Volvo V60 Cross Country & V60 R-Design

20.02.2019 | Christian Sauer | Testrides

In den tief verschneiten Alpen fuhren wir die robusten sowie die sportlichen Varianten des beliebten Kombis.

Nach dem 5. Rekordjahr in Folge mit über 45.000 Zulassungen in Deutschland (+ 11,1 %) will Volvo noch weiter wachsen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die 60er Familie. Während das SUV XC60 wahrscheinlich das meistverkaufte Volvo-Modell hierzulande bleiben wird, folgt dem V60 als „klassischen“ Kombi im Sommer die S60 Limousine – als erstes Modell von Volvo komplett ohne Dieselmotoren und anders als beim Vorgänger nicht mehr als Cross Country. Diese halbwegs geländefähige Vorstufe zum SUV blickt bei dem schwedischen Hersteller inzwischen auf eine über 20-jährige Historie zurück.

Wie bei seinem größeren Bruder V90 Cross Country charakterisieren ihn vor allem die umlaufende Schutzleiste und die Höherlegung für mehr Bodenfreiheit. Die beträgt im Fall des V60-Derivats +6,5 cm auf insgesamt 21 cm. Damit liegt er wiederum auf dem Niveau des XC60. Abgesehen vom traditionellem Schriftzug am Heck hält sich der V60 Cross Country optisch sehr zurück.

Im geräumigen und Volvo-typisch hochwertigem Innenraum wird sogar komplett auf entsprechende Insignien verzichtet. Die „speziellen“ Nähte der Lederausstattung fallen wirklich auf und so fragen wir uns, weshalb die Produktmanager trotz skandinavischem Understatement ihrem „besonderem“ V60 nicht auch ein paar besondere Features mit auf dem Weg gegeben haben. Mögen es andere Hersteller mit Individualisierungsmöglichkeiten und Gimmicks vielleicht etwas übertreiben, hält sich Volvo doch sehr zurück. Zumindest wer schon in anderen Volvos der Neuzeit gesessen hat, findet sich mit dem Sensus Connect Infotainmentsystem samt großem „Tablet“-Touchscreen schnell zurecht und sitzt sehr bequem.

Passend dazu präsentiert sich der V60 Cross Country sehr komfortabel. Neben dem Dynamik-Modus soll per Knopfdruck und Elektronik der Allradantrieb auch auf rutschigem oder unebenen Untergrund nicht so schnell an seine Grenzen stoßen. Tatsächlich hilft er uns zum Beispiel beim Rangieren auf vereisten Parkplätzen. Insgesamt fährt sich der höhergelegte Kombi von Natur aus sehr sicher, was markentypisch durch zahlreiche Assistenzsysteme unterstützt wird – zum Teil gegen saftige Aufpreise.

Dank der konsequent von Volvo umgesetzten Plattform-Strategie und Konzentration auf Vierzylinder-Motoren gibt es auch unter der Haube keine Überraschungen: Zum Markstart ist der V60 Cross Country „nur“ mit dem bekannten D4-Diesel ab 52.350 Euro erhältlich. Mit 190 PS / 400 Nm und 8-Gang-Automatik lässt er kaum Wünsche offen. Der Verbrauch sollt laut realistischer WLTP-Messmetode zwischen 5,9 und 6,6 Liter liegen. Mit Hilfe des Dieselpartikelfilters und SCR-Katalysator erfüllt er wie alle aktuellen Volvo-Modelle die strenge Euro 6d-Temp Abgasnorm, wodurch Fahrverbote in Innenstädte nicht zu erwarten sind. So gerüstet bleibt der Diesel immer noch gefragt und vor allem bei den größeren Modellen für lange Fahrten mit der Kombination von starker Durchzugskraft und relativ geringem Verbrauch die beste Wahl. So lange Kunden ihn nachfragen, bleibt der Diesel im Angebot. Die Tendenz ist jedoch abnehmend und Volvo führt sukzessive in allen Baureihen Hybrid-Motorisierungen ein. Ohne elektrische Unterstützung muss allerdings noch der 250 PS starke T5-Benziner auskommen, der ab Sommer als zweiter Motor für den Cross Country angeboten wird.

Kommen wir nun zum zweiten V60-Ableger, dem R-Design: Die 2007 erstmals so genannte Sportversion wird inzwischen für sieben Baureihen und alle Motorisierungen angeboten. Beim V60 bedeutet reicht das Spektrum von 150 PS im D3 ab 44.950 Euro bis zum über 300 PS starken T8 Twin Engine Plug-in-Hybrid für mindestens 60.350 Euro. Zusätzlich bieten die Volvo-Händler die Polestar-Leistungssteigerungen per Software-Update samt uneingeschränkter Werksgarantie an. Doch zurück zum R-Design mit seinen sportlichen Zutaten. Dazu gehören das 1,5 cm tiefer gelegte und straffer abgestimmte Sportfahrwerk ebenso wie die modifizierte Front, das spezielle Spiegel- und Heckdesign sowie die exklusive Sonderfarbe „Bursting Blue Metallic“.

Innen verbreiten Sportsitze mit mehr Seitenhalt und der dunkle Dachhimmel dynamisches Flair. Wie sportlich sich der V60 R-Design tatsächlich fahren lässt, konnten wir auf den verschneiten Straßen sowie Strecken zwischen Salzburg, Berchtesgaden und Faistenau nicht wirklich testen. Spaß haben die Übungen und das Driften auf dem dortigen Gelände definitiv bereitet. Trotz Allrad und der vielen Assistenzsysteme kann jedoch kein noch so gutes Auto die Grenzen der Physik außer Kraft setzen. Vor allem wenn die Haftungsgrenze der Winterreifen auf rutschigem Untergrund erreicht oder gar überschritten wird, helfen sie auch nicht mehr viel. Also immer schön vorsichtig fahren!

Im schlimmsten Fall bietet Volvo traditionell höchst mögliche Sicherheit. So wurde auch die 60er Familie unter verschärften Bedingungen getestet und erhielt fünf Sterne im Euro NCAP Crashtest – übrigens als einziger Hersteller ausnahmslos mit allen aktuellen Modellen. Das wird sich mit der Einführung der rein elektrischen Polestar-Modelle von Volvo hoffentlich und wahrscheinlich nicht ändern. Wir sind auf jeden Fall schon sehr gespannt auf die schwedischen Stromer und wünschen dem sympathischen V60 mit allen seinen Varianten weiterhin alles Gute!

Und das sagen andere Blogger und Journalisten zum Volvo V60 Cross Country: