Hybrid-Vergleich: Ford Mondeo vs. VW Jetta

04.10.2015 | Christian Sauer | Testrides

Ford Mondeo Hybrid VW Jetta Hybrid Vergleich

Seltener als so manche Sportwagen gehören die beiden Hybrid-Modelle hierzulande zu den absoluten Exoten. Woran das liegt, klärt unser Vergleichstest.

Spätestens die aktuelle Diesel-Diskussion hat wieder gezeigt, dass Verbrennungsmotoren nicht mehr viel Potential zur Weiterentwicklung bieten und stattdessen Autos mit elektrischem Antrieb in Verbindung mit Akkus oder Brennstoffzellen als Speichermedium von „grünen Strom“ die Zukunft gehört. Doch bis die Technik ausgereift(er) und günstiger ist, sollen bekanntlich Hybrid-Fahrzeuge mit der Kombination von Elektro- und Verbrennungs-Motoren als „Brücken-Technologie“ dienen und signifikante Verbrauchs-Vorteile erzielen. Während immer mehr Plug-in-Hybride wie der VW Passat GTE mit größeren Batterien für mindestens 50 Kilometer elektrisches Fahren und externer Lademöglichkeit per (Stark)Stromkabel auf den Markt kommen, werden weiterhin auch noch „normale“ Hybrid-Modelle angeboten. Wie unsere beiden Testkandidaten bieten sie zwar nur wenige Kilometer elektrische Reichweite – fünf Kilometer bis 137 km/h beim Ford und zwei beim VW bis 70 km/h – und geladen werden die Batterien ausschließlich während der Fahrt über den Motor oder beim Bremsen, dafür sollen sie im Vergleich zu den Plug-in-Modellen günstiger sein. Na ja, richtig günstig sind sie mit rund 35.000 Euro ohne Sonderausstattungen allerdings nicht. Warum sollte man sich also für die Varianten mit zusätzlichem E-Motor entscheiden?

VW Jetta überrascht positiv

Zum einen wären da lokale und regionale Kaufprämien, die allerdings weiterhin hinter denen in anderen EU-Ländern hinterher hinken. Zum anderen sollen Privilegien wie die Benutzung von Busspuren oder kostenloses Parken die Attraktivität stärken. Hinzu kommen das „gute Gewissen“ und Image, ein umweltfreundliches Auto zu fahren, das besonders sparsam sein soll. Offiziell geben Ford und VW den Durchschnittsverbrauch für 100 km mit knapp vier Litern an, was ungefähr auf dem Niveau vergleichbarer Diesel liegt. In der alltäglichen Realität wie in unserem Test sind es aber einige Liter mehr, gerade wenn es auf deutschen Autobahnen mal schneller als mit Tempo 120 voran geht. Auf diesem Terrain präsentiert sich der Jetta mit dynamischem Fahrverhalten als der Mondeo, ohne unkomfortabel zu wirken und vor allem trotz geringerer Systemleistung – 125 kW / 170 PS vs. 140 kW / 187 PS – mit Vorteilen bei den Fahrleistungen. Wenn der Stromer den 1.4-Liter-Vierzylinder unterstützt, werden ab 1.600 Touren stramme 250 Nm Drehmoment auf die Vorderachse gewuchtet. Das reicht dann für eine Beschleunigung in 8,6 Sekunden auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Der auch beim Drehmoment mit 300 Nm ab 1.750 Touren stärkere Mondeo Hybrid mit 2.0-Liter-Vierzylinder, bleibt auf der Straße allerdings hinter seinem auf dem Papier vermeidlich unterlegenen Konkurrenten zurück: 9,2 Sekunden und 187 km/h. Ein Grund ist zum einen das etwas höhere Gewicht, leer 1.590 kg zu 1.505 kg.

Einen größeren Nachteil stellt allerdings das stufenlose CVT-Getriebe im Ford dar. Im Vergleich zum 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe des Volkswagens arbeitet es unharmonisch und weder komfortabel noch sportlich. Zwar sind keine Gangwechsel spürbar, dafür stören die höheren Drehzahlen und das verzögerte Ansprechverhalten beim Gasgeben. Da hilft der L(ow)-Modus mit seiner kürzeren Übersetzung nur bedingt. Der Ford hängt so zwar direkter am Gas und die Motorbremse wirkt stärker, aber dafür auch die Geräuschkulisse noch höher. Da macht der S-Modus im VW mehr Sinn, denn wie bei Autos mit konventionellem Antrieb bietet der Hybrid so ohne nennenswerte Komforteinbußen ebenfalls ein besseres Ansprechverhalten und mit der verstärkten Motorbremse eine stärkere Rekuperation, also eine stärkere Aufladung der Batterien. Ansonsten „segelt“ der Jetta ebenso wie der Mondeo mit entkoppeltem Motor und spart dementsprechend fossilen Triebstoff. Beide Modelle haben auch einen speziellen Elektro-Modus. Im VW sorgt er dafür, Solange die Batterien genügend aufgeladen sind, sorgt er im VW selbst beim stärkeren Gasgeben dafür, dass sich der Benziner nicht dazu schaltet und man also rein elektrisch fährt. Ford geht mit dem EV+ Modus einen Schritt weiter: Wenn er aktiviert ist, erkennt das Fahrzeug häufige Ziele und ermöglicht elektrisches Fahren dorthin. Beispielsweise ist es auf dem Weg nach Hause vermutlich einfacher im Elektromodus zu bleiben. Normalerweise soll dies etwa 200 m von einem häufig angefahrenen Ziel der Fall sein, was wir leider nicht testen konnten, da die „Lernzeit“ zwei bis vier Wochen dauert.

Ford Mondeo größer und moderner

Passend zu diesem Feature wirkt das gesamte Mondeo-Cockpit moderner, nicht zuletzt wegen den digitalen Instrumenten links und rechts vom zentralen Analog-Tacho, die leider etwas unübersichtlich wirken. Positiv hingegen bewerten wir die Mittelkonsole mit im Vergleich zu früheren Ford-Modellen weniger Bedienelementen und dem 20,3 cm großen Touchscreen mit klarer Struktur. Beim VW fällt es mit 16,5 cm Diagonale etwas kleiner aus und wirkt zudem von der Grafik nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand der Dinge. Gleiches gilt für die analogen Rundinstrumente mit farbigem Multifunktions-Display dazwischen. Im direkten Vergleich bietet es weniger Informationen und die prozentuale Poweranzeige statt eines Drehzahlmessers macht eigentlich nur Sinn, wenn elektrisch gefahren wird – dabei ist aber überwiegend der Benziner im Einsatz. In Sachen Qualität liegen beide Testkandidaten auf einem guten Niveau. Die verwendeten Materialien wirken hochwertig und sind entsprechend verarbeitet. Beim Platzangebot kann der Mondeo weniger mehr punkten, als es sein 22-cm-Längenvorteil nominell vermuten lässt. Auch im Jetta sitzen Passagiere vorn wie hinten nämlich bequem. Ein echtes Manko teilen sich beide Modelle im Kofferraum: Die Batterien passen jeweils nicht darunter und nehmen so viel Platz weg. Übrig bleiben 429 Liter beim Ford und 374 Liter beim VW. Zwar lassen sich die Rücksitze umklappen, aber der „Absatz“ ist irgendwie immer im Weg. Schade finden wir deswegen, dass es weder den Mondeo Hybrid, noch den Jetta Hybrid als praktische(re) Kombi-Version gibt.

(Noch) keine Kassenschlager

Beim VW erklärt es sich natürlich damit, dass er wie seine Vorgänger Bora und Vento als Stufenheck-Variante des Golfs fungiert. Den gibt es wie den Passat bekanntlich als GTE Plug-in-Hybrid, anders als sein großer Bruder allerdings auch nicht als Kombi. Der Jetta ist vor allem für den US-amerikanischen Markt gedacht, wo sich Autos mit Stufenheck immer noch besser verkaufen als Kompakte ohne. Hierzulande sieht es in den unteren Segmenten genau anders herum aus und so wird der Jetta bei uns ein rarer Exot bleiben. Gleiches gilt für den Mondeo mit Stufenheck und als Hybrid sind beide Modelle noch seltener. Schade, aber die relativ geringen Verbrauchsvorteile stehen ohne finanzielle Förderung nicht in Relation zu den höheren Anschaffungskosten und eingeschränktem Kofferraumvolumen. Erst wenn die Batterien und somit die Hybrid-Fahrzeuge insgesamt günstiger werden und mehr elektrische Reichweite bieten, könnten mehr Käufer davon überzeugt werden.