Toyota Highlander

17.03.2022 | Christian Sauer | Testrides

In Deutschland komplett neu, wirft das große SUV von Toyota viele Fragen auf, die wir in unserem Fahrbericht beantworten.

Kennen Sie den Highlander? Nein, nicht den Film oder die Serie, sondern das SUV? Dessen erste Generation präsentierte Toyota bereits im Jahr 2000 – vor allem für Nordamerika, wo er auch gebaut wird. Nun verkauft der weltgrößte Automobilhersteller den 4,95 Meter langen Siebensitzer ebenfalls in Europa. Das Toyota-Flaggschiff mit seinem recht markanten, selbstbewussten Design soll die Lücke zwischen dem RAV4 sowie dem Land Cruiser schließen. Wer auf dessen extreme Geländegängigkeit verzichten kann, könnte mit dem Highlander eine interessante Alternative als Zugfahrzeug finden, denn mit Anhängerkupplung lassen sich bis zu zwei Tonnen an den Haken nehmen. Möglich macht es der 248 PS starke Hybridantrieb ohne externe Ladefunktion. Er kombiniert einen 2,5-Liter-Benziner an der Vorderachse mit jeweils einem Elektromotor vorn und hinten. Auch im Highlander setzt Toyota auf ein stufenloses Automatikgetriebe – leider – müssen wir sagen, denn sobald etwas stärker beschleunigt wird, bringt es Unruhe in den ansonsten angenehm leisen Innenraum.

Ein besonders dynamisches Fahrverhalten sollte von dem leer zwei Tonnen schwerem SUV allerdings sowieso nicht erwartet werden. Daran ändert auch sein Sportmodus nichts. Immerhin sind knapp neun Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 und abgeriegelt 180 km/h Höchstgeschwindigkeit möglich. Als Verbrauch gibt Toyota nach WLTP rund sieben Liter auf einhundert Kilometer an. Einmal in Fahrt lassen sich mit dem Highlander lange Strecken zügig und entspannt absolvieren. Das Fahrwerk präsentiert sich komfortabel, eben aber nicht wirklich sportlich. Dazu passen die bequemen Vordersitze mit elektrischer Verstellung – leider ohne ausfahrbare Beinauflage – und ausschließlich in der Topausstattung „Luxury“ mit Sitzbelüftung. Wer 63.690 Euro dafür investiert, bekommt außerdem ein höherwertiges Design für die grundsätzlich schwarze Lederausstattung sowie Sitzheizung in der zweiten Sitzreihe mit viel Platz. Diese lässt sich um 18 Zentimeter vorschieben, auch um die beiden aus dem Kofferraumboden hochklappbaren Sitze im Heck besser zu erreichen. Wie bei den meisten SUVs sind sie eher als Notsitze oder „Kindersitze“ zu verstehen.

Das Ladevolumen reicht von 332 Liter bei voller Bestuhlung mit sieben Sitzen, 865 Liter bei fünf und immensen 1.909 Liter, wenn hinten alles umgeklappt wird. Dann ergibt sich eine rund zwei Meter lange, nahezu ebene Ladefläche, die auch zum Liegen einlädt. Das luftige Raumgefühl unterstreicht das optionale Panoramadach – neben den Metalliclackierungen übrigens das einzige Extra ab Werk für den Highlander. Wer die bereits erwähnte Topausstattung bestellt, bekommt exklusiv zusammen mit dem 360-Grad-Kamerasystem einen digitalen Innenspiegel sowie ein Head-up-Display. Auch das 12,3-Zoll-Infotainmentsystem ist dem Highlander Luxury vorbehalten. In unserem Testwagen mit der mittleren Executive-Ausstattung ist ein kleinerer Touchscreen installiert, womit das Toyota Flaggschiff nicht „state of the art“ wirkt. Das JBL-Soundsystem mit elf Lautsprechern hinterlässt ebenso einen guten Eindruck wie die innen verwendeten Kunststoffe.

Während die Materialien bei Toyota früher oft weniger hochwertig und weit entfernt vom deutschen Standard erschienen, gibt es diesbezüglich für die Preisklasse nichts zu kritisieren, auch wenn wir uns zumindest eine Alternative zum kompletten Schwarz innen wünschen würden. Mit mindestens 53.650 Euro für die Einstiegsausstattung „Business Edition“ ist der Toyota Highlander trotz umfangreicher Ausstattung allerdings kein Schnäppchen und muss in Europa, vor allem in Deutschland noch beweisen, ob oder wie er sich gegen die Konkurrenz bewähren kann. Wer weniger Wert auf das Prestige hiesiger Marken oder auf sportliches Fahrverhalten legt, bekommt mit dem großen SUV auf jeden Fall viel Platz und Komfort. Mal schauen, ob oder wann zusätzliche Antriebsvarianten folgen – in anderen Märkten wird der Highlander schließlich mit Sechszylindern angeboten und statt ins Heck würden sich größere Batterien oder gar Wasserstofftanks passen. Wir bleiben dran!

PS: Wer noch mehr zum Toyota Highlander erfahren will, kann hier gern bei den Kollegen von Motor1 reinschauen.