Schwedisch anders: Volvo S60 Cross Country

19.05.2016 | Christian Sauer | Testrides

Volvo S60 Cross Country Drivers Club Germany 1
Höhergelegt fährt der Exot unter den Exoten in eine Nische, die hierzulande kein anderes Modell bedient. Wir haben der Allradversion auf den Zahn gefühlt.

Bislang kannten wir Cross-Over-Modelle vor allem als Kleinwagen und Kombis, wo sie beispielsweise Allroad, Alltrack, Country Tourer, Cross oder Scout heißen. Neben ihrer höhergelegten und mit robuste(re)n Anbauteilen versehenden Karosserie wollen zumindest einige Hersteller ihre SUV-Alternativen mit Allradantrieb zu vielseitigen Allroundern mit Schlechtwege-Ambitionen verwandeln. Zu den Vorreitern dieses bislang nur bedingt erfolgreichen Konzepts gehört Volvo mit dem 1997 vorgestellten V70 XC (Cross Country). In dessen Tradition steht heute der kompakte V40 Cross Country ebenso wie der größere Kombi V60 Cross Country und dessen viertüriges Derivat S60 Cross Country hier in unserem Fahrbericht.

Gegenüber der „normalen“ S60 Limousine präsentiert er sich 6,5 cm höher und mit insgesamt 20,1 cm Bodenfreiheit – im Vergleich dazu besitzt der Volvo XC60 als SUV mit 23 cm noch etwas mehr Luft nach unten. Letztgenannten attestierten wir in unserem Fahrbericht vor anderthalb Jahren nicht nur wegen seinem gelungenen Design ein sehr gutes Gesamtpaket. Beim Design des S60 Cross Country scheiden sich hingegen die Gemüter – der hochbeinige Viertürer mit Stufenheck polarisiert – entweder man mag ihn oder nicht. Laut Volvo soll er Eleganz, Dynamik und Vielseitigkeit in einer völlig neuen Form miteinander kombinieren. Dazu trägt er den Wabenmuster-Kühlergrill, ebenso wie mattschwarze Radhausverbreiterungen, spezielle mattsilberne Einsätze in Front- und Heckschürze sowie glänzend schwarze Fensterrahmen und Außenspiegelklappen. Zur Wahl stehen fünf Metalliclackierungen und zwei verschiedene 18-Zoll-Felgen.

 

Beim Antrieb setzt Volvo voll auf Diesel und drei Motorisierungen: Der moderne 2,0-Liter-Vierzylinder leistet als D3 150 PS und 320 Nm Drehmoment und als D4 190 PS / 400 Nm – jeweils mit 6-Gang-Handschaltung oder 8-Stufen-Automatik in Verbindung mit Vorderradantrieb. Alternativ gibt es mit dem gleichen Namenszusatz D4 wie in unserem Testwagen einen 2,4-Liter-Fünfzylinder mit ebenfalls 190 PS. Seine kraftvollen 420 Nm liegen über ein breiteres Drehzahlspektrum an, aber dessen obligatorische Automatik samt Sportmodus und Schaltpaddel hat „nur“ sechs Stufen. Wahrscheinlich wäre die neue Motorengeneration die bessere Wahl, denn mit fünf Zylindern empfinden wir ihn subjektiv recht laut und objektiv bleibt er auf 100 km/h trotz mehr Hubraums mit 8,8 zu 7,7 Sekunden etwas langsamer, wenn auch er in der Spitze mit angegebenen 210 km/h wieder gleichauf liegt. Beim Verbrauch genehmigt er sich mit offiziell 5,7 statt 4,6 respektive 4,2 Liter Diesel mehr als seine Brüder mit Frontantrieb.

Auf trockener Straße verteilt im Normalfall auch der Allradler mit seiner elektronisch gesteuerten Lamellenkupplung bis zu 95 Prozent der Motorleistung an die Vorderräder. Sobald Nässe oder Glätte die Haftung verringern, werden jedoch bis zu 65 Prozent an die Hinterräder geleitet. In schwierigen Situationen helfen außerdem die Bergabfahr- und Berganfahrhilfe, das ESP samt Anhänger-Stabilisierung sowie Corner Traction Control. Die servounterstützte Zahnstangenlenkung ist in drei Stufen einstellbar. Im sportlichsten Setup wirkt sie relativ direkt und zusammen mit dem straffen Fahrwerk trotz den längeren Federn recht dynamisch. Sicherheit wird typisch für Volvo auch im S60 Cross Country groß geschrieben. Das beweisen die zahlreichen serienmäßigen Systeme und optional sind zudem ein aktives Abstands- und Geschwindigkeitsregelsystem samt Stauassistent sowie Distanzwarner bestellbar.