Tracktest: Michelin Pilot Sport Cup 2

06.10.2015 | Christian Sauer | Testrides

Michelin Pilot Sport  Cup 2 Porsche Cayman Paul Ricard
Im südfranzösischen Le Castellet konnten wir von Drivers Club Germany den Ultra-High-Performance-Reifen von Michelin bis an seine Grenzen treiben.

Doch die Grenzen der Belastbarkeit und Haftung ausloten, konnten wir den Michelin Pilot Sport Cup 2 gar nicht. Das lag zum einen daran, dass die Grand-Prix-Strecke Paul Ricard nach einem Motorrad-Rennen einige Tage zuvor noch nicht wieder frei gegeben war und das Event mit anderen Bloggern sowie Journalisten auf dem benachbartem Driving Center mit seinem Handling-Parcours stattfand. Zum anderen warte auf uns „nur“ der Porsche Cayman mit 275 PS und nicht wie vorher angekündigt der 385 PS starke Cayman GT4. Neben dem nominellen Leistung-Defizit fanden wir es besonders schade, da der Semislick von Porsche für dessen Erstausrüstung ab Werk verwendet wird und speziell darauf abgestimmt wurde.

 

Na gut, das ist natürlich „meckern“ auf hohem Niveau, denn einen Porsche auf abgesperrtem Terrain zu fahren, stellt selbstverständlich immer ein besonderes Erlebnis dar. Damit alle Teilnehmer – auch ohne oder mit nur wenig Erfahrung auf Rennstrecken – sicher und schnell mit voller Kontrolle durch die Kurven „carven“ konnten, begannen die Instrukteure vom französischen Oreca-Teams mit einigen Grundlagen. Dazu gehörten das richtige Sitzen beim sportlichen Fahren, Blick- und Bremstechniken sowie das optimale Lenken. Nach ein paar Übungen zum Start wurde das Tempo auf der relativ kurzen Runde sukzessive gesteigert. Welchen Anteil die Michelin-Reifen am sportlich-agilen Handling mit der äußerst direkten Umsetzung von Lenkbefehlen tatsächlich hatten, war ohne Vergleichsmöglichkeiten schwierig zu sagen. Fest steht, dass die Gummis noch lange nicht am Ende waren, als die Porsche Caymans immer wieder Pausen wegen zunehmend wärmeren Bremsen (ohne Carbon-Keramik-Technologie) benötigten.

 

Das überraschte allerdings nicht, schließlich gab es ohne längere Geraden kaum Möglichkeiten für eine ausreichende Abkühlung und der Pilot Sport Cup 2 soll selbst auf anspruchsvollen Rennstrecken bis zu 50 Prozent länger durchhalten als sein Vorgänger Pilot Sport Cup +. Der neue Michelin Pilot Sport Cup 2 kombiniert mehrere für den Motorsport, wie beispielsweise die FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC), entwickelte Gummimischungen für die Laufflächenmischungen. Die Außenschulter soll dadurch hervorragenden Grip, ein äußerst präzises Lenkverhalten und hohe Abriebfestigkeit bei Kurvenfahrt bieten. Um die Aquaplaning-Sicherheit bei Nässe zu erhöhen, wurde die Innenschulter so konzipiert, den Wasserfilm auf der Straße zu durchbrechen und auch auf nasser Straße eine möglichst optimale Haftung zu ermöglichen. Dennoch ist bei Nässe mit dem Semislick natürlich eine erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht empfohlen. Die Variable Contact Patch 3.0 Technologie soll dafür sorgen, dass die Lauffläche je nach Echtzeit-Fahrbedingungen ihre Form ändert. Auf diese Weise bleibt auch bei Kurvenfahrt die Kontaktfläche zur Straße gleich, was laut Michelin stets optimale Fahrzeugkontrolle garantiert.

 

Welches Vertrauen Porsche in diesen Reifen setzt, belegt die Tatsache, dass er bei sämtlichen neueren Hochleistungsmodellen werksseitig zum Einsatz kommt. Startpunkt für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Porsche war die gemeinsame Entwicklung einer speziellen Version des Michelin Pilot Sport Cup 2 für den 918 Spyder. Aufbauend auf diesen Erfahrungen, entwickelten die Michelin Ingenieure eine weitere, an die Anforderungen des rennstreckenoptimierten GT3 RS angepasste Version. Und auch für den neuen Audi R8 wurde eine maßgeschneiderte Version des Pilot Sport Cup 2 entwickelt, die optional bestellbar ist. Selbstverständlich sind die Reifen auch separat für verschiedene Fahrzeug-Modelle und in diversen Formaten erhältlich.