Volvo C40 Recharge Pure Power Twin 1st Edition

10.02.2022 | Christian Sauer | Testrides

Nach dem elektrischen XC40 im letzten Jahr fahren wir nun sein Schwestermodell mit flach abfallendem Heck. Alles „nur“ der Optik zuliebe?

Wintertestfahren mit Volvo verhießen früher schöne Alpentouren rings um Berchtesgaden mit mehr oder weniger Schnee. Seit letztem Jahr wird jedoch nach Hamburg eingeladen, was zum einen durch Corona und der einfacheren Logistik bedingt ist. Zum anderen liegt es aber sicherlich auch daran, dass die elektrischen Modelle für das urbane Umfeld und milderes Wetter prädestiniert scheinen. Dabei können zumindest die Stromer mit Allradantrieb dank Elektromotoren an beiden Achsen fahrdynamisch und was die Sicherheit betrifft auch auf verschneiten Straßen überzeugen. Weltweit betrachtet dominieren bekanntlich aber Lifestyle-orientierte Kunden abseits der Berge. Folgerichtig reicht ihnen oft Frontantrieb mit einem Elektromotor, wie er nun ebenfalls im XC40 Recharge Pure Electric angeboten wird.

Doch wir konzentrieren uns heute allerdings auf den technisch nahezu identischen C40 mit zwei Motoren und „Coupé“-Silhouette. Damit folgt Volvo dem Trend anderer Hersteller, ihren SUVs – oder wie auch immer sie jeweils kreativ genannt werden – ein optisch vermeintlich eleganteres beziehungsweise sportlicheres Derivat an die Seite zu stellen. Wir bei Drivers Club Germany laufen aber nicht jedem Hype oder Trend „blind“ hinterher. Deshalb sehen wir dabei einige Kritikpunkte, auf die wir später noch eingehen.

Erstmal widmen wir uns dem Design: Zugegeben, gerade im Vergleich zum XC40 mit seinem eher unauffälligen Look, sticht der C40 insbesondere von der Seite und natürlich mit seinem Heck ins Auge. Volvo beschreibt es selbst mit „kräftig“ und „markant“. Laut Pressemitteilung geht die „schlanke Crossover-Dachlinie“ über den „aerodynamisch optimierten Spoiler“ in die „coupé-artig geneigten, einzeln segmentierten Rückleuchten“ über. Deren Licht-Animation beim Öffnen und Schließen ist ein nettes Gadget. Vorn arbeiten serienmäßig Pixel-LED-Scheinwerfer mit der aktuell modernsten Technik aller Volvo-Modelle. Serienmäßig sind 19-Zoll-Räder. Die 20 Zoll großen Optionen unseres Testwagens zählen zu den wenigen Sonderausstattungen der 1st Edition.

Die Sonderlackierung in „Fjord Blue“ ist dem C40 ebenso vorbehalten wie die farblich passende Innenausstattung aus teilweise recycelten Kunststoffen und Ledernachbildung. Durch einen kleinen Wollanteil trägt der C40 zwar nicht das Prädikat „vegan“, aber er ist der erste lederfreie Volvo. Ansonsten unterscheidet sich sein modernes, hochdigitalisiertes Cockpit samt Android-Infotainment vom XC40 mit einer transluzenten und hinterleuchteten Dekoreinlage oberhalb vom Handschuhfach samt dreidimensionaler Struktur. Deutlich weniger Einfallsreichtum und Mühe verkörpern die oberen Türblenden aus billig wirkendem Hartplastik. Das finden wir für ein 60.000-€-Auto unangebracht und unangemessen. Gut passen wiederum die Vordersitze, über die sich ein festes Panoramaglasdach erstreckt. Anders als im XC40 mit vorfahrbarem Sonnenschutz, verdunkelt es sich im C40 automatisch. Hoffentlich funktioniert es auch im Sommer bei voller Sonneneinstrahlung effektiv.

Nachteilig gestaltet sich die flachere Dachlinie des C40 bereits vorn, wo die geneigtere A-Säule zusammen mit den recht hoch installierten Sitzen zumindest subjektiv für ein etwas schlechteres Raumgefühl oben herum sorgt. Noch stärker wirkt sich das Design im Fond aus, wo im Vergleich zum XC40 die Kopffreiheit für Personen ab rund 1,85 Meter Größe deutlich eingeschränkt ist. Mit offiziell 413 zu 414 Litern ist das Kofferraumvolumen nahezu gleichauf. Wer bis unter das Dach stapeln muss oder will, wird natürlich wieder die Nachteile der flachen Dachlinie des C40 zu spüren bekommen. Wie bei seinem elektrischen SUV-Bruder befindet unter der „Motorhaube“ ein praktisches 31-Liter-Fach für Ladekabel & Co. Die Lithium-Ionen-Batterie mit 75 kWh nutzbarer Speicherkapazität soll laut Volvo mit 150 kW DC Gleichstrom in 37 Minuten von 10 auf 80 % geladen werden können. Als Reichweite sind gemäß WLTP 415 – 444 km im gemischten Verkehr und 541 – 578 km innerorts angegeben. Eine serienmäßige Wärmepumpe soll auch bei kälteren Temperaturen diese respektablen Reichweiten ermöglichen.

Und wie fährt sich der Volvo C40 Recharge Pure Power Twin? Analog zum XC40 mit Allradantrieb kraftvoll und spritzig. Die zwei Permanentmagnet-Synchronmotoren mit je 150 kW / 204 PS und 330 PS beschleunigen die 2.185 kg Leergewicht in 4,7 Sekunden aus dem Stand auf 100. Die Höchstgeschwindigkeit wird wie bei allen Volvo-Neuwagen bei 180 km/h abgeriegelt. Dank Sensoren im Fahrersitz braucht es beim C40, wie erstmals beim elektrischen XC40 vorgestellt, ebenfalls keinen Schlüssel mehr zum Starten. Der One Pedal Drive garantiert selbst bei vollen Batterien ein gleichbleibendes, recht starkes Bremsgefühl beim „Gaswegnehmen“.

Typisch Volvo hat auch der C40 zahlreiche Assistenz- und Sicherheitssysteme an Bord. Diese basieren auf der neuesten Sensorplattform und halten noch einen Fun Fact parat: Weil sich dahinter die vorwärts gerichteten Radarsensoren befinden, ist das Volvo Logo im „Kühlergrill“ beheizbar. Nicht nur deshalb scheint der C40 auch für Eis und Schnee geeignet. Bis auf die erwähnte Materialqualität und das eingeschränkte Platzangebot der Optik zuliebe ist der erste Volvo, den es ausschließlich ohne Verbrennungsmotoren gibt, ein interessantes (Elektro)Auto. Und mit einem statt zwei Motoren sowie etwas kleinerem Akku wird er zukünftig auch unter 60.000 Euro starten.