Best of 2015: smart Crossblade Summer-Check

30.12.2015 | Christian Sauer | Testrides

smart Crossblade
Für Drivers Club Germany hat Daimler den einzigen offiziell im Konzern verbliebenen Crossblade wieder zum Leben erweckt. Anfang der 2000er Jahre war er das ultimative Sommer-Auto und dank seiner Limitierung ist er heute ein gefragtes Sammlermodell mit hohem Werterhalt.

In meinem Leben als Auto-Journalist und Blogger bin ich ja schon einige Modelle gefahren und vor allem „flache Flundern“ weltbekannter Hersteller mit atemberaubendem Design und Sound ziehen natürlich immer wieder die Blicke der Passanten auf sich. Doch selten bevor habe ich so viele offene Münder und große Augen gesehen, wie bei meiner Ausfahrt mit dem smart Crossblade. Kurzer Blick zurück in die Geschichte: Er basiert auf dem smart fortwo Cabrio der ersten Generation und wurde von den Unternehmen Bertrandt entwickelt und vom Karosserie-Spezialisten Binz dann jeweils umgebaut. Die limitierte Auflage von 2.000 Exemplaren entstand zwischen März 2002 und Dezember 2003. Der Preis war auch bedingt durch den hohen Anteil von Handarbeit mit fast 25.000 Euro deutlich teurer als der des normalen smart Cabrios. Der teuerste Crossblade war die Seriennummer „0001“, die von Robbie Williams auf seiner 2002er-Tournee präsentiert und anschließend bei eBay für rund 51.000 Euro zugunsten der Robbie-Williams-Stiftung „Give It Sum“ versteigert wurde. Heutzutage werden die seltenen Exoten zu Preisen zwischen 13.000 und 20.000 Euro angeboten – Wertsteigerung nicht ausgeschlossen.

Und was bekommt man dafür?

Objektiv gesehen nicht viel: einen über elf Jahre alten Kleinwagen mit 0,6 Liter kleinem Dreizylinder-Turbo-Motörchen samt 71 PS, keine richtigen Türen oder eine Windschutzscheibe, dafür umso mehr Plastik. Doch das ist nur eine Seite der Medaille – die andere Seite sind die Emotionen, die der Crossblade von außen wie von innen auslöst. Zu bestellen gab es ihn ausschließlich in schwarzer Metallic-Lackierung, Titanfarbiger Tridion-Sicherheitszelle mit Überrollbügel, 16-Zoll-Alus mit 215er Reifen hinten und schwarz-roten Sitzen mit wasserfesten Sitzen. Wie der gesamte „Innenraum“ sollten sie auch starkem Regen oder sogar Fahrten durch die Waschstraße trotzen. Selbst ausprobiert habe ich es zwar nicht, aber ich glaube den anderen Crossblade-Fahrern, die es wagemutig ausprobiert haben. Das Wasser kann dann durch Öffnungen im Cockpitboden abfließen. Damit es zumindest beim Outdoor-Parken gar nicht so weit kommt, gab es serienmäßig eine passgenaue Schutzhülle zum Überziehen. Zumindest das „Entkleiden“ gelingt mir schon beim ersten Mal problemlos innerhalb weniger Sekunden. Den ganzen Wulst noch schnell im trockenen 122-Liter-Kofferraum verstaut und los geht’s.

An dem versteckten Öffner für den Holm gezogen und schon schwenk der Tür-Ersatz nach oben. So gelingt der Einstieg locker – besonders sportliche Naturen können sich den „Umweg“ auch sparen und wie beim Kunstturnen elegant hinein schwingen. Viel kaputt machen kann man dabei eigentlich nichts, denn die verwendeten Kunststoff-Materialien sind besonders robust gehalten. Die wenigen Bedienelemente für den Wagen an sich und für das Oldschool-CD-Radio halten Wasser ebenso aus wie Hitze und Sonnenschein während unserer Testfahrt. Vor dem Start am besten noch alle Utensilien in den wenigen Ablagen der Mittelkonsole und unter den Sitzen verstauen, sonst könnten die sich schneller auf der Straße wiederfinden als gedacht. Zündschlüssel zwischen den Sitzen nach rechts gedreht und etwas mürrisch meldet sich der Crossblade zum Dienst. Das verzeihen wir ihm, denn unser Exemplar mit der Seriennummer 1074 wurde in den letzten Jahren nicht viel bewegt. Zu dem automatisierten Getriebe muss ich wohl nichts mehr sagen, aber zum Glück wird der unharmonische Charakter mit elend langen Schaltpausen in der aktuellen smart-Generation nun endlich von einem deutlich besseren Doppelkupplungsgetriebe abgelöst. Im Crossblade nutzt man am besten die Möglichkeit der manuellen Gangwechsel per Schaltknauf. So lässt sich mit etwas Gefühl im Gasfuß das typische Kopfknicken vermeiden und stattdessen den ansonsten respektablen Vortrieb nutzen. Gut, 17 Sekunden für den „Sprint“ auf 100 km/h und Topspeed 135 wirken auf dem Papier nicht gerade sportlich, aber ohne Türen und Windschutzscheibe ändert sich der subjektive Eindruck in der Realität drastisch.

Kein Comeback des rollenden Föhns

Mit der Sonne im Gesicht und dem Wind im Haar – es gibt tatsächlich auch eine Lüftung/Heizung – ist bis 30 km/h noch alles lustig. Spätestens ab 50 km/h empfiehlt sich eine anliegende Sonnenbrille und darüber hinaus wäre im Crossblade eigentlich schon ein offener Helm mit Visier eine gute Idee. Wer sich wie ich tatsächlich einmal auf die Autobahn und somit über 100 km/h wagt, sollte sich unabhängig von der Außentemperatur auch besser warm anziehen – Motorradfahrer wissen, was ich meine. Also lieber wieder runter von der Schnellstraße und ab auf kurvige Landstraßen, wo der Crossblade mit seiner durchaus direkten Lenkung überrascht. Etwas zu sportlich wurde damals allerdings die Federung abgestimmt, die auf längeren Touren üble Rückenschmerzen verursachen würde. Doch bis auf ein paar eingefleischte Enthusiasten wird wohl kaum jemand auf diese abwegige Idee kommen. Nein, das wohl extremste smart-Serienmodell war und ist als Funcar für sommerliche Touren im Grünen oder in der Stadt prädestiniert. Schade finde ich immer noch, dass es damals keine Version mit Elektroantrieb gab und es wohl auch keine Neuauflage des Crossblades geben wird. Zumindest auf ein neues smart Cabrio müssen wir nicht mehr lange warten, denn das wird schon in wenigen Tagen auf der IAA präsentiert.