Viva Espania – Seat Ibiza Cupra im Fahrbericht

25.07.2013 | Daniel Englisch | Testrides

Seat Ibiza Test Cupra Drivers Club Germany Fahrbericht

Cupra heißt das magische Wort bei Seat. Was bei VW der GTI, bei Opel der OPC, das ist der Cupra bei Seat. Der Mischbegriff aus „Cup“ und „Racing“ lässt viel erahnen, aber kann der Kleine auch halten, was sein Name verspricht? Unser Redakteur Daniel Englisch wollte genau das herausfinden und etwas spanisches Flair auf unsere deutschen Landstraßen bringen.

Auf den ersten Blick erscheint der Ibiza Cupra im Vergleich zu seinen Serien-Brüdern bulliger und sportlicher. Üppige Seitenschweller, eine große tiefe Frontschürze mit aggressivem Blick und ein Sportfahrwerk mit 17 Zoll großen Leichtmetallfelgen – bekannte Zutaten in der sportlichen Klasse der kleinen Kompakten. Dennoch hat der Südländer zumindest optisch etwas mehr Temperament als seine deutsche Konkurrenz. Dies verdankt er nicht zuletzt seiner ohnehin schon dynamischen Linienführung. Kein Wunder, stammt das ursprüngliche Design dieser Modellreihe ja aus der Feder des ehemaligen Lamborghini-Designers Luc Donckerwolke.

Aber Seat hat nicht nur an der Optik des derzeit einzigen Cupra-Modells gefeilt. Im Falle des Ibizas bedeutet das konkret 180 PS aus 1,4 Liter Hubraum und ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. So viel PS aus einem so kleinen Motor? Wie geht das eigentlich und geht das gut? Hier kann der Spanier ebenfalls von der Serientechnik des VW-Konzerns profitieren. Der kleine Motor hat eine doppelte Aufladung spendiert bekommen: Im unteren Drehzahlbereich sorgt ein Kompressor für ausreichend Druck, jenseits von 3.000 Umdrehungen setzt ein Turbolader ein und bringt zusätzlichen Schub. Ein Turboloch sucht man hier vergebens und der Ibiza schiebt vom ersten Meter gut an. Die volle Leistung entfaltet sich erst jenseits der 4.500 Touren, somit giert der kleine Sportler geradezu nach Drehzahl. Der Vortrieb endet erst bei ca. 7.000 Umdrehungen und wird nicht selten durch den Begrenzer eingeschränkt – im Sportmodus sogar regelmäßig.

Auch die Tonlage klingt vielversprechend, das typische Pfeifen des Kompressors wird ab 3.000 – 4.000 Touren durch ein Zischen des Turboladers abgelöst, das Beste aus zwei Welten sozusagen. Ansonsten klingt der Motor sonor und bodenständig, aus einem kleinen scharf gemachten Vierzylinder wird eben trotz Turbolader und Kompressor kein blubbernder V8. Dennoch sind die sportlichen Gene eindeutig zu erkennen.

 

Im Innenraum unterstreichen die Sportsitze, diverse Cupra-Applikationen und ein unten abgeflachtes Sportlenkrad mit Schalt-Paddels den aggressiven, dynamischen Auftritt. Letztere sind auch dem Automatik-Wählmodus vorzuziehen, denn häufig trifft man bei den Beschleunigungsarien ungewollt auf den Begrenzer, lässt man die Technik alles regeln. Ansonsten ähnelt das Innere stark dem seiner Konzernbrüder, die Verarbeitung ist durchaus auf VW-Niveau, die Materialanmutung allerdings noch nicht ganz. Aber im Cupra konzentriert man sich ohnehin eher auf den Drehzahlmesser als auf die seitlichen Türverkleidungen oder die Kunststoffabdeckungen im Cockpit.

Mit einem kleinen Lämpchen in der Konsole haben wir ebenfalls schnell Bekanntschaft gemacht: Häufig ist die Vorderachse mit den plötzlich auftretenden Kräften überfordert und bekommt Schlupf. Dies wird dem Fahrer unmittelbar mit einem Aufleuchten im Tachometer angezeigt. Abgesehen davon lässt sich der Südländer mit Differenzialsperre sehr sicher und zielstrebig handeln. Das Fahrwerk ist nicht zu spitz, gewährt noch genügend Restkomfort und verzeiht somit auch den ein oder anderen Fahrfehler. Fast ein wenig zu neutral für ein sportliches Fahrzeug, aber auch hier gilt wie im VW Konzern üblich: „safety first“

Auf der Landstraße fühlt sich der Ibiza wie zu Hause, seine kompakten Ausmaße im Zusammenspiel mit dem geringen Gewicht machen Ihn zum Kurvenjäger. Durch Turbo und Kompressor stehen in jeder Lebenslage mehr als ausreichend Reserven zu Verfügung. Problemlos kann man so ausgestattet den ein oder anderen BMW- und Mercedes-Fahrer ärgern, die das kleine Cupra-Kürzel im Kühlergrill des Ibizas nicht registriert haben.

Wiederholt hat Seat mit dem Ibiza Cupra ein sehr gutes Gesamtpaket zusammengestellt, das seinen größeren Geschwistern der Premium-Konzernmarken in keinster Weise nachsteht. Arriba Seat!