Cupra Formentor VZ

18.02.2021 | Christian Sauer | Testrides

Das erste eigenständige Modell von Seats Sportmarke ist nicht „nur“ wegen seinen 310 PS sehr vielversprechend. Ob der Formentor die hohen Erwartungen erfüllt, zeigt unser Fahrbericht.

Wow, es ist weit mehr als das neue Logo. Mag „Cupra“ zumindest als (Bei)Name einiger Seat-Modelle wie dem Ateca oder dem Leon schon bekannt sein, ist der vom Cap Formentor auf Mallorca inspirierte Name des ersten eigenständigen Cupra-Modells komplett neu und das Design erst recht. Trotz erhöhter Bodenfreiheit streckt sich der Cupra Formentor bei geduckten 1,51 m Höhe auf 4,45 m Länge – 7 cm mehr als der Ateca. Die Breite von 1,84 m unterstreicht zusammen mit den 19-Zoll-Rädern den sehr sportlichen Charakter des Crossovers bzw. SUVs. Die dynamische und emotionale Liniensprache wird bei unserem Testwagen zudem mit der nicht minder aufsehenerregenden, petrolblauen Mattlackierung betont. Die für die junge Seat-Submarke typischen kupferfarbigen Details beschränken sich nicht nur auf Logos und Schriftzüge, sondern „veredeln“ gegen Aufpreis ebenfalls die Alufelgen und die Bremssättel – in unserem Fall vorn sogar von Brembo.

Im geräumigen Innenraum setzt Seat – sorry – Cupra das ungewöhnliche Farbschema konsequent fort. Vom oberen Teil des Armaturenbretts bis in die Türverkleidungen ziehen sich die kupfernen Ziernähte auf blauem Grund. Dazu gesellen sich metallische Zierelemente. Insgesamt wirkt der Innenraum hochwertig, wenn gleich sich leider doch einige schwarze Plastikteile an exponierten Stellen eingeschmuggelt haben. In optional blauem Leder hüllen sich wiederum die Sportsitze mit sehr guten Seitenhalt. Aus unserer Sicht könnten sie gerne mehr Einstellmöglichkeiten, auch für die Beifahrerseite elektrisch, Sitzbelüftung und Massagefunktion bieten. Aber das ist „Meckern“ auf hohem Niveau. Dafür konnten wir uns bei eisigen Temperaturen über die Sitzheizung und die ebenfalls dreistufige Lenkradheizung freuen.

Passend zum Motorsport-Engagement von Cupra finden sich am kleinen Volant jede Menge Knöpfchen. Die wichtigsten davon sind natürlich „Start“ rechts und links „Cupra“ zur Wahl der fünf Fahrprogramme. Das Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen lässt sich per Wippen schalten, während sich in der Mittelkonsole inzwischen Konzern-typisch nur noch das kleine Wählhebelchen findet. Insgesamt folgt Cupra dem Trend, immer mehr Funktionen per zentralem Touchscreen des Infotainmentsystems zu steuern. Im Formentor misst er stolze zwölf Zoll und hängt quasi wie ein Tablet quer vor dem dadurch schön flach gehaltenen Armaturenbrett. Die flüssigen Animationen und smarten Funktionen wie bei der Klimatisierung begeistern ebenso wie die individualisierbare Ambientebeleuchtung.

Mindestens genauso wichtig ist natürlich, die wichtigsten Fahrdaten im Blick zu behalten. Dafür sorgt das 10,25 Zoll große TFT-Instrumenten-Display aus dem Konzern-Baukasten mit zahlreichen Anzeige-Optionen. Und egal wie gerade animiert, klettert die Geschwindigkeit analog zur Drehzahl beeindruckend schnell in 4,9 Sekunden von Null auf Einhundert und weiter bis zur abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h.

Der 310 PS und 400 Nm starke 2,0-Liter-Vierzylinder, der auch im Audi S3 zum Einsatz kommt und sich im Cupra Formentor leider unter einer total schnöden Plastikabdeckung versteckt, ist ein Allround-Talent. Der Turbo-Direkteinspritzer präsentiert sich zugleich sensibel bei der Gasannahme und leichtfüßig beim Hochdrehen, aber auch durchzugsstark bei höheren Drehzahlen und dabei mit offiziell 8,5 Liter ECE-Verbrauch noch akzeptabel.

Alternativ wird der Cupra Formentor zukünftig mit weiteren reinen Benzin-Versionen, serienmäßig mit Frontantrieb und 6-Gang-Handschaltung sowie ebenso als Plug-in-Hybrid samt 1,4-Liter-Benziner mit insgesamt 245 PS und 400 Nm angeboten. Angekündigt ist zudem der 2,5-Liter-Fünfzylinder von Audi mit rund 400 PS, den VW nicht in den Golf R einpflanzen durfte. Doch zurück zu unserem Testwagen, dem aktuellen Topmodell, der zukünftig wie alle Varianten mit mehr als 245 PS das Kürzel „VZ“ für das spanische „veloz“ (schnell) tragen wird. Individuell „programmiert“ oder pauschal per Sport- oder Cupra-Modus, macht der Formentor dank Soundgenerator dem optionalem BeatsAudio-Soundsystem mit zehn Lautsprechern und 340 Watt Konkurrenz. Während sich der bis dato akustisch zurückhaltende Vierzylinder innen plötzlich nach mächtigem Hubraumriese klingt, hört man außen trotz der vier Endrohre bei Volllast fast nur den Turbolader.

Während unseren Testfahrten bei winterlichen Straßenverhältnissen profitiert der Formentor vom elektronisch geregeltem 4Drive-Allradantrieb, der bei Bedarf die Hinterräder zuschaltet. Über Traktionsmangel können wir uns dank elektrohydraulischer Mehrscheiben-Lamellenkupplung und elektronischer Differentialsperre EDS an der Hinterachse nicht beklagen. Selbst bei den Minusgraden brachten wir die Continental WinterContact und die Brembo-Stopper an den Vorderrädern für 2.320 Euro extra „auf Temperatur“. Der 1,6 Tonnen wiegende Cupra geht sehr agil in und durch Kurven. Neben der direkten, zielgenauen Lenkung hat die adaptive Fahrwerksregelung DCC mit sich individuell je Rad anpassenden Dämpfern einen großen Anteil daran. So gerüstet, läuft der Formentor sehr geschmeidig und ohne unnötige Härte selbst über schlechte Straßen.

Der erste „echte“ Cupra hat unsere hohen Erwartungen sogar übertroffen und ist mit 45.090 Euro Grundpreis für den 310-PS-Benziner im Vergleich noch günstig. Dafür bekommt man neben dem coolen Design, der sehr guten Qualität und dem beeindruckenden Fahrerlebnis auch eine umfangreiche Serienausstattung. Wer seinen Formentor allerdings wie unseren Testwagen mit der Mattlackierung und Lederausstattung, dem Panorama-Glasschiebedach, den Brembo-Bremsen und ein paar anderen Extras haben möchte, muss mit über 9.000 Euro extra kalkulieren. Bei aller Sportlichkeit ist die Alltagstauglichkeit samt 420 bis 1.475 Liter fassendem Kofferraum auf jeden Fall inklusive. Und zumindest für die nächsten Monate gibt es den Exoten-Status samt Wow-Effekt noch dazu!