Testflight: SWISS Boeing 777-300ER

26.08.2016 | Christian Sauer | Lifestyle, News, Testrides

SWISS Boeing 777-300ER
Wir flogen mit dem neuen Flaggschiff der Schweizer Lufthansa-Tochter im Rahmen eines Ausbildungsflugs von Hannover nach Zürich. Dabei testeten wir die neue First sowie Business Class.

In der Regel sind auf dem Flughafen Hannover zumeist kleine oder mittelgroße Linien- beziehungsweise Urlaubsflieger zu Gast. Doch seit einigen Monaten war und ist die Boeing 777-300ER, das größte sowie schwerste zweistrahlige Flugzeug der Welt hier regelmäßig anzutreffen. Die neueste Variante der auch „Triple Seven“ genannten Langstreckenmaschine wurde Anfang des Jahres als neues Flaggschiff von SWISS in Dienst gestellt. Als 300ER (Extended Range) mit 10.700 km Reichweite bei voller Nutzlast kommt sie auf ultralangen Strecken beispielsweise nach San Francisco, Los Angeles, Bangkok oder Hongkong zum Einsatz. Dank modernster und zugleich ausgereifter Technik werden gegenüber dem bisherigen SWISS-Flaggschiff A340-300 beträchtliche 23 % Treibstoff und CO2 eingespart. Doch damit die insgesamt neun bestellten Flugzeuge zu einem Listenpreis von je rund 330 Millionen US-Dollar ab Zürich in die große weite Welt starten können, müssen die Crews – insbesondere im Cockpit – auf die Boeing umgeschult werden. Da es vor allem um Start und Landungen geht, bieten sich kurze Strecken wie die nach und von Hannover an.

 

 

Trotz ihren beiden Triebwerke vom Typ General Electric GE90-115BL mit je 52.300 kg Schub, die selbst den Durchmesser des Rumpfs einer Boeing 737 besitzen, der Höhe von 18,50 m bei einer Spannweite von 64,80 m und 73,90 m Länge könnte die 777-300ER direkt an einem „Finger“ des Terminals in Hannover andocken. Bei unserem Flug wartet sie allerdings auf dem Vorfeld. Ist einmal die Treppe bezwungen – dabei realisiert man erstmal ihre Größe – finden die maximal 340 Passagiere rasch den Weg auf ihre Plätze in der Economy Class (270) und Business Class (62). In letztgenannter gibt es weiterhin die schon von den bisherigen Langstreckenjets von SWISS bekannten Einzelsitze neben den Zweierkombinationen.  So oder so lassen sie sich in ein über zwei Meter langes und 52 cm breites Bett ausfahren. Der Härtegrad des Sitzkissens lässt sich individuell regulieren. Zusätzliche Einrichtungen für mehr Privatsphäre sowie Platz zum Verstauen persönlicher Dinge und ein neuer Tisch mit einfacher Handhabung sollen den Flug noch angenehmer gestalten . Für Unterhaltung sorgt ein 16-Zoll-Touchscreen und eine große Auswahl an Inhalten.

Den mit 32-Zoll doppelt so großen und derzeit weltweit sogar größten Videobildschirm gibt es in der First Class zu bewundern. Maximal acht beneidenswerte Gäste profitieren davon und können parallel zu einem der neuesten Blockbuster per Touchscreen-Kabelfernbedienung die aktuellen Flugdaten nachvollziehen. Die Bedienung scheint simpel, was bei anderen Airlines nicht unbedingt immer der Fall ist. Alle neun Boeing 777-300ER Flugzeuge verfügen über eine drahtlose Breitbandverbindung und SWISS First Passagiere profitieren von 50 MB gratis Internetzugang. Was das Platzangebot und die Privatsphäre angeht, bleibt allerdings auch die neue Erste Klasse im Vergleich zu den Mitbewerbern aus dem fernen und mittlernen Osten im Nachteil. Und eine Dusche wie bei Emirates im Airbus A380 oder eine Bar mit Möglichkeiten zum Verweilen oder Kommunizieren wurde nicht verbaut. Verglichen mit europäischen oder nordamerikanischen Airline setzen die abtrennbaren Privatsuiten mit elektrisch verstellbaren Sitzen und Massagefunktion als 203 x 56 cm große Flachbetten jedoch neue Maßstäbe. Positiv aufgefallen sind uns neben der Abtrennung mit integrierter, persönlicher Garderobe die weiteren Ablagen und Staufächer sowie die verwendeten Materialien. Alles wirkt hochwertig aber nicht übertrieben. Gleiches gilt für die speziell für die First Class bedienbaren Lichtstimmungen der Kabine, wo auf einen künstlichen Sternenhimmel oder ähnliches verzichtet wurde. Dafür lassen sich mit den elektro-mechanischen Fensterblenden alle drei Fenster einer Sitzzone gleichzeitig per Knopfdruck bedienen und teilweise oder komplett abdunkeln.

Was wir auf unserem kurzen Flug natürlich nicht testen konnten, war der Service während eines Langstreckenfluges. Für dessen Qualität ist SWISS weltweit renommiert und dazu gehört natürlich auch das kulinarische Angebot. In der First Class gibt es selbstverständlich zahlreiche Vorspeisen, Hauptgänge und Nachspeisen zur Wahl. Eine Besonderheit stellen die Themenwochen dar, wo beispielsweise Liebhaber von hochwertigem Rindfleisch beim „Steakhouse“ mit Wagyu & Co. auf ihre Kosten kommen. Bemerkenswert finden wir auch die Möglichkeit, vis-à-vis sitzend zu dinieren. Dieses bei Paaren beliebte Feature gab es ebenfalls schon in der First Class der bisherigen SWISS-Langstrecken-Flugzeuge, aber in der 777 ist der „Notsitz“ dank eigenem Gurt nun offiziell zertifiziert. Gekrönt wird das erstklassische Flugerlebnis von dem persönlichen Service der 14-köpfigen Kabinen-Crew, von der sich mehrere Flugbegleiter um das Wohl der maximal acht First-Class-Gäste liebevoll kümmern. Unterm Strich können wir die First ebenso wie die Business Class und mit Abstand auch die Economy Class der neuen 777-300ER vor allem denjenigen empfehlen, die für ihren Langstreckenflug sowieso einen Anbringer nach Frankfurt oder München bräuchten. Warum also nicht bis Zürich fliegen, entspannt umsteigen und dann den Komfort des SWISS-Flaggschiffs genießen?