Toyota GT86

19.03.2018 | Christian Sauer | Testrides

Wir haben die überarbeitete und nachgeschärfte Version des erschwinglichen Sportwagens getestet. Doch etwas fehlt uns. Was das ist, klärt unser Fahrbericht.

Wie die Zeit vergeht – 2012 war es, als wir erstmals den damals brandneuen GT86 auf dem Nürburgring getestet haben. Dort wurde er zwischenzeitig auch beim 24h-Rennen eingesetzt und weltweit schon über 170.000 Mal verkauft. Toyota setzt mit ihm die jahrzehntelange Sportwagen-Tradition mit Vorfahren wie dem legendären GT2000, Supra, Celica und MR2 fort. Seinen respektablen Erfolg in der nicht gerade für große Stückzahlen bekannten Nische, verdankt der GT86 seinen klassischen Attributen. Mit 4,24 x 1,77 x 1,28 Metern ist er kompakt und unter 1.300 Kilogramm erfreulich leicht. Hinzu kommt der tiefe Schwerpunkt. Die „Nase“ und der überarbeitete Frontspoiler sind nach dem Facelift näher am Asphalt, die Scheinwerfer samt Blinkern sowie die Rücklichter erstrahlen nun per LEDs. Während die neuen 17-Zöller filigraner gestylt sind, erstreckt sich der Heckspoiler nun maskuliner über den kompletten Kofferraumdeckel. Soweit zur Optik, aber was hat sich technisch geändert?

Es müssen ja nicht gleich über 1.000 PS und 1.600 Nm wie beim Drift-Weltmeister Fredric Asboø sein. Sein modifizierter GT86 zeigt jedoch, dass sogar ein 3,4 Liter großer Turbo-Reihensechszylinder unter die lange Motorhaube passen würde. Und auch die Rallye-Version kommt dank Anhebung des Drehzahllimits auf 8.000 und eines Sportauspuffs immerhin auf 232 PS. Etwas mehr „Punch“ und kräftigeren Sound aus den zwei dicken Endrohren könnte auch die Straßenversion gut vertragen. Mit Hilfe der Erfahrung aus dem Motorsport konnten aber zum einen die Verwindungssteifigkeit der Karosserie erhöht und die Radaufhängungen verfeinert werden. Das verhilft dem GT86 zu mehr Stabilität, einem noch besserem Handling und Einlenkverhalten mit der sehr direkten Lenkung. Fahrdynamisch macht der Toyota wirklich eine super Figur, aber von der versprochenen Steigerung des Fahrkomforts haben wir nicht viel gemerkt. Ohne adaptive Dämpfer ist er auf guten Straßen okay, aber auf schlechtem Untergrund drohen Bandscheibenvorfälle. Gegen Aufpreis gibt es sogar noch sportlichere Stoßdämpfer von Sachs.

Das Rennsport-Knowhow bescherte dem GT86 zum Facelift zudem einen Track-Modus, in dem die Traktionskontrolle und das Stabilitätsprogramm später eingreifen. Zumindest auf trockenem Asphalt mangelt es dem Hecktriebler davon nicht. Ändert sich das Wetter, sollten weder die Grenzen der Physik, noch die eigenen überschätzt werden. Wer allerdings gefühlvoll mit dem Gaspedal umgeht, kann mit dem GT86 viel Spaß beim Quertreiben haben – aber bitte immer sicher nur auf abgesperrtem Terrain! Welche G-Kräfte wirken, wie die Rundenzeiten und Leistungsdaten sind, zeigt das farbige TFT-Multifunktionsdisplay an. Links daneben zieht der zentrale Drehzahlmesser die Blicke auf sich. Noch handlicher als vorher ist mit 36,2 cm Durchmesser das Multifunktionslenkrad geworden. Ihm gebührt sogar der Titel des kleinsten jemals in einem Toyota-Serienmodell verbauten Volants. Erfreulich ist ebenfalls, dass die Sportsitze großzügig mit sehr gutem Seitenhalt geschnitten sind. Sitzheizung wird in Verbindung mit dem Leder-Alcantara-Paket – komplett in schwarz oder mit roten Elementen – angeboten. Serienmäßig sind Stoffbezüge mit roten oder silbernen Nähten. Insgesamt wirkt das Interieur im Vergleich zu früher aufgewertet, wenn auch noch nicht komplett durchgezogen hochwertig.

Das ist einer von leider mehreren Kritikpunkten. Die Rücksitze eignen sich wenn überhaupt nur zur Not für Kleinwüchsige oder Kinder. Am besten machen sie sich jedoch als Ablagen und Erweiterung des 243 Liter kleinen Kofferraums. Gerade auf längeren Touren könnten „verwöhnte“ Fahrerinnen und Fahrer Assistenzsysteme vermissen. Außer einen Tempomat (ohne Radar) gibt es keine elektronischen Komforthelferchen und selbst die Parksensoren hinten gibt es ausschließlich auf Bestellung. Gleiches gilt für das modernisierte Infotainmentsystem mit 6,1-Zoll-Touchscreen oder das JBL-Soundsystem. Da stellt sich natürlich die Frage, ob eine so reinrassige Fahr- und Spaßmaschine wie der GT86, der übrigens bewusst auf eigene statt auf Toyota-Embleme setzt, solche „Features“ überhaupt braucht. Vielleicht wird deswegen auch kein Schiebedach und schon gar keine Targa- oder gar Cabrio-Version angeboten. Zumindest bieten limitierte Sondermodelle mit besonderer Optik mehr Individualisierung. Preislich startet die abgespeckte Pure-Ausstattung mit Handschaltung bei 29.990 Euro. Der „normale“ GT86 kostet 31.750 Euro und bleibt selbst mit allen Extras ein bezahlbarer, ehrlicher und emotionaler Sportwagen – was will man(n) mehr!?