Toyota Land Cruiser

20.12.2018 | Christian Sauer | Testrides

Offroad und onroad muss die neueste Generation des traditionsreichen Geländewagens in unserem Test zeigen, was ihn zur Legende gemacht hat. Doch ruht sich Toyota auf den Lorbeeren aus?

Nachdem zumindest hierzulande der Nissan Patrol schon gar nicht mehr und der Mitsubishi Pajero demnächst nicht mehr angeboten werden, bleibt der Toyota Land Cruiser der letzte japanische Fullsize Offroader ohne separate Ladefläche auf dem deutschen Markt. Trotz der Konkurrenz durch die immer populäreren Pickups und den im Vergleich zum weltweiten Absatz von über 135.000 Wagen relativ bescheidenen knapp 1.000 Land Cruiser pro Jahr in Deutschland, hält Toyota an seinem Traditionsmodell fest – sogar als Dreitürer.

Die aktuelle Generation J15 wurde an sich zwar schon 2009 präsentiert, hat aber seitdem immer wieder Modernisierungen durch optische Facelifts sowie technische Upgrades erhalten. Und so erstrahlt der Land Cruiser inzwischen nicht nur am Heck mit LED-Technik, sondern je nach Ausstattung nun ebenfalls an der Front. Dort hat sich der Dauerbrenner optisch am meisten verändert: Die Scheinwerfer sind nicht nur schmaler, sondern auch weiter nach innen gezogen. Dadurch sind sie besser vor Beschädigungen geschützt. Noch bulliger wirkt der Geländewagen durch den höher positionierten Kühlergrill, was die Wattiefe auf 70 cm Wasserstand erhöht. Zu Gunsten einer besseren Sicht nach vorn trägt die Motorhaube nun in der Mitte eine Vertiefung.

Darunter findet der Vierzylinder-Diesel mit immerhin 2,8 Liter Hubraum locker Platz. In anderen Ländern arbeiten hier auch ein 2,7L-V4-Benziner, ein 4,5L-V8-Diesel und sogar ein 5,7 Liter großer V8-Benziner. Deutlich vernünftiger ist natürlich der Selbstzünder in unserem Testwagen, der dank SCR-Katalysator immerhin die Euro 6 Abgasnorm erfüllt. Zwar erreicht er nicht die offizielle Verbrauchsangabe von 7,5 Liter auf 100 km aber im Zusammenspiel mit der optionalen 6-Stufen-Automatik und neuen Systemen zur Effizienzsteigerung genehmigte sich der Land Cruiser laut Bordcomputer im Schnitt mit knapp elf Liter Diesel. Für ein „rollendes Wohnzimmer“ mit der Aerodynamik einer Schrankwand, knapp 2,5 Tonnen Gewicht und extremen Offroad-Fähigkeiten ist es ja gar kein so schlechter Wert.

Toyota arbeitet zudem laut Chefingenieur Sadayoshi Koyari auch an einem Hybrid-Antrieb für den Land Cruiser. Unter extremen Bedingungen wie Hitze oder eisige Kälte kann allerdings die Langlebigkeit, Haltbarkeit, Robustheit und Zuverlässlichkeit der Batterien derzeit noch nicht garantiert werden. Und für diese Merkmale steht der Geländewagenklassiker bekanntlich seit sechs Jahrzehnten. In diesem Sinne passt der 177-PS-Diesel perfekt. Mit gemäßigtem Motor-Sound soll er wie der Land Cruiser insgesamt sehr wartungs- und reparaturfreundlich sein. Mindestens ebenso wichtig ist abseits urbaner Pfade sein üppiges Drehmoment von 450 Nm ab 1.600 Umdrehungen. Mit maximal drei Tonnen Anhängerlast eignet er sich zudem als starkes Zugfahrzeug.

Der permanente Allradantrieb setzt als extremste von drei Optionen auf ein automatisches Torsen-Hinterachsdifferenzial. Weniger offroad-affine Fahrer werden von fünf Fahrprogramme für verschiedene Untergründe mit Automatik-Modus, einer erweiterten Bergan- und Bergabfahrkontrolle sowie einer speziellen ABS-Abstimmung fürs Gelände unterstützt. Hydraulisch abkoppelbare Stabilisatoren ermöglichen eine noch größere Achsverschränkung. Aber selbst wenn die elektronischen Helferchen mal ausfallen sollten, bleibt der Land Cruiser laut Toyota nicht auf der Strecke. Schon die Grundkonstruktion des sehr stabilen Leiterrahmens mit darauf aufgesetzter Karosserie bietet vor allem im harten Gelände deutliche Vorteile gegenüber einer selbsttragenden Karosserie. Hinzu kommt die Einzelradaufhängung mit doppelten Querlenkern vorn und Starrachse mit vier Längslenkern hinten.

In den gehobenen Ausstattungen steigert die Luftfederung an der Hinterachse mit fünf Einstellungen samt automatischer Niveauregulierung auf Wunsch auch manuell die Bodenfreiheit und zugleich den grundsätzlich lobenswerten Fahrkomfort. Damit vernetzt sind dann die aktiven Dämpfer inklusive den Einstellungen Normal, Comfort und Sport. Unserem gut aber nicht voll ausgestatteten Testwagen fehlt zwar der Sport+Modus, aber richtig vermissen wir ihn auch nicht. Zum einen beschert schon die Einstellung Sport dem Land Cruiser eine gewisse Dynamik, die in Anbetracht des Gewichts und der Größe zwar überrascht, jedoch keine zu hohen Erwartungen wecken sollte. Das spiegeln auch die Fahrleistungen wieder: 12,1s für 0-100 km/h und maximal Tempo 175. Zum anderen ist der Land Cruiser eben kein SUV, sondern bleibt ein richtiger Geländewagen, der sich auch abseits von Straßen richtig entspannt fahren lässt.

Dazu passen die bequemen Sessel mit elektrischer Verstellung und Klimatisierung vorn. Gäste der Fondsitzbank kommen zumindest in den Genuss von Sitzheizung und separater Klimaautomatik. Das Platzangebot fällt sehr großzügig aus – in der ersten Reihe ebenso wie in der zweiten und sogar in der dritten – unser Testwagen fuhr nämlich als Siebensitzer vor. Aus dem Kofferraumboden klappen elektrisch zwei Zusatzsitze aus- und ein. Alternativ zur umklappbaren und vorschiebbaren Sitzbank, lädt auch die massive, rechts angeschlagene Kofferraumtür zum Beladen ein. Je nachdem, wie viele Plätze benötigt werden, schluckt der große Land Cruiser 107 bis 1.833 Liter Gepäck – über 900 kg und auch sperrige Dinge wie ein ausgewachsenes 27,5-Zoll-Mountainbike. Die im Innenraum verwendeten Materialien wirken ebenso robust wie hochwertig, aus unserer Sicht auch deutlich hochwertiger als beim Vorgänger.

Positiv finden wir ebenfalls die ergonomische Optimierung des Cockpits. Es wirkt klarer strukturiert und fördert die intuitive Bedienung. Ein Lob verdient ebenso das vernetzte Infotainmentsystem mit relativ einfacher Bedienung per 8-Zoll-Touchscreen. Dieser zeigt auch die Bilder der 360-Grad-Kamera, die nicht nur beim Einparken helfen, sondern eben auch offroad dank Unterflur-Ansicht mit rund drei Meter vorweg aufgenommenes Bild und sich immer horizontal ausrichtender Frontkamera. Aus anderen PKWs bekannte aktive Assistenten zum Abstand- und Spurhalten, Kollisionswarner sowie Verkehrszeichenerkennung den komfortablen und sicheren Straßeneinsatz sind bei den teureren Ausstattungsvarianten des Land Cruisers serienmäßig an Bord. So gerüstet kostet der große Toyota dann allerdings auch über 60.000 Euro. Los geht’s mit knapp 41.000 Euro für den 4,39 m kurzem Dreitürer samt 6-Gang-Handschaltung. Der 44 cm längere Fünftürer kostet je nach Ausstattung mindestens 2.770 Euro mehr.

Auch damit reiht sich der sympathische und vielseitige Toyota Land Cruiser zwischen den anderen, noch gebauten Geländelegenden Land Rover Discovery, Jeep Wrangler und der deutlich teureren G-Klasse von Mercedes-Benz ein.