Toyota RAV 4 – Urvater aller SUVs erwachsen und rausgeputzt

16.10.2016 | Christian Sauer | Testrides

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In der neuesten Generation des Erfolgsmodells feiert der Hybrid-Antrieb nun auch seine Europa-Premiere in einem SUV von Toyota. Unser Fahrbericht wird zeigen, was er kann.

Mit der Vorstellung des Toyota RAV4 begann im März 1994 auf dem Genfer Automobilsalon eine neue Ära im Automobilbau. Der kompakte Allrader, dessen Abkürzung für „Recreational Active Vehicle with 4 wheel-drive“ (frei übersetzt = Fahrzeug mit Allradantrieb für die aktive Freizeitgestaltung) steht, ebnete dem SUV-Segment seinen unvergleichbar erfolgreichen Weg. Allein vom RAV4 wurden seitdem weltweit über sechs Millionen verkauft, rund 1,5 Millionen davon in Europa.

 

Dem stetigen Reifeprozess und Wachstum fielen zwar das kultige Cabrio ebenso wie der Dreitürer zum Opfer, dafür präsentiert sich der RAV4 heute erwachsener denn je. Auch durch die im Vergleich zu den Vorgängern schmäleren Voll-LED-Scheinwerfern (optional) und die LED-Rückleuchten wirkt das Design nun dynamischer und kraftvoller. Diesen Eindruck unterstützen der breitere Grill des Markengesichts, die kraftvoller ausgebildeten Karosseriedetails und die bis zu 18 Zoll großen Räder. Bei 1,84 m Breite und 1,70 m Höhe ist der RAV4 um 3,5 cm auf insgesamt 4,60 m gewachsen. Obwohl der Radstand mit 2,66 m unverändert blieb, wirkt der Innenraum inzwischen noch geräumiger. Ein gläsernes Panoramadach wie bei der Konkurrenz könnte diesen Eindruck weiter steigern. Dank neuen Farben und Materialien wurde die Qualitätsanmutung größtenteils verbessert – allerdings trübt teilweise immer noch billiges Hartplastik den hochwertig(er)en Charakter.

Die Funktionalität konnte Toyota ebenfalls weiter steigern: Zwischen den konventionellen Rundinstrumenten findet sich ein 4,2-Zoll-Display und in der Mittelkonsole das 7-Zoll-Touchscreen des Infotainmentsystems. Serienmäßig bereits in der Grundausstattung mit einer Rückfahrkamera versehen, lässt es sich je nach Ausstattung und/oder Aufpreis auch mit einem Rückfahrassistent und 360-Grad-Kamera aufrüsten. Je nach Version bietet der RAV4 ebenfalls eine Online-Vernetzung sowie elektronische Helfer für mehr Komfort und Sicherheit, die bereits bei Toyota’s Luxusmarke Lexus zum Einsatz kommen.

In deren Modelle gibt es schon seit mehreren Jahren Hybrid-Antriebe. Nun folgt mit dem RAV4 das erste SUV der Muttermarke in Europa mit der Kombination von Benziner und Stromer. Der 2,5-Liter-Vierzylinder produziert solo 155 PS und 206 Nm Drehmoment. Unterstützt wird er entweder von einem Elektromotor an der Vorderachse oder zusätzlich dazu von einem weiteren E-Motor an der Hinterachse mit 105/50 kW sowie 270/139 Nm. Unabhängig ob mit Front- oder Allradantrieb generiert der RAV4 Hybrid eine Systemleistung von 197 PS, womit das knapp 1,7 Tonnen schwere SUV in 8,3 Sekunden auf 100 und weiter bis 180 km/h beschleunigt.

Die stufenlose Automatik mit sequenziellen Schaltmodus arbeitet besser als früher und gerade im Sport-Modus hängt der RAV4 Hybrid richtig gut am Gas. Allerdings wirkt er als Fronttriebler wie im Fall unseres Testwagens teilweise mit der Kraft der zwei Herzen etwas überfordert. Mehr Traktion bietet sicherlich der elektronische Allradantrieb, der den offiziellen Durchschnittsverbrauch nicht nennenswert auf rund fünf Liter erhöht. Im Vergleich dazu genehmigt sich der RAV4 samt 143-PS-Diesel mit 4,7 Liter sogar etwas weniger. Auf offiziell 6,5 bis 6,8 Liter im Durchschnitt kommt hingegen der 151-PS-Benziner ohne elektrische Unterstützung.

 

Natürlich bleibt wie immer – und insbesondere bei Hybriden – der Benzinkonsum in der alltäglichen Realität extrem abhängig vom Gasfuß und dem Einsatz des Stromers. Im Unterschied zum Toyota Prius als Plug-in-Hybrid mit deutlich größeren Batterien sowie externer Ladung per Stromkabel können wir mit dem RAV4 Hybrid anders als von Toyota propagiert rein elektrisch nur selten und wenn dann nur kurz fahren. Das lässt sich auch nur bedingt mit dem EV-Modus beeinflussen. Im Zuge der immer leistungsfähigeren Batterien sollte sich aber weiter verbessern lassen und der RAV4 wäre wegen seiner Bauform doch prädestiniert für eine weitere Elektrifizierung oder dem Einsatz der Brennzellentechnik, die Toyota bekanntlich in Form des Mirai als erstes Serienmodell auf die Straße gebracht hat.

Schon jetzt sind die Nickel-Metallhybrid-Batterien mit einer Kapazität von 1,59 kWh fast unsichtbar unter den Rücksitzen verbaut. Allein eine kleine Stufe im Kofferraum weist darauf hin und verkleinert das Volumen von 547 auf 501 Liter respektive 1.633 statt 1.746 Liter bei umgeklappten Rücksitzen und Beladung bis zum Dach. Die niedrige Ladekante und elektrische Heckklappe erhöhen den Komfort. Dazu passen das reduzierte Geräusch- und Vibrationsniveau ebenso wie die erhöhte Karosseriesteifigkeit sowie das überarbeitete Fahrwerk bei verbesserter Dynamik.

Der RAV4 hat in allen Aspekten dazugewonnen und ein Ende seiner Erfolgsgeschichte vom Nischenmodell zum Weltauto ist trotz weiter zunehmender SUV-Konkurrenz noch lange nicht in Sicht. Die Preise starten bei 27.290 Euro für den Diesel mit Frontantrieb. Wer auf Hybrid setzt, muss mindestens 31.990 Euro investieren und allerdings auf die staatliche Förderung im Rahmen des Elektromobilitätsgesetzes verzichten, da der RAV4 eben (noch) kein Plug-in-Hybrid ist. Doch Toyota hat in der jüngeren Vergangenheit bereits eine eigene Hybridprämiere in gleicher Höhe gewährt und wird solche Aktionen zukünftig sicher wieder fahren.