Volvo XC40 Fahrbericht

20.06.2019 | Christian Sauer | Testrides

Wie wäre es mit einem Schwedenhappen? Nein, das ist nicht jedermanns Geschmack und wir sind auch nicht unter die Food Blogger gegangen, sondern testen das kompakte Premium-SUV.

Wofür steht Volvo? In der Vergangenheit prägten neben einigen Coupés und dem „Schneewittchensarg“ bekanntlich vor allem die eckigen Kombis das Image des schwedischen Herstellers. Und heute? Da sind es mit weitem Abstand die SUVs der drei XC-Baureihen, die sich hierzulande und weltweit am besten verkaufen. Mit mehr als 100.000 Exemplare seit Anfang letzten Jahres trägt der XC40 als kleinstes Modell des Trios – und zugleich als derzeit kleinster Volvo insgesamt – einen großen Anteil daran bei. Erstmals in der langen Geschichte von Volvo mit dem Titel „Europas Auto des Jahres“ gekrönt, erfreut es sich über eine weiterhin sehr große Nachfrage und die Produktion kommt kaum hinterher. Deshalb läuft das kompakte SUV nicht mehr ausschließlich im belgischen Gent, sondern seit Frühjahr zusätzlich auch in China für den asiatischen Markt vom Band.

Bevor in den nächsten Monaten die rein-elektrische Variante und zwei Plug-in-Versionen des XC40 vorgestellt werden, fahren wir den bekannten und unauffälligen D3-Diesel. Wie alle modernen Aggregate von Volvo erfüllt auch der schwächste Selbstzünder-Vierzylinder die strenge 6d-TEMP-Abgasnorm und wird somit auf absehbare Zeit von Fahrverboten ausgenommen sein. Im Gegensatz zu den wahrscheinlich deutlich teureren Motorisierungen mit (teil)elektrischem Antrieb bietet der Einstiegsdiesel ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Immerhin 150 PS versammeln sich bei 3.750 Umdrehungen und 320 Nm liegen bereits ab 1.750 Touren an. Das reicht für 9,9 s für den Standardsprint auf 100 km/h sowie Tempo 200 als Höchstgeschwindigkeit. Dabei soll er sich offiziell im Durchschnitt mit 5,6 Liter Diesel auf 100 km begnügen, was 147 g CO2 pro km entspricht. Minimal verschlechtern sich die Werte, wenn statt 6-Gang-Handschaltung und Frontantrieb, die 8-Stufen-Automatik und Allrad geordert werden.

Zugegeben lassen wir meistens lieber schalten als selbst Hand anzulegen und Vertrauen gerne auf die Traktion von allen vier angetriebenen Rädern, aber das manuelle Getriebe unseres Testwagen lässt sich recht präzise schalten. Schaltfaule haben dank des guten Durchzugs sowieso nicht so viel zu tun. Damit haben wiederum die angetriebenen Vorderräder keine Probleme – auch wenn Allrad natürlich im Winter auf Eis und Schnee mehr Sicherheit bringt. Außerhalb der kalten Jahreszeit fährt sich der leer 1,7 Tonnen wiegende XC40 aber auch so sicher und entspannt. Dazu tragen die typisch für Volvo zahlreichen Assistenzsysteme inklusive teilautonomen Fahren samt Lenken ebenso bei, wie die ausgewogene Abstimmung der elektrischen Servolenkung und des überwiegend aus Aluminium gebauten Dynamik-Fahrwerks samt moderner Multilenker-Konstruktion an der Hinterachse. Gegen Aufpreis gibt es ein noch dynamischeres Sportfahrwerk oder wie in unserem Testwagen adaptive Dämpfer mit verschiedenen Einstellungen.

State-of-the-art Features hat der XC40 von seinen großen Brüdern XC60 und XC90 auch ins Cockpit übernommen: Auf den ersten Blick fallen die digitalen 12-Zoll-Instrumenten und das senkrechte 9,3-Zoll-Display für das Infotainmentsystem auf. Einzeln oder in Paketen zusammengefasst, lassen sich dazu nette Extras wie 360-Grad-Kameras oder das Harman-Kardon-Soundsystem bestellen. Hochwertig präsentieren sich überwiegend auch die verwendeten Materialien und deren Verarbeitung. Als besonderen Gimmick gibt es den Stadtplan Göteborgs – Volvos Heimatstadt – als Zierelemente. Das große Panoramadach mit Hebefunktion verstärkt das grundsätzlich luftige Raumgefühl. Das großzügige Platzangebot und die bequemen Vordersitze mit elektrischer Verstellung erinnern uns ebenfalls an die größeren SUVs. Sehr praktisch finden wir die großen Ablagen beispielsweise in den Türen oder der Mittelkonsole inklusive Abfall- und Kleenexbox. Für einen Kompakten relativ viel Platz bietet auch die Rücksitzbank und der 460 bis 1.336 Liter fassende Kofferraum mit durchdachten Verstaumöglichkeiten.

Das finden wir bemerkenswert, weil der XC40 außen lediglich 4,43 m in der Länge und 2,03 m mit Außenspiegeln in der Breite misst. Seine wahre Größe zeigt sich beim Fahren in der City und beim Parken. Allein die breite C-Säule mit der seitlich ansteigenden Fensterlinie erschwert unnötig die Übersichtlichkeit. Ob das Design gefällt oder nicht, bleibt natürlich sehr subjektiv. Bei allen Sympathien für die sportlich-eleganten Linien des XC60 und des XC90, gefällt uns ebenfalls der XC40 sehr gut. Abgesehen von den optionalen Voll-LED-Scheinwerfern „Thors Hammer“ heben sich seine Front mit dem negativ stehenden Grill und seine markanten Flanken von ihnen ab. Die Lackierung des Dachs in Kontrastfarbe bleibt ebenfalls eine Geschmacksfrage und kostet wie vieles leider extra. Selbst unser Testwagen mit der hochwertigen Momentum-Ausstattung hat nochmal zusätzliche Extras für rund 15.000 Euro an Bord. Mit dem 163 PS starken Dreizylinder-Benziner T3 startet der XC40 bei 32.450 Euro – nicht unbedingt ein kleiner Preis für ein kompaktes Auto – aber passend zum Premiumanspruch von Volvo, den auch das kleinste Modell erfüllt. Wir schon sehr gespannt, wie sich die elektrifizierten Antriebe zukünftig machen werden.