VW T-Roc Cabrio

28.08.2020 | Karoline Jacob | Testrides

Wie, ein SUV-Cabrio braucht niemand? Das wollen wir mal sehen und schauen uns den Dreitürer mit Stoffdach im Fahrbericht genauer an.

Um die erste Frage gleich zu beantworten – nein, niemand braucht wirklich den offenen T-Roc – aber das gilt ja bekanntlich für alle Cabrios. Zumeist von Singles oder als Zweitwagen genutzt, steht der objektive Nutzwert oft klar hinter dem subjektiven Vergnügen, den Fahrtwind und die Sonne im Gesicht zu spüren.

Und das gilt zumindest in der Theorie sogar für alle vier Plätze. Wenn die Vordersitze nur moderat nach hinten geschoben werden, bleibt hinten nämlich genug Beinfreiheit auch für durchschnittlich große Gäste. Die umklappbaren Rückenlehnen stehen zwar relativ steil, aber für Ausflüge zu dritt oder zu viert sollte es passen.

Zumindest abseits urbanen Cruisens werden sich viele Fahrerinnen und Fahrer jedoch ein Windschott über den Rücksitzen wünschen, um den aufbrausenden Sturm im Cockpit zu bändigen. Natürlich helfen dabei auch die rahmenlosen, mit einem Knopf hoch- und herunterfahrbaren Seitenscheiben. 

Das Stoffverdeck mit gläserner Heckscheibe öffnet und schließt auch bis Tempo 30 binnen neun Sekunden. Dank dicker Isolierung werden Windgeräusche bis rund 150 km/h gut gedämpft. Zurück auf der Landstraße profitieren wir von der fehlenden B-Säule und fahren bei geschlossenem Verdeck die Fenster wieder komplett runter. So lassen sich mit Sonnenschutz bei gemäßigten Turbulenzen heiße Tage super verbringen. 

Der dreitürige T-Roc birgt aber auch ein paar Nachteile: Der Zugang zu den Rücksitzen gestaltet sich gerade bei geschlossenem Verdeck schwierig. Die großen Türen werden bei engen Parklücken zum Nachteil und ohne „Gurtbringer“ drohen beim Anschnallen auf Dauer schmerzende Verrenkungen. 

Bauartbedingt fällt der Kofferraum mit 280 Litern nicht gerade üppig aus. Immerhin lassen sich die Rücksitze auch bei installiertem Windschott noch als zusätzliche Ablagen nutzen und die Rücksitzlehnen ja umklappen. Sperrige Lasten schluckt das T-Roc Cabrio durch die überschaubare Kofferraumklappe trotzdem nur bedingt. 

Dafür gibt es gegen Aufpreis eine abnehmbare Anhängerkupplung mit bis zu 1,5 Tonnen gebremste Last, also genug für kleinere Anhänger oder Fahrradträger. Nochmal zur Erinnerung – es ist ein Auto vor allem für Singles und Paare – oft als Zweitwagen. 

Diese Einschränkung ist aus unserer Sicht aber kein Grund dafür, dass Volkswagen gerne mehr in Details hätte investieren können. Da wären bei geöffnetem Verdeck die unverkleideten Bereiche schräg hinter den Rücksitzen, die einen unschönen Blick in die Verdecksmechanik bieten. Das war beim inzwischen nicht mehr produzierten Range Rover Evoque, der VW anscheinend als Blaupause für das T-Roc Cabrio diente, per zusätzlichen Abdeckungen eleganter gelöst. 

Auch das Cockpit könnte aus unserer Sicht hochwertiger und zumindest gegen Aufpreis auch individueller gestaltet werden. Wahrscheinlich folgen mit der Zeit aber weitere Optionen und Sondermodelle. Was die Funktionalität und technische Ausstattung angeht, gibt es wenig Grund zur Kritik, entsprechen sie doch den bekannten Volumenmodellen aus Wolfsburg. 

Gleiches gilt für den Antrieb: Während in unserem Testwagen per 6-Gang-Handschaltung der kleine 1.0 TSI Dreizylinder mit 115 PS und 200 Nm Drehmoment verwaltet wird, der überraschend souverän auftritt, würde unsere Wahl dennoch auf den 1.5-TSI-Vierzylinder fallen. Zusammen mit dem 7-Gang-DSG-Getriebe versprechen seine 150 PS und 250 Nm ein noch entspannteres Fahrerlebnis. Für mehr Sportlichkeit sorgt dann auf Wunsch die R-Line-Ausstattung. 

Auf die R-Line muss unsere Basismotorisierung ebenso verzichten wie auf Allradantrieb. Zumindest bis dato setzt Volkswagen bei sämtlichen T-Roc Cabrios auf Frontantrieb. Dabei wäre doch zumindest eine Allrad-Option für das SUV schön, oder? 

Auf der anderen Seite werden höchstwahrscheinlich nur wenige T-Roc Cabrios jemals Unterstützung der Hinterräder benötigen, weder offroad, noch wegen Eis und Schnee, geschweige denn wegen extrem sportlicher Fahrweise. Dafür ist das „Volks-Cabrio“ als Ersatz für den VW Eos, das Beetle und das Golf Cabrio auch nicht gedacht. 

Die 11,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und 187 km/h Höchstgeschwindigkeit unseres Testwagens beeindrucken natürlich nicht wirklich, aber reichen für viele Frischluftfreunde sicher aus. Die verwindungssteife Karosserie sowie das ausgewogene Fahrwerk des rund 1,5 Tonnen wiegenden und 4,27 Meter in der Länge messenden Cabrios mit bis zu 19 Zoll großen Rädern würde wohl auch mehr Leistung verkraften. Wir könnten uns gut ein 300 PS starkes T-Roc R Cabrio vorstellen. 

Doch selbst als Grundmodell ab rund 27.000 Euro ist es ein reizvolles Cabrio, dass naturgemäß wohl kein Bestseller wird, schließlich fristen Cabrios immer mehr ein Schattendasein und fallen in Zeiten immer wichtigerer Rendite zunehmend aus dem Portfolio der großen Hersteller. Auch deshalb sind wir froh, dass sich Volkswagen nicht dem negativen Trend gebeugt hat und uns mit dem T-Roc Cabrio beglückt. Vielen Dank nach Wolfsburg!