Toyota Hilux – Pickup im Fahrbericht

02.04.2017 | Christian Sauer | Testrides

Wir testen die achte, völlig neu entwickelte Generation des weltweit erfolgreichsten Pickups mit neuem Antrieb, überarbeitetem Fahrwerk und verfeinerter Karosserie.


Während andere Hersteller wie Nissan mit dem zumindest hierzulande nicht mehr angebotenen Patrol auf traditionelle Geländewagen verzichten und durch Pickups wie dem Navara ersetzen sowie das Angebot an SUVs weiter ausbauen, behält Toyota mit dem Land Cruiser weiterhin einen modernen Klassiker im Portfolio. Doch wem die Offroad-Legende inzwischen zu teuer geworden ist, findet mit dem Hilux traditionell eine interessante Alternative aus dem gleichen Hause. Er zählt zu einem der Urväter aller „Pritschenwagen“. Weltweit hat Toyota seit 1968 bereits über 18 Millionen davon verkauft und mit mehr als 800.000 Exemplaren ist er auch in Europa der Bestseller seines Segments. Ob Hilfsorganisation oder leider auch islamische Terroristen, bei Nordpol- und Südpol-Expeditionen, bei der Rallye Dakar oder als Buschtaxi – der Hilux scheint seit einem halben Jahrhundert bei allen beliebt.

Bereits die letzten Generationen kannten kaum Grenzen, aber dank 20 Prozent steiferem Leiterrahmen mit mehr Schweißpunkten, hochfestem und dabei leichterem Spezialstahl wurde er noch robuster. Mit 1,64 Meter ist die Ladefläche nochmal breiter geworden und gibt in seiner Klasse den Maßstab vor. Die Länge variiert je nach Karosserievariante zwischen 1,52 und 2,31 Meters. Dazu passt die Zuladung von rund einer Tonne.

Bei den Allrad-Versionen des zweisitzigen Hilux Single Cab, viersitzigen Extra Cab mit jeweils zwei Türen und wie in unserem Fall der Double Cab mit fünf Sitzen hinter vier Türen konnte zudem die maximale Anhängelast auf 3,5 Tonnen erhöht werden. Unterstützung verspricht dabei eine elektronische Anhänger-Stabilisierungskontrolle als Ergänzung des ohnehin schon recht umfangreichen Sicherheitspakets samt sieben Airbags, diversen Assistenzsystemen für (Not)Bremsungen, Gefälle, Fußgängererkennung und Spurwechseln.

Bei 5,33 Meter Länge und dagegen moderaten 1,80 bis 1,85 Meter Wagenbreite helfen die elektronischen Helferchen ebenso wie die optionalen Parksensoren oder die ab der Ausstattung Comfort Duty serienmäßige Rückfahrkamera. Das Bild wird dann auf dem 7 Zoll großem Touchscreen des modernen Infotainmentsystems im Look & Feel eines Tablets angezeigt. Es ist allerdings „nur“ eins von zahlreichen Technik-Features, die eher an einen PKW als an ein Nutzfahrzeug erinnern. Dazu zählen je nach Ausstattung ebenfalls das 4,2-Zoll-Farbdisplay mit TFT-Technik zwischen den analogen Rundinstrumenten, Keyless-System, Klimaanlage oder -automatik, Sitzheizung und Lederausstattung. Die Qualität der verwendeten Materialien sowie deren Verarbeitung wirkt für dieses Segment hochwertig, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau anderer Pickups à la VW Amarok. Praktische Ablagen und Staufächer werden professionellen Nutzern ebenso gefallen wie Hobbyabenteurern.

In unserem Double Cab lassen sich die Rücksitze getrennt hochklappen, um „indoor“ Stauraum zu schaffen. Ansonsten finden auch Erwachsene dank größerem Innenraum dort ausreichend Platz. Kommoder geht es natürlich vorne zu, wobei zumindest der Fahrersitz elektrisch in der Höhe verstellbar ist. Aus unserer Sicht wichtig, aber längst nicht bei allen Pickups verständlich, ist das in Höhe und auch in der Weite verstellbare Multifunktionslenkrad. Während die Höhe das Ein- und Ausstiegen noch zum Hindernis macht, wirkt sie sich zusammen mit den breiten „Sesseln“ positiv auch auf Langstrecken aus. Trotz oder vielleicht sogar wegen den 20 Prozent mehr Federweg fürs Gelände, stuckert das ansonsten komfortable Fahrwerk des Hilux auf unebener Straße leider etwas. Die Lenkung arbeitet dafür relativ direkt.

Das manuelle 6-Gang-Getrieb verlangt eine feste Hand aber belohnt dann mit für Pickups recht kurzen Schaltwegen. Alternativ wird für die Allradvarianten eine Automatik mit ebenso vielen Stufen angeboten. Als Kraftquelle setzt Toyota in Europa einen neuen 2,4-Liter-Diesel ein. Obwohl er im Vergleich zu seinem Vorgänger etwa 100 cm³ weniger Hubraum vorzuweisen hat, holt der recht laute Vierzylinder mit aktiviertem „Power-Modus“ 150 PS und vor allem mit 400 Nm ab 1.600 Touren mehr Drehmoment heraus. Parallel zur Kraftkur konnte der Verbrauch auf offiziell rund sieben Liter gedrückt werden. Im harten Arbeitseinsatz oder offroad werden im durchschnittlich natürlich mehr als zehn Liter auf 100 Kilometern verbrannt. Dafür soll ihm sein zuschaltbarer Allradantrieb, Geländereduktion und automatische Sperrdifferentiale mit begrenztem Schlupf an Vorder- sowie Hinterachse dem Hilux laut Toyota ein Höchstmaß an Geländegängigkeit verleihen. Selbst in der Wüste und im Schlamm macht der schicke Pickup mit einer Preisspanne von 24.590 bis rund 44.000 Euro so eine gute Figur.