Seat Arona XCELLENCE

18.03.2018 | Christian Sauer | Testrides

Hat das kompakte SUV das Potential zum Beststeller und erfüllt es auch anspruchsvolle Wünsche? Diese Fragen klärt unser Fahrbericht.

Beginnen wir erstmal mit der Einordnung: Wie bei fast allen Volumen-Marken des Volkswagen Konzerns bietet Seat inzwischen ja mehrere SUV in verschiedenen Größen an. Neben dem höhergelegten Kombi Leon X-PERIENCE sind es bekanntlich der Ateca auf technischer Basis des VW Golfs und zukünftig darüber der größere Tarraco mit bis zu sieben Sitzen. Nach unten rundet der Arona seit letztem Jahr das deutsch-spanische Angebot ab. Er baut wie der aktuelle VW Polo und Seat Ibiza auf dem modularen Querbaukasten MQB-A0 auf. Wahrscheinlich wird es deshalb ebenfalls keinen Dreitürer vom Arona geben, wären die zusätzlichen Kosten bei deutlich weniger Nachfrage als nach dem Fünftürer doch enorm. Mit 4,13 Meter Länge passt der Seat Arona genau in das Segment der kompakten SUVs, das derzeit am meisten in Deutschland und vielen anderen Ländern wächst.

Von außen ist der Arona klein genug, um bequem durch Innenstädte und in enge Parklücken zu manövrieren und innen groß genug für vier bis fünf Erwachsene samt Gepäck. 400 bis 1.280 Liter sind ordentlich, ebenso wie die Verarbeitung des in Relation zur Länge geräumigen Innenraums. Allerdings ist der Unterschied zum größeren und teureren Ateca spürbar, zum Beispiel in Form von relativ viel schnödem schwarzen Plastik. Da sind die hellen Plastikelemente ein Lichtblick, aber passend zum von Barcelona inspirierten modernen Lifestyle mit optionaler Dachlackierung in orange, grau oder schwarz könnte das Interieur gerne noch individueller gestaltbar sein. Was nicht ist, kann ja noch werden. Typisch für den VW-Konzern präsentiert sich das Cockpit des Seat übersichtlich gezeichnet. Die Bedienung fällt auch durch den 8-Zoll-Touchscreen des größten Infotainmentsystems einfach. Das Soundsystem von Beats Audio mit sechs Lautsprecher und 300 Watt liefert nicht „nur“ satten Bass.

Vergleichsweise leise arbeitet zumeist der Dreizylinder-Turbo-Benziner unseres Testwagens. Allein unter Volllast wirkt das „Motörchen“ mit lediglich 1,0 Liter Hubraum etwas angestrengt bis rau. Ansonsten fühlt er sich mit 115 PS sowie 200 Nm ab 2.000 Umdrehungen spritzig und nicht überfordert mit dem rund 1,2 Tonnen leichten Arona an. Das unterstreichen auch die ordentlichen Fahrleistungen mit glatten zehn Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und 182 km/h Höchstgeschwindigkeit. Ähnlich schnell ist der stärkste von zwei 1,6-Liter-Diesel mit 115 PS und 250 Nm. Allein der 150 PS sowie ebenfalls 250 Nm starke Top-Benziner ist schneller. Alle Motoren sind mit offiziell knapp über bzw. unter fünf Liter Durchschnittsverbrauch sparsam. Möglich macht es neben dem Leichtbau auch der Eco-Modus, der ebenso wie sein Sport-Derivat zumindest in unserem Testwagen das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) beeinflusst. In den anderen Motorisierungen müssen die fünf oder sechs Gänge per Hand gewechselt werden.

Schade finden wir auch, dass Seat für den Arona nicht zumindest gegen Aufpreis einen Allradantrieb vorhält. Während seine Brüder auf „4Drive“ bauen können, muss das kleinste SUV mit Frontantrieb auskommen. Damit kommt man natürlich selbst im Winter ziemlich weit, aber vier angetriebene Räder sind eben manchmal doch besser als zwei. Auch adaptive Dämpfer wären an sich vorteilhaft, doch selbst ohne diese bietet das Fahrwerk einen guten Kompromiss zwischen Dynamik und Komfort. Lediglich grobe Unebenheiten bringen etwas Unruhe in das ansonsten harmonische Gesamtbild. Wer es optisch wie spürbar noch sportlicher als mit den optionalen 18-Zöllern unseres Testwagens der XCELLENCE-Ausstattung möchte, kann den Arona wie andere Modelle von Seat ebenfalls als FR bestellen. Dann kostet er jedoch mindestens 20.820 Euro und mit netten Extras wie ACC-Tempomat oder Voll-LED-Scheinwerfer können es fast 30.000 Euro werden. Trotz dessen und selbst wenn der Einstandspreis von 15.990 eher theoretisch ist, verdient der Seat Arona im boomenden Segment der kompakten SUVs das Prädikat eines Preis-Leistungs-Champions. Unsere Sympathie hat er für sich gewonnen. Und um auf die eingangs gestellte Frage einzugehen – mehr Auto braucht man eigentlich nicht – alles andere wäre Luxus!