Cupra Ateca

03.04.2019 | Christian Sauer | Testrides

¡Hola! Ein Seat, der nicht so heißen will und dafür Porsche Konkurrenz macht? Wir testen das neue Sport-SUV und klären, was dran ist. Olé!

Beginnen wir erstmal mit dem Namenswirrwarr: Cupra-Versionen gibt es ja schon lange von Seat und bereiteten uns schon als Leon und Ibiza viel Freude. Um die Sportmodelle noch stärker herauszustellen, kamen die Marketingexperten der spanisch-deutschen Marke auf die Idee, den Namen „Seat“ möglichst komplett wegzulassen und mit „Cupra“ eine sportliche Submarke zu etablieren.

Das erste Modell setzt die Eigenständigkeit optisch sehr konsequent um. Mit Ausnahme der LED-Scheinwerfern finden wir beim Cupra Ateca außen kein Seat-Logo und keinen Seat-Schriftzug mehr. Stattdessen krönt das neue Logo samt neuem Namen die Front sowie das Heck. An sich war und ist der 4,37 m lange Ateca schon ein recht knackiges SUV – vor allem als Ausstattungsvariante FR. Als Cupra toppt er das nun mit noch sportlicheren Karosserieanbauteilen und 19 Zoll großen Alufelgen. Dazu passt ebenfalls der Sportauspuff, der zum Gefallen der Nachbarn aber nicht (zu) extrem ist. Wem der satte Sound dennoch nicht reicht, kann serienmäßig im limitierten Sondermodell „Special Edition“ sogar einen Akrapovic-Sportauspuff bekommen.

So oder so ist der Cupra Ateca kein „Blender“, schließlich versammeln sich 300 PS unter seiner Motorhaube. Es ist der gleiche Vierzylinder-TSI mit 2,0 Liter Hubraum, der auch im Seat Leon Cupra 300, VW Golf R und im neuen VW T-Roc R sowie Audi SQ2 arbeitet. Während er sich im Comfort-Modus noch sehr zurück hält, tritt der Turbo im Sport- und erst recht im Cupra-Modus beeindruckend an. Ab 2.000 Touren liegen die maximal 400 Nm Drehmoment an und nach 5,2 s fällt die 100-km/h-Marke mit dem obligatorischem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.

Auch darüber hängt der moderne Benzin-Direkteinspritzer schön direkt am Gas und dreht leichtfüßig bis 6.500 hoch. Als Höchstgeschwindigkeit sind stattliche 247 km/h angegeben. Dann steigt allerdings der ohnehin schon hohe Verbrauch während unseren Fahrten im Durchschnitt mehr als zehn Liter, deutlich über der Werksangabe von 8,3 Liter Super (WLTP), naturgemäß in exorbitante Höhen. Dann leert sich der 55-l-Tank rasch.

Doch zurück zu den Vorteilen des Cupra Ateca: Selbst wer die volle Leistung nicht auskostet, wird die Kraftreserven zu schätzen lernen. So fährt es sich auf der Autobahn nämlich sehr entspannt. Seinen Teil trägt daran auch das gut abgestimmte Fahrwerk samt adaptiven Dämpfern bei. Sie lassen sich per Drive Profile in den Fahrprogrammen Comfort, Sport, Cupra, Individuell, Snow und Offroad einstellen. Letztgenannter wird trotz 4Drive-Allradantrieb mit Krafttransfer an die Hinterachse bei Schlupf vorn auf Grund der reduzierten Bodenfreiheit kaum zum Einsatz kommen.

Vor allem im Sport- und Cupra-Modus fährt sich der stärkste Ateca mit knapp 1,6 Tonnen Leergewicht überzeugend dynamisch, handlich und leichtfüßig. Die Lenkung gefällt mir ihrer Direktheit und Rückmeldung. Wer es mit dem SUV richtig „krachen lassen“ will, kann für 2.695 Euro Bremsen vom Brembo ordern. Unser Testwagen hat sie an Bord und sie beißen wirklich vehement zu. Vielleicht liegt es an den 245er Pirelli-Winterreifen, die mit ihrer Leistung etwas überfordert scheinen, aber beim harten Anbremsen fühlt sich der Cupra ein bisschen unruhig an – sicher ist er aber allemal.

Dafür sorgen auch Assistenzsysteme à la Tempomat mit Abstandshalter, Spurhalter, Toter Winkel oder Ausparkassistent, die zum Teil jedoch extra bestellt und bezahlt werden müssen. Serienmäßig sind leider auch nicht die beheizbaren und auf der Fahrerseite elektrisch verstellbaren „Schalensitze“. Im Schulterbereich könnten sie gerne mehr Seitenhalt bieten, lassen ansonsten aber kaum Wünsche offen. Anstelle der Alcantara-Leder-Kombination gibt es alternativ auch „nur“ schwarzes Leder und – wie könnte es anders sein – eine Vielzahl der neuen Cupra Logos.

Auch für die schwächeren Ateca-Versionen bis 190 PS sind hingegen die digitalen Instrumente bestellbar. Deren einfache Bedienung samt Blättern zwischen den vier Designs passt zum übersichtlichen Gesamteindruck des Cockpits. Bewährt hat sich das Infotainment inklusive 8-Zoll-Touchscreen und BeatsAudio-Soundsystem mit 340 Watt aus neun Lautsprechern. Es unterhält bassstark die maximal fünf Gäste des Cupra Ateca, die mit 485 bis 1.579 Liter Gepäck viel Platz im kompakten SUV finden. Subjektiv lassen der Dachhimmel zusammen mit dem Plastikbauteilen – jeweils in schwarz – den Innenraum allerdings kleiner erscheinen.

Für Lichtblicke sorgt zumindest bei Dunkelheit die farblich einstellbare Ambientebeleuchtung. Ebenfalls nicht neu, bei anderen Herstellern schon gesehen, aber ein nettes Gimmick ist das auf den Boden vor die Vordertüren projizierte Cupra-Logo. Das (Re)Branding hat Seat wirklich konsequent durchgezogen. Doch abgesehen von der Frage des Sinns, stellt sich die nach dem Preis. Der fällt trotz des runden Gesamtpakets schon ohne Extras mit 42.850 nicht gerade günstig aus. Unser Testwagen knackt sogar die 50.000 Euro Marke und bewegt sich so in ganz anderen Sphären.

Ein Porsche Macan mit 245 PS beginnt zwar preislich erst bei 58.763 Euro und kostet mit vergleichbarer Ausstattung noch mehr, bietet jedoch auch mehr Möglichkeiten zur Individualisierung und Porsche-typisch mehr Prestige als ein Seat – excusa – Cupra. Das kann sich ja noch entwickeln und mit dem Cupra Formentor steht zudem das erste komplett eigenständige Modell der „neuen“ Marke (wohl als Plug-in-Hybrid) in den Startlöchern. Bei aller Sympathie für den Cupra Ateca, hätten die Marketingexperten nicht besser damit den großen Aufschlag gemacht?