Fahrbericht mit zwei Motoren: Toyota Prius Plug-in-Hybrid

26.12.2014 | Christian Sauer | Testrides

Toyota Prius Plug-in-Hybrid Drivers Club Germany Fahrbericht Test
Kann sich eines der „ältesten“ Hybrid-Modelle mit Stromanschluss gegen die nagelneue Konkurrenz behaupten? Das klärt unser Test.

Keine Frage, Toyota war zusammen mit der eigenen Premium-Marke Lexus einer der Vorreiter in Sachen Hybrid-Antrieb und der Prius zum Ende der 1990er Jahre der erste in Serie gebaute Plug-in-Hybrid unter den PKWs überhaupt. Umso erstaunlicher ist es, dass der japanische Konzern aktuell nur einen Hybriden mit Stromanschluss im Programm hat. Bereits 2009 feierte die Plug-in-Version der dritten Prius-Generation ihre Premiere auf der IAA in Frankfurt und wurde nach weltweiten Pilotprojekten dann 2012 offiziell in Deutschland an den Start gebracht. Seitdem hat sich der Toyota kaum verändert, dabei haben andere Hersteller aber bekanntlich auch Plug-in-Hybride vorgestellt, die nun ebenfalls um die Gunst der nachhaltig orientierten Kunden buhlen. Doch wie schlägt sich der Routinier gegen sie?

 

Fangen wir mit dem Fahrverhalten an: Die Lenkung ist überschadend fest und direkt, das Fahrverhalten trotz 15-Zoll-Winterreifen nicht schwammig. Allerdings wirkt das Design weder außerordentlich sportlich, noch besonders elegant. Dafür sind seine Karosserie und Details wie der schlanke Kühlergrill ganz der spritsparenden Aerodynamik verschrieben. Außerdem bietet der Prius Plug-in-Hybrid ein gutes Platzangebot für maximal fünf Erwachsene sowie 443 Liter Gepäck. Der Kofferraum unter der großen Glasklappe fällt trotz der darunter installierten Batterien lediglich zwei Liter kleiner als im „normalen“ Prius, allerdings relativ flach aus. In einem schmutzunempfindlichen Fach im Boden findet das Ladekabel seinen Platz, wenn es nicht auf der Beifahrerseite an die haushaltsübliche 230-Volt-Steckdose angeschlossen ist. Damit in 90 Minuten geladen, sollen die Lithium-Ionen-Batterien mit ihrer Kapazität von 4,4 kWh bei maximal 85 km/h Geschwindigkeit für bis zu 25 km rein elektrisches Fahren reichen.

Im Vergleich dazu bringt es der VW Golf GTE mit fast doppelt so viel Batterie-Kapazität (8,7 kWh) bei bis zu 130 km/h auf 50 km Reichweite. Dabei fällt der offizielle Durchschnittsverbrauch des Plug-in-Golfs mit 1,5 Liter und 35 g CO2 sogar noch besser aus als im Toyota mit 2,1 Liter und 49 g CO2. Hinzu kommt die deutlich höhere Systemleistung des Wolfsburger: 204 PS bzw. 150 kW. Das japanische Antriebs-Duo leistet zusammen bescheidene 136 PS / 100 kW und der 1,8-Liter-Benziner gerade einmal 99 PS / 73 kW und 142 Nm Drehmoment. Auch wenn der Stromer seinerseits 80 PS / 60 kW sowie 207 Nm beisteuert, fühlt sich der Prius Plug-in-Hybrid nicht gerade spritzig an. Das unterstreichen die Fahrleistungen mit 10,8 Sekunden für die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 und die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h nach langem Anlauf. Dank deutlich mehr Durchzugskraft hängt ihn der Golf GTE nicht nur an Steigungen ab. Leider hinterlässt die elektrisch gesteuerte, stufenlos variable Getriebeautomatik E-CVT (Planetengetriebe) des Toyotas keinen besonders positiven Eindruck, scheinen die Drehzahlen und somit auch die Lautstärke bei Leistungsabruf in die Höhe zu schnellen.

Richtig nachvollziehen lässt sich das nicht, fehlt den komplett digitalen Instrumenten doch ein Drehzahlmesser. Die Skala für den Momentanverbrauch füllt sich allerdings parallel auch schnell und übersteigt den offiziell angegeben Mix-Verbrauch des Benziners von 3,7 Liter. „Besserung“ verspricht der Eco-Modus, in dem die Leistung der Motoren als auch die der Klimaanlage gedrosselt werden. Wie bei vielen Hybriden inzwischen üblich, kann über den Schalthebel die Wahl getroffen werden, ob überflüssige Bewegungsenergie beispielsweise bergab zum Segeln – also zum möglichst weiten Rollen – oder zur Rekuperation genutzt werden soll.