Sommerreifen: „A“ ist nicht gleich „A“

02.04.2013 | Daniel Englisch | Testrides

Goodyear Drivers Club Germany

Sommerreifen testen in Südfrankreich? Gerne, warum nicht! Mal ein bisschen Sommer zur Abwechslung bei den gefühlten acht Monaten Winter dieses Jahr. Drivers Club Germany Redakteur Daniel Englisch durfte den Winter mit Goodyear hinter sich lassen.

Goodyear lädt zur Präsentation und Test Ihres neuen EfficientGrip Performance nach Montpellier ein. Gesagt, getan – über Paris geht es an die südfranzösische Küste. Nach Mireval zuerst um genau zu sein – hier ist der Sitz des Testzentrums von Goodyear. Auf dem ehemaligen Motorrad-Rennkurs hat bereits alles getestet, was Rang und Namen hat: von Formel-1-Rennern, Supersportlern bis hin zum VW Golf war hier schon alles vertreten. Eine anspruchsvolle Strecke mit vielen engen Kurven, Senken und abfallenden Abschnitten. Abwechslungsreich – ein gutes Terrain um Grip und Handling genauer zu analysieren. Der Kurs liegt in Küstennähe hinter Hügeln versteckt, aber dennoch mit direktem Blick aufs Meer.

Blauer Himmel, traumhafte Küstenlandschaften, ein Rennkurs eigens für uns präpariert und neueste Reifen-Technologie von Goodyear, was will man mehr? Doch irgendetwas will nicht ganz passen. Abgesehen davon, dass die Vorzelte zur Fahrerlounge von den Orkanböen fast aus ihren Verankerungen gerissen wurden, war es auch noch kalt. Zu kalt? Na ja, die Außentemperatur betrug um die acht Grad Celsius. Der Asphalt aber lag ein paar Grad darüber, also gerade warm genug für die Sommer-Pneus und wieder nichts mit Frühlingsgefühlen. Aber wie testet man Sommerreifen eigentlich? Welcher Reifen ist der Richtige für mein Auto? Dass EfficientGrip Performance gut ist, vermag schon das Reifenlabel mit der Wertung A/A zu sagen, aber was ist der Unterschied – was macht ihn wirklich zum besseren Sommerreifen im Vergleich mit anderen? Und was bedeutet das EU-Reifenlabel eigentlich?

Vorab gilt zu sagen, dass seit November 2012 eine neue EU-Verordnung in Kraft getreten ist, nach der jeder Reifenhersteller seine Pneus mit einem Label kennzeichnen muss. Bei der Bewertung werden anhand von Kraftstoffeffizienzklassen und Nasshaftungsklassen jeweils die Noten A bis G vergeben. Ein weiterer Punkt, der in dem neuen Label mitbewertet und auch in Dezibel angegeben wird, ist das Rollgeräusch eines Reifens. Durch diese Reglung soll EU-weit die Transparenz für den Verbraucher garantiert werden. Gewappnet mit diesen Vorkenntnissen schickt uns Goodyear in den direkten Vergleich mit dem Mitbewerber. Konkret bedeutet dies verschiedene Tests mit identischen Fahrzeugen, identischer Ausstattung und Motorisierung auf abgesteckten und präparierten Streckenabschnitten. Wohlgemerkt haben beide Pneus jeweils mit der Topbewertung A/A abgeschnitten.

Um uns vorab ein plastisches Beispiel zu geben, in wie weit sich gute Reifen von sehr guten Reifen in puncto Rollwiederstand unterscheiden, haben sich die Entwickler etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Wie beim guten alten Seifenkistenrennen stehen die beiden Kontrahenten in Form eines Golfs an einer Anhöhe und warten auf den Startschuss. Schon nach den ersten Metern wird klar, was uns der Reifenhersteller mit diesem Test demonstrieren möchte: Mit mehreren Wagenlängen Vorsprung erreicht der EfficientGrip Performance das Ziel.

Für den ersten Workshop entmündigte uns Goodyear des Bremspedals: Computergesteuert und somit punktgenau bremst uns bei jedem Versuch ein großer grauer Kasten, der den Platz des Beifahrers eingenommen hat. Wie bei Knight-Rider werden wir ohne eigenes Zutun immer wieder an der selben Stelle mit exakt dem gleichen Bremsdruck zum Stehen gebracht. Somit ist sichergestellt, dass auf der gewässerten Strecke auch wirklich jeder Versuch mit dem gleichen Bremspunkt und -druck ausgeführt wird – Schummeln ist somit unmöglich. Hier ist es genau umgekehrt, als noch beim ersten Versuch – der Goodyear kommt vor seinem Mitbewerber zum Stehen.