Volvo V90 CrossCountry Ocean Race Edition

23.06.2018 | Christian Sauer | Testrides

Wir testen das exklusive Sondermodell des höhergelegten Luxuskombis mit außergewöhnlichen Details. Warum er ein Exot auf unseren Straßen bleiben wird, klärt unser Fahrbericht.

Obwohl sich dieser Tage nahezu alles um Fußball dreht und Schweden dabei eine wichtige Rolle spielt, geht es bei uns heute ums Segeln – genauer gesagt – das Volvo Ocean Race. Während dieses extreme Rennen um die Welt inzwischen in Skandinavien angekommen ist, bleiben wir allerdings an Land und nehmen das gleichnamige Sondermodell des V90 Cross Country genau unter die Lupe. Es hat schon Tradition, dass Volvo passend zum Sponsoring der mehrmonatigen Regatta alle Jahre wieder auch ein schickes Sondermodell auf den Markt bringt. Nachdem wir bereits 2014 den entsprechenden XC60 testeten, folgt nun das exklusive Sondermodell des höhergelegten Luxuskombis.

Mit 4,93 m Länge fällt er zwar deutlich kürzer als die 22-m-Rennboote Volvo Ocean 65 aus, ist aber fast gleichauf mit Volvos größtem SUV, dem XC90. Man(n) kann es mögen oder auch nicht, aber der V90 Cross Country wirkt dank seiner Höherlegung um rund sechs Zentimeter ebenfalls sehr stattlich. Die bullige Optik des ausschließlich in Crystal White Pearl erhältlichen Sondermodells werden durch die grauen Karosserieelemente, dem speziellen Kühlergrill samt mattsilbernen Streben und den exklusiven 20-Zoll-Leichtmetallrädern mit 245er Reifen untermalt. Wir mögen das stimmige Designkonzept mit den typisch für Volvo Ocean Race Modelle orangefarbigen Zierelementen. Es aus unserer Sicht gut zum sportlichen Charakter und ist fast schon „mutig“, in dieser Größenklasse auf viel Chromzierrat zu zichten, ohne an Eleganz zu verlieren.

Gleiches können wir dem edlen und sehr geräumigen Innenraum attestieren, wo sich die orange Liniewahl fortsetzt. Es beginnt mit den Fußmatten, die es alternativ auch aus Econyl, also aus 100 Prozent recyceltem Nylon unter anderem aus herrenlosen Fischernetzen vom Meeresgrund, gibt und die für Volvos Verbindung zum Meer(esschutz) stehen. Orange Kontrastnähte verfeinern zudem die schwarze Leder-Mesh-Ausstattung unseres Testwagens. Insbesondere sportlich aktive Kunden, die sich für die helle Alternative entschieden haben, werden den wasserabweisenden Schutzsitzbezug zu schätzen wissen. Er lässt sich in einem eigenen Wet-/Dry-Bag im Boden des 560 bis 1.526 Liter großen Kofferraum verstauen. Als besonderes Gimmick bietet der V90 Cross Country Volvo Ocean Race dort einen Boden in Teakholz-Optik, zu dessen Schutz wiederrum eine Textilmatte mit an Bord ist. Praktischer ist da schon die bruchsichere und wasserdichte LED-Taschenlampe, welche in die Seitenwand des Kofferraums integriert wurde.

Doch zurück ins Cockpit: Die elektrisch verstellbaren und beheizbaren Sportsitze sind Volvo-typisch sehr bequem, absolut langstreckenfähig und bieten dennoch guten Seitenhalt. Zum vollständigen Wohlfühlerlebnis fehlten uns allerdings Belüftung und Massagefunktionen. Das ist natürlich „meckern“ auf hohem Niveau, aber genau da will der große Volvo ja aber auch mitspielen und vergleichbare Crossover-Modelle der deutschen Konkurrenz bieten diese Features – wenn auch gegen Aufpreis. Extra bezahlen lässt sich Volvo allerdings selbst bei dem schon ab Werk (noch) besser ausgestatteten Sondermodell noch einiges. Dazu gehört auch Sportlenkrad mit perforiertem Leder und Heizung. Weiter geht es mit diversen Paketen inklusive Panorama-Glasschiebedach, abgedunkelten Scheiben hinten, Standheizung, 360-Grad-Kameras, erweitertem Infotainmentsystem und Head-Up-Display. Serienmäßig sind hingegen die 12,3 Zoll großen Digitalinstrumente und der hochformatige 9-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole, den wir schon aus anderen Volvo-Modellen kennen.

Während die Drive Mode Einstellungen (Eco, Komfort, Dynamik und Offroad) und das Luftfahrwerk an der Hinterachse serienmäßig sind, kostet das adaptive Luftfahrwerk an der Hinterachse extra. Es dient nicht „nur“ der Niveauregulierung bei starker Beladung, sondern vor allem dem ausgezeichneten Fahrkomfort. Außerordentliche Fahrdynamik sollte man vom großen Kombi selbst im Sport-Modus nicht erwarten. Mit 21 cm wird aus dem Cross Country naturgemäß auch kein Hardcore-Offroader. Zusätzliche Sicherheit garantieren jedoch die vier angetriebenen Räder und die schier unendlich vielen Sicherheitsfeatures, auf die Volvo zu Recht stolz verweist. Die Kraftübertragung übernimmt ausnahmslos die unauffällig arbeitende Achtstufen-Automatik. Und der Motor?

Tja, wie bei fast allen Modellen verbauen die Schweden inzwischen 2,0-Liter-Vierzylinder. Im Fall des V90 Cross Country wird noch kein Hybrid, aber dafür noch die beiden Diesel D4 (190 PS / 400 NM) und D5 (235 PS / 480 Nm) angeboten. Die wird Volvo jedoch sukzessive zurückfahren und auch in Deutschland verstärkt auf die beiden Benziner setzen. Da ist zum einen der per Kompressor aufgeladene T6 mit 310 PS und 400 Nm sowie der T5 unseres Testwagens samt 250 PS und 350 Nm. Er beschleunigt den Zweitonner immerhin binnen 7,4 Sekunden auf Tempo 100 und weiter bis 230 km/h. Bei dieser Höchstgeschwindigkeit sind übrigens auch die anderen Motorisierungen elektronisch begrenzt.

Subjektiv fühlt sich der Vierzylinder in den meisten Situationen nicht mit dem großen und relativ schweren Wagen überfordert. Allein bei hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn könnte er mehr Durchzugskraft vertragen. Ansonsten fährt sich der V90 Cross Country sehr ruhig mit ausreichenden Kraftreserven. Der Verbrauch hat sich statt offiziell 7,3 Liter im Durchschnitt bei unseren Testfahrten laut Bordcomputer um die 10 eingependelt. Damit, aber vor allem mit dem Anschaffungspreis ist der V90 Cross Country kein Schnäppchen. Während der „normale“ V90 bei 44.500 Euro startet, kostet die Höherlegung mindestens 57.800 und das Ocean Race Sondermodell davon 70.950. Unser Testwagen liegt nahezu vollausgestattet sogar bei 90.309 Euro. Auch damit spielt Volvo selbstbewusst inmitten der deutschen Konkurrenten mit, selbst diese zum Teil deutlich mehr Leistung bieten. Nein, vielmehr stellt das skandinavische Understatement und die Individualität attraktive Argumente für Interessenten dar.