Reifezeugnis: smart fortwo und forfour

16.11.2014 | Christian Sauer | Testrides

smart forfour Christian Sauer

Nun hat wieder ein Stiefbruder die Bühne betreten, diesmal mit französischen Wurzeln. Nein, das hat nichts damit zu tun, dass du als Zweisitzer seit jeher in Hambach, also im Elsass gebaut wirst. Nein, der neue smart forfour trägt die Gene des ebenfalls neuen Renault Twingo in sich, zur Welt kommt er im slowenischen Novo Mesto. Du hast dich eben zum Weltauto entwickelt und nicht nur in Deutschland wuchs mit den Jahren auch der Wunsch nach mehr Platz. Hinter den sehr weit öffnenden Türen gibt es überraschend viel davon. Selbst sperriges Gepäck soll dank umklappbaren und absenkbaren Rücksitzen kein Problem sein. Maximal sind es 975 Liter, mindestens 185 Liter hinter der einteiligen Heckklappe. Als fortwo mit unverändert 2,69 Meter Länge – 80 cm kürzer als der forfour – bietest du 260 bis 350 Liter und weiterhin eine geteilte Heckklappe. Im Innenraum finden sich zusätzliche Ablagen und im Cockpit hast du dich richtig fein rausgeputzt. Wieder findet sich dort auch einfaches Plastik, aber zum Glück insgesamt weniger davon. Dafür gibt es noch mehr Möglichkeiten, den eigenen Geschmack mit Farben und unterschiedlichen Materialien auszuleben.

Die Lieblings-Musik richtig laut machen, kann ich mit dem JBL Sound System samt der Bassbox, die sich im Kofferraum sogar demontieren lässt, um keinen Platz wegzunehmen. Natürlich bist du auch vernetzter denn je: Zum einen hältst du eine smarte Lösung parat, um per App Smartphones zu nutzen. Zum anderen kann ein 7-Zoll-Touchscreen bestellt werden, über das noch mehr Funktionen laufen können, wie beispielsweise eine Rückfahrkamera – fast paradox bei deiner Größe. Richtig cool finde ich stattdessen, dass online spezielle Parkplätze angezeigt werden, auf die nur ein smart passt. Wer einen neuen findet, kann ihn melden und mit der Community teilen. Hilfreich sind auch die von der Mercedes-Verwandtschaft stammenden Assistenzsysteme bei Seitenwind, zum Halten der Spur und des Abstands. Deinen zentralen Tacho hast du dir zwar nicht nehmen lassen, aber das integrierte Display erinnert mich wieder an deine Abstammung. Kurios bleibt weiterhin der Drehzahlmesser, den es immer noch nur gegen Aufpreis gibt und der links auf das Armaturenbrett aufgesetzt, nicht im direkten Blick liegt.

 

Dabei ist er wichtiger denn je geworden, weil es dich das erste Mal überhaupt als Handschaltung mit fünf Gängen und gut dosierbarer Kupplung gibt. Natürlich wird auch wieder eine Automatik angeboten: Dein neues 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe bekommt noch den letzten Feinschliff, aber schon als Prototyp hinterlässt es einen guten Eindruck– Kopfknicken ade! Es wird ab Frühjahr 2015 für die zwei stärksten, der nun drei flotte(re)n Benziner mit 60 bis 90 PS angeboten. Dein Diesel flog mangels Kaufinteressenten aus dem Programm. Dafür bleiben alle Verbrenner unter 100 g CO2 und auch der Electric Drive wird weiterentwickelt. Ihn wird es sogar als forfour geben, allerdings erst Ende 2016. Solange wird der aktuelle ED weiter gebaut oder als besonders umweltfreundliche Alternative dienen deine zweirädrigen Ableger mit elektrischer Unterstützung. Aber schon jetzt begeistert dein Fahrverhalten auf vier Rädern: Anders als die meisten Kleinwagen bleibt es beim Heckantrieb, der einen großen Anteil am extrem kleinen Wendekreis von 6,95 beziehungsweise 8,65 Meter hat. Dass du breiter geworden bist, verzeihe ich dir gerne. Optisch steht es dir sehr gut und neben mehr Platz bringt es auch mehr Fahrspaß mit sich. Wieselflink können wir so durch die City flitzen und auf Landstraßen oder Autobahnen bleibt er nicht auf der Strecke. Dabei kommt dein neues Fahrwerk mit schlechten Strecken viel besser zu recht als früher. Nun passen selbst mir die Sitze, so dass selbst lange Fahrten ein Happy End ohne Rückenschmerzen finden.

Darauf können sich auch die car2go-Nutzer freuen, wenn du dort hoffentlich bald zum Einsatz kommst. Wann genau und wo zuerst, wird noch nicht verraten und ob zudem der forfour für das Carsharing in Frage kommt, ist noch nicht einmal entschieden. Es bleibt also spannend, wie du dich weiterentwickeln wirst und vor allem wie die vier Türen angenommen werden – die Konkurrenz schläft nicht und ist zum Teil günstiger als dein Grundpreis von knapp 11.000 Euro. smart bist du auf jeden Fall (geblieben)!