Spanisches Topmodell: Seat Leon Cupra 280

01.06.2014 | Christian Sauer | Testrides

Seat Leon Cupra 280 Drivers Club Germany

Bei optimalen Bedingungen lässt sich das Fahrdynamiksystem zweistufig abschalten: Die erste Stufe deaktiviert die Antriebsschlupfregelung und versetzt das ESP in einen Sport Modus, der größere Gierwinkel erlaubt. Die zweite Stufe deaktiviert es dann sogar vollständig. Das freut erfahrende Piloten. Hinzu kommen das relativ geringe Gewicht von unter 1,4 Tonnen, sowie der Cupra-Modus des Drive Profile. Noch mehr als in den Comfort- und Sport-Einstellungen wird der Leon dabei in Richtung Fahrdynamik und -spaß getrimmt. Lobenswert finden wir, dass sich alle adaptiven Komponenten auch individuell in unterschiedlichen Einstellungen programmieren lassen. So lässt sich zum Beispiel die direkteste Stufe der Progressivlenkung auswählen, ohne die härteste Stufe des ohnehin schon sportlich abgestimmten DCC-Fahrwerks (Dynamic Chassis Control) in Kauf nehmen zu müssen. Dann bietet es trotz der großen Räder genügend Restkomfort für lange Strecken.

Dazu passt der sportliche, aber nie zu aufdringliche Sound aus den zwei Endrohren und dem sogenannten Soundaktor zur künstlichen Unterstützung dessen. Nur bei offenem Fenster oder von außen lässt sich übrigens bei voller Beschleunigung ein Fauchen des Turboladers vernehmen. Das insgesamt schon angenehme Geräuschniveau bei hohem Tempo würde ein 7. Gang des DSG nochmals senken, das flink durch die sechs Gänge düst. Hinterm handlichen, unten abgeflachten Lenkrad warten Schaltpaddel auf ihren Einsatz. Wie schon erwähnt, gibt es alternativ auch eine 6-Gang-Handschaltung. Wunschlos glücklich sollten alle Interessenten mit den bissigen Bremsen werden. Unter sportlichen Gesichtspunkten punktet der Cupra also in allen entscheidenden Kriterien: Motor, Getriebe, Fahrwerk und Bremsen.

 

Auf der Nürburgring-Nordschleife stellte Seat mit 7:58 Minuten sogar einen neuen Rekord für Serienfahrzeuge mit Frontantrieb auf. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug dabei 155 km/h, als Topspeed wurden im „Tiergarten“ Tempo 242 km/h erreicht. Die Bedingungen hätten auch kaum besser sein können: Die Strecke war trocken, die Lufttemperatur lag bei 10 Grad, die Asphalttemperatur bei 8 Grad. Am Steuer saß der Spanier Jordi Gené, der für Seat von 2003 bis 2010 in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft WTCC startete und auch das Entwicklungs- und Abstimmungsprogramm für den Leon Cupra auf dem Nürburgring begleitete. So wurde während der rund 90 Tage dauernden und über 450 Runden mit 9.000 Kilometern führenden Abstimmungsarbeit auf der Eifelstrecke speziell der Cupra-Modus für die Anforderungen der Strecke optimiert. Doch egal in welcher Einstellung beeindruckt der gutmütige Charakter, der auch von dem geringen Gewicht profitiert.

Das wirkt sich wiederrum positiv auf den in Anbetracht der Leistung recht geringen Verbrauch von offiziell 6,4 Liter auf 100 km aus. Und auch in der Anschaffung zeigt sich der Cupra mit umfangreicher Serienausstattung fair kalkuliert: Los geht es bei 30.810 Euro mit dem dreitürigen Cupra samt 265 PS und Handschaltung. Am anderen Ende der Skala liegt unser Testwagen mit 280 PS, fünf Türen und DSG-Getriebe für mindestens 34.310 Euro. Damit positioniert sich der Seat zwischen dem Golf GTI, Golf R und Audi S3 mit identischem Motorblock. Auch die Relation zum Leon FR stimmt aus unserer Sicht. Wem das bisherige Topmodell noch nicht konsequent sportlich genug war, findet mit dem Cupra nun genau das bisschen mehr.