SUV-Alternative? Volvo V90 Cross Country

08.02.2017 | Christian Sauer | Testrides

Wir fuhren den höhergelegten Kombi mit Allradantrieb und dem Top-Benziner in den winterlichen Alpen. Wie dynamisch präsentiert er sich auf Eis und Schnee?

Dem schwedischen Premium-Traditionshersteller im chinesischen Besitz geht es gut, er fährt von Rekord zu Rekord. Im letzten Jahr stiegen die Verkäufe weltweit um 6,2 Prozent auf 534.332 Wagen. In Deutschland wuchs Volvo mit 4,5 Prozent und übertraf sogar das eigene Ziel mit 39.923 Verkäufen. Zugleich wurden und werden die Händlerbetriebe weiter modernisiert, die Serviceangebote beispielsweise mit dem Miet-Programm Schwedenflotte sowie eigenen Finanzierungs- und Versicherungsmöglichkeiten ausgebaut. Um möglichst viele Interessenten zu erreichen, wird Volvo wie schon letztes Mal zwar auch in diesem Jahr nicht mit einem Messestand auf der IAA vertreten sein, sondern weiterhin mit der eigenen mobilen Fahrzeug-Ausstellung bei zahlreichen Events im ganzen Land Präsenz zeigen.

Neben dem später in diesem Jahr Weltpremiere feiernden XC40 und dem Bestseller XC60, der demnächst von seinem Nachfolger abgelöst wird, hat die 90er-Baureihe schon jetzt einen immer größeren Anteil am Erfolg. Nach dem XC90 als SUV, der S90-Limousine und dem V90-Kombi folgt nun der darauf basierende V90 Cross Country. Wie bereits seine Vorgänger in den letzten 20 Jahren – und somit noch vor Audi allroad, VWs Alltrack- und Cross-Modellen sowie Mercedes-Benz neuerdings mit der E-Klasse All-Terrain – setzt Volvo beim Cross Country ab 56.350 Euro ebenfalls auf drei spezielle Zutaten.
 

Da wären zum einen die robust(er)en Karosserieteile im unteren Bereich, die bei Ausflügen ins „Gelände“ schützen sollen. Paradoxerweise und dennoch für viele CC-Käufer wohl interessant könnte die Option der Lackierung genau dieser Teile in Serienfarbe sein. Dadurch wirkt die dritte 90er-Variante wieder eleganter. Für einen „stämmigeren“ Auftritt bei 4,93 Meter Länge sorgen die Kotflügelverbreiterungen, die allerdings nicht nur dem Design geschuldet sind.

Der V90 Cross Country hat nämlich im Vergleich zum S90 und V90 eine breitere Spur bekommen, wodurch die Höherlegung um sechs auf immerhin 21 Zentimeter Bodenfreiheit fahrdynamisch zumindest teilweise wieder kompensiert wird. Neben dem bekannten Dynamik-Modus für mehr Fahrspaß kommt nun ein Offroad-Modus dazu. Zwar lässt sich das Fahrwerk anders als beim XC90 optional nicht in der Höhe verstellen, da zwecks Niveauregulierung gegen Aufpreis nur eine Luftfederung an der Hinterachse angeboten wird, aber bis 40 km/h wird zumindest die Charakteristik der Lenkung und des Antriebes verändert.

Der Allradantrieb wirkt im Offroad-Modus über die geschlossene Lamellenkupplung permanent auf beide Achsen, während er die Kraft im Normalfall variabel verteilt. Unterstützung gewährleisten zusätzlich die Fahrdynamikregelung ESC und die Bergabfahrhilfe. Typisch Volvo sind sie lediglich einige von zahlreichen Sicherheits-Features. Serienmäßig setzt der V90 Cross Country auf eine 8-Stufen-Automatik und das für alle vier Motorisierungen. Die Drive-E-Vierzylinder mit jeweils 2,0 Liter Hubraum kennen wir bereits aus den anderen großen Volvo-Modellen. Auf Seiten der Diesel sind es der 190 PS / 400 Nm starke D4 und der D5 mit 235 PS / 480 Nm, bei den Benzinern der T5 mit 254 PS / 350 Nm und der T6 samt 320 PS / 400 Nm.

Wer vom Letztgenannten brachiale Durchzugskraft und richtig sportlichen Sound erhofft, wird leider etwas enttäuscht. Trotz Kompressor- und Turboaufladung wirkt er bei Vollgas recht angestrengt und weniger souverän als es das Datenblatt mit 6,3 Sekunden auf Tempo 100 sowie 230 km/h Spitze vermuten lassen. Mit knapp zwei Tonnen Leergewicht ist der V90 Cross Country natürlich auch nicht unbedingt leicht. Umso gespannter sind wir, ob oder wie es sich mit ihm driften lässt. Mit deaktiviertem ESC und viel Gefühl gelingt es überraschend gut. Anpendeln und rum mit dem Heck – die Kurven sehen aus dem Seitenfenster viel besser aus. Vorteil Cross Country: Unebenheiten und Wellen auf den Schneepisten von Lechner Racing im österreichischen Faistenau machen ihm nichts.
 

Mit den ebenfalls für Drifts bereitstehenden S90 und V90 R-Design muss man da schon mehr aufpassen. Das 1,5 Zentimeter tiefergelegte Sportfahrwerk bringt zwar auf Schnee und Eis kaum Vorteile, aber auf Asphalt fühlen sich die großen Volvos dadurch handlicher an – und das in Verbindung mit allen Motorisierungen inklusive dem neuen 150-PS-D3. Während sich der edle Innenraum des Cross Country ausschließlich durch die Echtholzeinlagen „Black Walnut“ und etwas gröberes Leder vom normalen 90er unterscheidet, gibt es beim R-Design analog zum XC90 bequeme Sportsitze, dunkles Leder und echtes Carbon zur Zierde.

Gleiches gilt für den noch sportlicheren S60 / V60 Polestar. Schon im Spätsommer auf der Großglockner-Hochalpenstraße bereitete uns Schwedens Topsportler enorm viel Spaß. Mit Spikereifen wird er zum i-Tüpfelchen der Volvo-Wintertestfahrten 2017, die dennoch vom durchweg gelungenen V90 Cross Country geprägt sind.