

19.12.2017 | Christian Sauer | Testrides

Schon bevor das kleine aber feine SUV im Frühjahr zu den Händlern rollt, fuhren wir es in Barcelona. Dabei gab es interessante Geheimtipps zu entdecken. Hier unser Fahrbericht

Von den beiden Vorzeige-Schweden XC60 und XC90 haben wir in den letzten Jahren schon oft berichtet und Volvos großes Flaggschiff bereits mehrfach in unterschiedlichen Versionen getestet. Ihr Erfolg verleiht der skandinavischen Traditionsmarke neuen Glanz und einen Verkaufsrekord nach dem anderen. Und nun steigt Volvo zusätzlich auch in das noch lukrativere Segment der Kompakt-SUVs ein. Bislang gab es zwar auch schon den V40 als Cross Country und auch weiterhin soll es den Kompakten geben, aber auf der gleichen neuen Plattform wird sich der XC40 sicherlich bald zum Bestseller entwickeln – das Zeug dazu hat er auf jeden Fall!

Mit seiner Größe – 4,43 m Länge und 2,03 m Breite – ist er nicht zu groß für enge Innenstädte. So wundert es nicht, dass wir ihn in Barcelona gerne den deutlich größeren SUV-Zwillingen vorziehen. Während XC60 und XC90 optisch kaum zu unterscheiden sind, grenzt sich der Newcomer deutlich von ihnen ab. Volvo selbst spricht nicht von „Bruder“, sondern vom „Cousin“, dessen Grill und „Thors Hammer“ neugestaltet wurde. Zudem setzt der XC40 mehr auf modernes Industrie- und Produktdesign statt auf traditionelle Autoformen. Scharfe statt weiche Linien dominieren die Flanken zusammen mit bis zu 21 Zoll großen Rädern. Zur Wahl stehen viele Lackfarben, für noch mehr Lifestyle auch in zweifarbigen Kombinationen. Auffällig ist zudem das hochgezogene Fenster an der C-Säule, das leider die Übersichtlichkeit etwas einschränkt. Dafür gibt es ja aber neben Parksensoren auf Wunsch auch 360-Grad-Kameras.

Das große Glasdach lässt auf Wunsch viel Licht und Luft in den überraschend großzügigen Innenraum hinein. Die Vordersitze mit ausziehbarer Beinauflage, elektrischer Einstellung und Klimatisierung sind sehr bequem. Auch in der zweiten Reihe gibt es viel Platz – zumindest für zwei. Werden die Rücksitze umgeklappt, schluckt der Volvo bis zu 1.336 Liter Gepäck. Im Normalzustand sind es 460 Liter. Praktische Verstaumöglichkeiten finden sich aber nicht nur im Kofferraum, sondern auch vorn. Ein Beispiel für das clevere Innendesign sind die Basslautsprecher des Harman-Kardon-Soundsystems, die aus den Türen hinter das Armaturenbrett wanderten. Dafür warten dort nun sehr große Ablagen, die auf Wunsch auch mit farbigen Filzstoff beispielsweise in orange verkleidet werden. Die hochwertige Materialauswahl gefällt uns ebenso wie die einwandfreie Verarbeitungsqualität. Natürlich gibt es Kunststoff, aber was nach Leder, Aluminium oder Carbon aussieht, ist tatsächlich auch aus dem Material.

Insgesamt erinnert das Cockpit des XC40 an die anderen Volvos der neuen Generation. Wegen der geringeren Größe musste es allerdings angepasst werden, sonst hätte es zu mächtig und einengend gewirkt. Übernommen wurden die 12,3 Zoll großen, digitalen Instrumente und das Infotainmentsystem mit dem 9,2-Zoll-Touchscreen im Hochformat. Dessen Bedienung finden wir zwar teilweise immer noch etwas zu kompliziert, aber wahrscheinlich ging es nicht einfacher bei den vielen Funktionen. Und im XC40 kommen noch weitere im Bereich Konnektivität dazu: Per Smartphone-App kann sich der brandneue Volvo sogar zum private Carsharing-Mobil verwandeln. Familienmitgliedern und Freunden kann nicht nur der Standort übermittelt werden, es können auch Fahrten „gebucht“ werden und die Schlüsselfunktionen auf die entsprechenden Smartphones freigeschaltet werden. Das finden wir faszinierend und innovativ, aber auch etwas unheimlich. Doch Volvo beteuert, alles zum Schutz gegen Hacker und Cyber-Angriffe getan zu haben. Schließlich bleibt Sicherheit bei Volvo omnipräsent. Bleibt nur die Frage, wer seinen schönen XC40 zumindest temporär in „fremde Hände“ geben möchte.

Wir wollen ihn auf jeden Fall erstmal selbst fahren. Es geht raus aus der Metropole in Richtung Flughafen, wo in direkter Nachbarschaft der Jets kilometerlange Sandstrände und Wellen auf Surfer warten. Zwar gilt das Mittelmeer nicht unbedingt zum Wellenreiten prädestiniert, aber die individuell an die Kunden angepassten „Bretter“ von Hav Surfboards / Surfing Hut sind perfekt für die speziellen Bedingungen konstruiert. Zukünftig soll es auch einen Surfclub für Könner und Beginner samt Schule geben. Dank Allradantrieb und mit Surfboard-Halter auf dem Dach, kann dann stilvoll mit dem XC40 direkt am Strand vorgefahren werden. Ein „echter“ Geländewagen wird aus ihm aber auch mit dem Offroad-Modus nicht. Doch das erwartet ernsthaft hoffentlich kein Interessent vom kompakten Volvo, wohl aber auch außerhalb der Städte auf der Straße zu überzeugen. Die Basis dafür soll die neue Fahrzeugarchitektur bieten. Wir testen es selbst auf dem Weg zum Torre de Collserola, wo sich der Fernsehturm hoch über Barcelona erhebt. Mit der im Vergleich zu vorn breiteren Spur hinten fährt sich der XC40 wirklich sehr handlich und knackig, ohne den Komfort zu beeinträchtigen.

Zu überzeugen weiß ebenfalls die 8-Stufen-Automatik der beiden zur Markteinführung angebotenen Zweiliter-Vierzylinder. Die bereits aus den anderen Volvo-SUVs bekannten T5-Benziner und D4-Diesel leisten im XC40 stolze 247 PS und 350 Nm respektive 190 PS und 400 Nm. Damit wirkt der kompakte 1,6-Tonner mehr als ausreichend motorisiert. 6,5 bzw. 7,9 Sekunden auf 100 km/h, Topspeed 230 / 210 sind bemerkenswert in diesem Segment. Die Verbräuche sind offiziell mit 7,3 und 5,1 Litern angeben, die Abgasnorm bei beiden mit Euro 6d. Später sollen auch noch schwächere Versionen samt 6-Gang-Handschaltung und Frontantrieb sowie mit Hybrid- und reinem Elektroantrieb folgen. Die Basis dafür scheint gut, schließlich schlummert unter dem Kofferraumboden genug Platz für Batterien. Doch die Elektrifizierung wird wohl noch etwas dauern… Zum Abschluss unseres ersten Tages mit dem Volvo XC40 fahren wir zurück in die Innenstadt von Barcelona. Mit dem kompakten SUV einen Parkplatz zu finden, fällt nicht schwer.

Unser letztes Ziel für heute ist die Paradiso Pastrami Bar in der Nähe der Ramblas und des Yachthafens. Unscheinbar in einer kleinen Seitenstraße gelegen, verbirgt sich hinter der Theke eines historischen Imbisses und einer versteckten Tür eine stylische Bar mit erstklassigen, sehr kreativ gestalteten Cocktails. Dabei lässt sich wunderbar der XC40 konfigurieren. Zum Marktstart beginnen die Preise bei 44.800 Euro. Mit der sportlichsten R-Design-Ausstattung und einigen Extras können es aber durchaus auch mehr als 60.000 Euro werden. Keine Frage, der kleine Volvo will Premium sein und ist es auch. Preislich liegt er somit auf einem ähnlichen oder sogar höheren Niveau als Audis Q2 und Q3, als der BMW X2, Jaguar E-Pace, Mercedes-Benz GLA oder Range Rover Evoque. Darüber hinaus wird er eine reizvolle Alternative für Premiumkompakte sein und Interessenten vom Um- bzw. Aufstieg überzeugen. Wie sich der Volvo XC40 auf Eis und Schnee fährt, klären wir demnächst bei unseren Winter-Testfahrten. Stay tuned!