Vernetzt in die Zukunft: Rinspeed „microMAX“

14.03.2013 | Christian Sauer | News

Rinspeed Drivers Club Germany

Oft wird er mit Daniel Düsentrieb, dem genialen wie leicht verrückten Erfinder aus den Comics von Walt Disney verglichen, und die „WELT“ betitelte ihn als „Porschefahrer mit Öko-Tick“. Traditionell präsentiert der Schweizer Frank M. Rinderknecht von Rinspeed jedes Jahr auf dem Genfer Salon ein neues spektakuläres Gefährt – dieses Jahr ist es der Rinspeed “microMAX” – mit jeder Menge interessanter Details.

Kurz zusammengefasst könnte man sagen, dass es sich bei der neusten Entwicklung um eine Art Minibus mit Stehplätzen für städtische Kurzstrecken handelt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn der “microMAX” will und soll mehr sein. In größeren Stückzahlen produziert, könnte sich daraus ein innovatives, ganzheitliches Mobilitätskonzept entwickeln. Spätestens seit Frank Schätzings Roman „Der Schwarm“ weiß man, wie machtvoll intelligente Kollektive sind. Frank M. Rinderknecht, Boss der Schweizer Ideenschmiede Rinspeed überträgt diese Idee der Schwarm-Intelligenz auf den urbanen Verkehr und will nichts weniger als ihn revolutionieren.

„Wir haben ein intelligentes und umweltfreundliches Mobilitätskonzept mit eigenem Fahrzeug entwickelt, das die Vorteile des Individualverkehrs mit denen von Taxen, Carsharing- und Fahrgemeinschaftskonzepten sowie des öffentlichen Nahverkehrs verbindet.“ so Rinderknecht und ergänzt: „Es nutzt die leistungsstarken UMTS- und LTE-Datennetze im urbanen Raum und funktioniert in Echtzeit.“

So soll das pfiffige Nahverkehrsfahrzeug öffentlichen und individuellen Verkehr clever miteinander vereinigen. Im Rinspeed „microMAX“ stellt das Partnerunternehmen Harman, renommierter Hersteller von Multimedia- und Infotainment-Systemen, erstmals die Vision eines Cloud-basierenden „urbanSWARM“ Community-Konzepts vor. Dies ermöglicht beispielsweise den einfachen Zugriff auf Navigationsfunktionalitäten in Echtzeit basierend auf Informationen aller innerhalb des Schwarm Konzepts verbunden Fahrzeuge für eine dynamische Anpassung der Route an die momentane Verkehrssituation. Zukünftige „microMAX-Besitzer“ sollen Mitglied in einer zeitgemäßen Mobilitäts-Gemeinschaft werden, in der alle microMAX-Fahrzeuge mit maximaler Flexibilität genutzt werden können: als Selbstfahrer, als regelmäßiger Pendler in Form von festen Fahrgemeinschaften, aber auch für spontane Mitfahrten und die Überbrückung von Teilstrecken mit Hilfe von mehreren „microMAX“-Teilnehmern.

Das neue Mobilitätskonzept steht über eine eigens entwickelte App allen Verkehrsteilnehmern offen, die eine Transfermöglichkeit suchen und an der ausgewählten Community teilnehmen. Potentielle Mitfahrer müssen lediglich ihr Fahrziel eingeben, den Rest erledigt die „urbanSWARM“ Community mittels Cloud-Technologie und Zugriff auf das gemeinsame Wissen sowie die Erfahrung des gesamten Fahrzeug-Schwarms. Weil Fahrtrouten und Ziele, Fahrgeschwindigkeiten und Auslastung aller Fahrzeuge des Schwarms bekannt sind, berechnet das System in Echtzeit mögliche Mitfahrgelegenheiten und – falls erforderlich – auch gleich die Umsteigeoptionen. So entsteht – ohne Wartezeiten, ohne Vorausplanung und ohne Umwege – ein extrem effizientes, flexibles, komfortables und umweltschonendes Verkehrssystem mit höchster Transportleistung. elbst Radfahrer können ihr Bike für längere Strecken Huckepack nehmen lassen. Ein kompatibles Elektrorad hat der Zweirad-Hersteller Grace bereits entwickelt und im Programm.

 

Die oft zitierte Beschreibung „Form follows function“ bekommt bei dem neuen Rinspeed eine ganz neue Bedeutung.  Auf einer Länge von nur 3,7 Metern – das entspricht ungefähr der eines BMW Mini – finden neben dem Fahrer drei Mitfahrer plus entfalteten Kinder- oder Einkaufswagen nicht nur reichlich Raum, sondern auch die gewünschte räumliche Privatsphäre! Die Fahrzeughöhe von knapp 2,2 Metern ermöglicht bequeme und platzsparende Stehsitze inklusive eines innovativen und einfach handzuhabenden Gurtsystems.

Vor allem aber finden alle Passagiere durch das einladend moderne Interieur ein grossartiges Raumgefühl mit wohnlichem Lounge-Charakter vor. Kaffeemaschine, Kühlschrank für erfrischende Getränke und unlimitierte Konnektivität zum mobilen Arbeiten oder zur Unterhaltung gibt‘s für alle Insassen inklusive. Für Sicherheit und Leichtigkeit sorgen beispielsweise die Kunststoffscheiben aus Plexiglas. Und dank Implementierung der aktuellen NFC-Technologie (Near Field Communication) lassen sich sowohl Fahrer als auch Fahrgäste leicht und komfortabel identifizieren. Außerdem ermöglicht diese Lösung Zugriff auf persönliche Daten, Community-Profile und Abrechungssysteme.

Rinderknecht: „‚microMAX‘ will potenzielle Mitfahrer animieren einzusteigen und mitzufahren, weil’s eben äußerst bequem und unkompliziert ist.“ Und natürlich gehören zum „Wohlfühl-Animationsprogramm“ eine App-gesteuerte Standheizung und Klimatechnik. Hell und luftig wirkt der großzügige Innenraum. Vor dem Fahrer thront die übersichtliche VDO-Instrumententafel. Schaltzentrale für die „urbanSWARM“ Community-Plattform ist ein 19-Zoll große HD-Touchscreen, der über ein multi-dimensionales HMI (Human Machine Interface) und erweiterte Darstellungsfunktionen verfügt.

Der „microMAX“ fährt selbstverständlich rein elektrisch und zwar mit einem Gabelstapler-Antrieb des weltweit führenden Herstellers Linde. Da das Fahrzeug extrem leise unterwegs ist, wurde ein akustischer Fußgängerschutz entwickelt. Ein im vorderen Bereich des Motorraums erzeugtes synthetisches Fahrgeräusch lässt Passanten das Fahrzeug frühzeitig wahrnehmen, besonders da die Klangquelle sich immer an die jeweilige Lastsituation, Drehzahl und Geschwindigkeit anpasst, um beste Hörbarkeit zu garantieren. „microMAX“ ist ein cleveres Mobilitätskonzept mit einem ganzheitlichen Ansatz. Frank M. Rinderknecht hat die Fahrzeugstudie – wie bei ihm selbstverständlich – sehr emotionsreich und spannend umgesetzt und mit allerhand technischen Delikatessen. Wer denkt bei solch potenten Entwicklungs-Partnern nicht an eine Serienproduktion? Kein Wunder, dass der umtriebige Frank M. Rinderknecht mit dieser Möglichkeit liebäugelt.

Durch unterschiedliche Ausstattungsmodule, zum Beispiel für Handwerker, Postboten oder als Lieferwagen, ist das Raumwunder äußerst wandlungsfähig. Dass es Rinspeed mit einer Serienproduktion und professionellen Vermarktung ernst meint, zeigt die Erstellung einer App zur 3D-Visualisierung in Echtzeit, sowie die Bestellung eines Beratungsunternehmens und einer Werbeagentur. Weitere namhafte Sponsoren wie beispielsweise Zalando bringen dem ambitionierten Vorhaben noch mehr Publizität und erhöhen die Chance auf eine Realisierung im großen Stil. Bis es aber soweit ist, werden aber sicherlich noch Jahre vergehen.

So lange wollen wir von Drivers Club Germany nicht warten und planen, Frank M. Rinderknecht am Firmensitz von Rinspeed in der Nähe von Zürich besuchen. Stay tuned!