Seat Ateca – eine Frage der Zeit

17.02.2017 | Christian Sauer | Testrides

Es hat zwar etwas länger gedauert, aber inzwischen ist das erste SUV der spanischen Volkswagen-Tochter schon nicht mehr aus dem Straßenbild wegzudenken. Wir haben die Topversion getestet und (er)klären seinen Erfolg.

Keine Frage – der VW Tiguan gilt hierzulande als Referenz unter den kompakteren SUVs und bekommt mit dem Tiguan Allspace dieses Jahr sogar noch einen größeren Zwillingsbruder. Doch spätestens mit seiner zweiten Generation ist er schon in der Standard-Version einigen Kaufinteressenten zu groß und zu teuer geworden. Wer dann nicht auf eins der zahlreichen SUVs außerhalb des Volkswagen-Konzerns ausweichen will, findet nun mit dem Ateca eine reizvolle Alternative inklusive emotionalerem Charakter – spanisches Temperament sei Dank!
 

Seats erstes SUV – abgesehen vom Leon X-Perience als Cross-Variante des Kombis – fällt mit 4,36 m Länge ganze 13 cm kürzer als Tiguan aus. Sogar 34 cm trennen ihn vom Skoda Kodiaq. Das erste Kriterium ist also erfüllt. Hinzu kommt, dass er in Verbindung mit 1,84 m Höhe und 1,61 m Breite richtig knackig aussieht – gerade wenn man(n) dann noch die 19-Zöller mitbestellt hat. Die dynamischen Voll-LED-Scheinwerfer sind je nach Ausstattungslinie serienmäßig. Eine Frage des persönlichen Geschmacks ist und bleibt natürlich die Lackfarbe. Fest steht allerdings, dass der Seat Ateca in Samoa Orange Metallic mehr als in Schwarz oder Silber aus der Menge heraussticht. Wer noch mehr auffallen will, sollte sich direkt bei der Konfiguration die Sport Line Pakete anschauen.

Doch von wegen „mehr Schein als Sein“ bietet der Seat Ateca innen ein gutes Platzangebot. Die großzügigen Vordersitze sind angenehm straff gepolstert und entweder mit Alcantara/Stoff in Schwarz oder Braun, oder mit Leder in den diesen Farben bezogen. Gegen Aufpreis sind sie immerhin beheizbar – eine Belüftung wird nicht angeboten – und der Fahrersitz ist elektrisch verstellbar. Auch in der zweiten Reihe können Erwachsene bequem sitzen. Der Kofferraum unseres Testwagens mit Allradantrieb wird mit 485 bis 1.549 bei umgeklappten Rücksitzen den meisten Anforderungen gerecht. Bei den Versionen mit Frontantrieb fällt er sogar noch etwas größer aus.
 

Mit acht Zoll fällt das Touchscreen-Infotainment für das Segment ebenfalls relativ groß aus. Dazu ist dessen Aufpreis selbst mit Zusatzoptionen wie Full Link Konnektivität und Soundsystem vergleichsweise moderat. Dabei bietet es die vom VW-Konzern bekannte Bedienlogik. Darüber lässt sich außerdem die Farbe der Ambientebeleuchtung einstellen sowie beim Parken den 360-Grad-Blick der Top View Kamera darstellen. Auch die Fahrdynamikregelung Seat Drive Profile nutzt das Display zusätzlich zum runden Drehschalter zur Konfiguration der sechs wählbaren Modi samt individueller Einstellung und Winter-Modus. Sogar einen Offroad-Modus gibt es, bei dem zwar Mangels höherverstellbarer Luftfederung zwar nicht die Bodenfreiheit erweitert werden kann, aber zumindest der „4Drive“-Allradantrieb inklusive elektronischer Differentialsperre XDS und die Lenkungs-Charakteristik angepasst wird.

Selbst wenn sich der Ateca im leichten Gelände wacker schlägt (wie die Presse-Fotos von Seat zeigen), bleiben Ausflüge dorthin wohl eher die Ausnahme. Vielmehr bleibt sein Revier die Straße, wo er eine sehr gute Figur abgibt. Hier wirkt das Seat-SUV dynamisch und handlich, was sicherlich auch an seinem überschaubaren Leergewicht von knapp 1,6 Tonnen liegt. Damit hat der Top-Diesel unseres Testwagens mit 190 PS / 400 Nm ab 1.900 Touren leichtes Spiel. Der Ateca scheint mit dem 2.0 TDI mehr als ausreichend motorisiert. Das spiegeln ebenfalls die Fahrleistungen wieder: 212 km/h Spitze und 7,5 Sekunden für den Standardsprint auf Tempo 100. Während es die anderen Motorisierungen auch mit Frontantrieb, 6-Gang-Handschaltung oder 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG gibt, arbeiten hier ausschließlich Allrad und 7-Gang-DSG zusammen.
 

Letztgenannte steuert den durchzugsstarken Selbstzünder zu Gunsten des Verbrauchs (offiziell 5,3 Liter) sehr niedertourig, teilweise nur knapp über 1.000 Umdrehungen. Wer sein wahres Temperament erforschen will, kann entweder per Schaltpaddel, manuellem Modus oder Sportmodus eingreifen. Das hat natürlich seinen Preis – nicht nur beim Verbrauch, sondern auch bei der Anschaffungn – mindestens 35.580 Euro fallen in Verbindung mit dem 190-PS-Diesel, DSG, Allrad und der umfangreichen Xcellence-Ausstattung an. Damit ist er immer noch günstiger als ein vergleichsbarer VW Tiguan und günstiger sind auch die Style- sowie Reference-Ausstattungen. Ab 19.990 Euro startet der 1.0 TSI Benziner als Dreizylinder mit 115 PS, womit der Seat Ateca aus unserer Sicht allerdings etwas untermotorisiert scheint – so klein ist der temperamentvolle Spanier dann doch nicht. Unabhängig davon gibt ihm sein Erfolg Recht, denn für frei konfigurierbare Neuwagen ist die Lieferzeit zwischenzeitlich bereits auf rund ein halbes Jahr angewachsen.