Testride: Bentley Continental GT Speed im Fahrbericht

17.04.2013 | Christian Sauer | Testrides

Bentley Continental GT Speed Drivers Club Germany

Stark und schnell – aber zugleich komfortabel – das soll das 625 PS starke Coupé von Bentley sein. Drivers Club Germany Chefredakteur Christian Sauer machte die Probe aufs Exempel und testete den GT Speed. Hier unser Fahrbericht

Mutig muss derjenige bei Bentley gewesen sein, der sich für „Apple Green“ als Lackierung unseres Testwagens entschieden hat. Weshalb nur immer silber, schwarz, weiß, blau oder rot, warum nicht auch mal ein Orange, ein sattes Gelb oder eben mal ein leuchtendes Grün? Bentley bietet (fast) jeden vorstellbaren Farbton an und wenn es ihn doch nicht geben sollte, wird er individuell zusammengemischt. Wie immer bleibt die Farbe eine Frage des persönlichen Geschmacks, uns gefällt der „große Grüne“ sehr gut. Ein Öko-Mobil wird der Bentley damit aber dennoch nicht, doch dazu später mehr.

Nach der letzten Überarbeitung erscheint das Exterieur insgesamt harmonischer und dynamischer. Die formvollendeten Linien sind ebenso scharf wie elegant, nur der Kofferraumdeckel wirkt etwas aufgesetzt. Hinter den ovalen Auspuffblenden verbergen sich jeweils zwei Endrohre und hinter den – selbst im Winter – 21 Zoll großen Leichtmetallrädern lauern riesige Keramik-Bremsscheiben.

Die Kombination von Sportlichkeit, Luxus und Individualität setzt sich auch im Interieur des Bentley GT Speed fort. Wie außen stehen natürlich auch innen die unterschiedlichsten Farben für das Leder, die Kontrastnähte und Stickereien zur Wahl. Die Verarbeitungsqualität ist herausragend und von handwerklicher Perfektion gekennzeichnet. Typisch Bentley ist auch das abgesteppte Rauten-Design auf allen vier Sitzen. In der ersten Reihe finden sich bequeme Sitze mit Beheizung, Belüftung und Massagefunktion. Im Fond fehlen zwar diese Annehmlichkeiten, dafür gibt es dort ein für Coupé-Verhältnisse geradezu großzügiges Platzangebot. Doch auch wenn wir es uns hier recht bequem machen und in Leder schwelgen könnten, zieht es uns wieder nach vorn.

Sehr angenehm ist die Gestaltung des Cockpits mit der schon beschriebenen,  großflächigen Verwendung von edelsten Materialien und wenigen Bedienelementen. Fast schon minimalistisch geht es im Bentley zu. Dabei zitiert die Form des Armaturenbretts die, historischer Modelle und fällt keineswegs zierlich aus. Verzichten möchten wir ebenfalls nicht auf die optisch wie haptisch sehr ansprechenden Luftausströmer und Schalter, sowie die Breitling-Uhr in der Mittelkonsole. Es sind nur wenige Details im Luxuscoupé, die nicht höchsten Erwartungen gerecht werden. Dabei stört uns weniger, dass das Navi mit großem Touchscreen in ähnlicher Form auch in diversen Modellen der Konzernmutter Volkswagen zu finden ist, sondern schon eher die Position der Schaltwippen des 8-Stufen-Automatikgetriebes. Analog zu Lamborghini sind diese zu nah an den Hebeln für Blinker und Scheibenwischer angebracht, wodurch man sich schnell mal „vergreift“.

Da greifen wir lieber zum Automatik-Wählhebel in der Mittelkonsole. Der fasst sich nicht nur besser an, sondern bietet auch die Möglichkeit des manuellen Schaltens und den S-Modus. In diesem wird nicht nur die Schaltcharakteristik mit früherem Runter- und späterem Hochschalten sportlicher, sondern auch die Gasannahme wird direkter und der Sound noch intensiver. Dieser ist immer präsent, aber nie störend oder aufdringlich – auch beim schlüssellosen Start per Knopfdruck. Dabei erinnert der schwere, zum Teil aus massiven Metall gefertigte Schlüssel in der Grundform an die Konzernzugehörigkeit, wäre aber als exklusive Accessoire auch viel zu schade für das Zündschloss links vom Lenkrad, das dort doch eigentlich Porsche vorbehalten ist. Auffällig unauffällig sind auch die für heutige Verhältnisse relativ wenigen Assistenzsysteme.

 

Das Fahrgefühl im Bentley GT Speed gestaltet sich ebenso aufregend wie entspannt: Auch wenn das Zwölfzylinder-Triebwerk nicht in V- sondern wie im Volkswagen-Konzern typisch in kompakterer W-Form konstruiert ist, überzeugt der GT Speed mit hervorragender Laufruhe. Die Liaison von sechs Litern Hubraum und Bi-Turbo-Aufladung garantiert Kraft im Überfluss. 625 PS versammeln sich bei 6.000 Umdrehungen. Bereits ab 2.000 Touren steht das maximale Drehmoment von 800 Nm zur Verfügung. Damit qualifiziert sich der Bentley zum Power-Cruiser.

Das adaptive Luftfahrwerk verfügt über eine Liftfunktion für mehr Bodenfreiheit und ist über den Touchscreen in mehreren Stufen einstellbar. Leider tendierte es bei niedrigem bis mittlerem Tempo selbst im Komfortmodus dazu, Bodenunebenheiten und vor allem kurze Stöße nicht komplett herauszufiltern. Allerdings weist der Namenszusatz „Speed“ darauf hin, dass dieser Bentley eigentlich ein anderes Ziel als gemütliches Bummeln verfolgt. Also ab auf die leere Autobahn und Vollgas!