Renault Mégane GT – der französische GTI?

22.10.2017 | Christian Sauer | Testrides

Während der neue und noch stärkere R.S. schon in den Startlöchern steht, testeten wir seinen 205 PS starken Bruder mit R.S.-Modus.

Ja ja, die Kompaktsportler – oder von den Briten „Hatchback“ genannt – erregen immer wieder die automobilen Gemüter. Für viele Interessenten noch erschwinglich, verkörpern Golf GTI & Co schon seit Jahrzehnten den Wunsch nach sportlicher Fahrdynamik und Optik. Und auch Renault’s zweiter Kompakte nach dem Clio setzte schon seit der Premiere im Jahr 1995 Zeichen – sogar als Cabrio. Zwar durchlebte auch die Mégane-Baureihe seitdem stilliste Umbrüche und mit der vierten Generation verschwand letztes Jahr der Dreitürer aus dem Programm, aber als fünftüriger GT sieht er bei voller Alltagstauglichkeit doch weiterhin flott aus, oder?

Unser Testwagen kommt mit der GT-exklusiven Sonderlackierung „Iron-Blau“ daher. Einen schönen Kontrast dazu bilden die titanfarbigen Außenspiegel und die 18 Zoll großen Bi-Color-Felgen Magny-Cours mit 225er Pneus. Serienmäßig sind 17-Zöller montiert. Standard ab Werk sind zudem diverse Renault-Sport-Embleme ringherum, die spezielle GT-Frontschürze mit vergrößerten Lufteinlässen und die Voll-LED-Scheinwerfer, die dem Renault wie bei den anderen Baureihen endlich wieder ein hübsches und wiedererkennbares „Familiengesicht“ verleihen. Eine auffällige LED-Licht-Signatur findet sich ebenfalls am Heck mit dem Diffusor und Doppelrohr-Auspuff. Damit röhrt der Mégane GT wie ein großer, obwohl die Quelle seiner Kraft alles andere als voluminös ist.

Im Gegensatz zu den meisten Herstellern versteckt Renault die sehenswerte Technik zum Glück nicht unter einer schnöden Plastikabdeckung. Der Reihenvierzylinder holt aus lediglich 1,6 Liter Hubraum bemerkenswerte 280 Nm Drehmoment ab 2.400 Touren und erreicht bei 6.000 dann 205 PS. So gestärkt, sprintet der GT samt 1,467 kg Leergewicht in 7,1 s auf Tempo 100 und weiter bis 230 km/h. Die Kraftübertragung an die Vorderräder übernimmt ausnahmslos ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe inklusive Launch Control und festen Schaltwippen am Lenkradstock – leider sehr nah am „Radiosatelliten“. Vor allem im R.S.-Sport-Modus hängt der Mégane GT richtig gut am Gas und dann werden selbst kleinste Richtungswechsel am handlichen Volant direkt umgesetzt. Uns gefällt auch, dass sich bei dynamischer Fahrt die Lenkung schön fest und nicht zu leichtgängig anfühlt.

Bis dato erst teuren Limousinen oder Sportwagen vorbehalten, stellt die Dynamische Allradlenkung 4CONTROL zumindest im kompakten Segment noch eine Besonderheit dar. Unterhalb von 80 km/h lenken die Hinterräder bis maximal 2,7 Grad entgegengesetzt zu den Vorderrädern ein. Der Effekt ähnelt dann einem verkürzten Radstand für bessere Wendigkeit und weniger Lenkaufwand. Bei mehr als 80 km/h steuern alle Räder in gleiche Richtung. Der vermeintlich längere Radstand bewirkt mehr Stabilität und Sicherheit. Wahrscheinlich werden wir die zukunftsweisende Technologie zukünftig noch öfters sehen. Der Leistung angepasst wurden die Bremsanlage ebenso wie das sportlich-ausgewogene Fahrwerk, das selbst ohne adaptive Dämpfer nicht zu hart wirkt.

Alltagstauglich ist auch der Innenraum des Mégane GT Fünftürers mit Platzangebot ausreichendem Platzangebot hinten und gutem vorne. Dort empfangen uns bequeme Sportsitze mit integrierten Kopfstützen. Blaue Nähte und Zierleisten greifen die Außenlackierung unseres Testwagens auf. Allerdings stehen außer dem optionalen Alcantara-Paket als Alternative zum serienmäßigen Stoff kaum Möglichkeiten zur Individualisierung zur Wahl und die Hartplastik-Mittelkonsole relativiert wie bei vielen Herstellern den ansonsten guten Qualitätseindruck. Ausstattungs-Highlights stellen die individuell anpassbare Ambientebeleuchtung; optional das Infotainmentsystem mit 8,7 statt 7 oder 4,2 Zoll großem Hochformat-Touchscreen, das 10-Lautsprecher-Soundsystem von Bose sowie das Head-up-Display auf einer kleiner Scheibe vor der Windschutzscheibe dar.

Serienmäßig ist inmitten analoger Instrumente der digitale TFT-Tacho, der sich mit mehreren Designs konfigurieren lässt. Anstatt der 6,0 l auf 100 km als offiziellem Durchschnittsverbrauch zeigte der Bordcomputer als Langzeitwert allerdings 8,9 Liter an. Das sportliche Potential des Mégane GT hatte wohl auch schon andere Tester vor uns gereizt. Nicht minder dynamisch soll sich auch die 38 kg schwerere Kombi-Variante Grandtour bei identischen Leistungs- und Fahrdaten bewegen lassen. Dank zusätzlicher 37 cm Länge wächst neben dem Platzangebot auf den Rücksitzen auch der Kofferraum von 384 bis 1.247 Liter beim Fünftürer auf 521 bis 1.504 Liter beim Kombi. Ob das den Aufpreis von 1.200 Euro wert ist, muss jeder Interessent selbst entscheiden. Der GT-Grundpreis von 29.490 Euro und unser nahezu voll ausgestatteter Testwagen für 34.370 Euro spricht grundsätzlich für ein gutes Preis-Leistungsverhältnis – auch im Vergleich zu den anderen Kompaktsportlern.

Preislich sicher noch einige tausend Euro teurer wird der ausschließlich als Fünftürer erhältliche Mégane R.S. kosten. Vom Mégane GT übernimmt das noch sportlichere (vorläufige) Topmodell die Allradlenkung und den Frontantrieb. Der neue 1,8-Liter-Turbobenziner kommt auch im auferstandenen Renault Alpine zum Einsatz. Er leistet 280 PS und 390 Newtonmeter. Wem das zu wenig ist, der muss auf die bereits angekündigte „Trophy“-Variante warten, die Ende 2018 auf den Markt kommen soll. Dann leistet der 1,8er-Motor 300 PS und stemmt 400 Newtonmeter auf die Vorderachse.

Anders als beim Mégane GT gibt es für den R.S. weiterhin ein manuelles Sechsgang-Getriebe zur Wahl, das vor allem Puristen ansprechen dürfte. Ebenfalls ist das Doppelkupplungsgetriebe erhältlich. Wie auch schon in der vorherigen Generation bietet Renault ein Sport- und ein „Cup“-Fahrwerk an. Letzteres ist deutlich dynamischer ausgelegt und kombiniert dies mit einer mechanischen Vorderachs-Quersperre und Verbundguss-Bremsscheiben für die Brembo-Anlage. Immer an Bord sind die neuen Stoßdämpfer mit hydraulischem Endanschlag, einer Technik aus dem Rallyesport. Die Entwickler versprechen sich davon mehr Komfort und eine präzisere Arbeit der Dämpfer bei schlechten Straßen oder auf der Rennstrecke.

Die Vorderachse ist sechs Zentimeter, die Hinterachse immerhin noch 4,5 Zentimeter breiter als beim GT. Dazu sollen Luftauslässe hinter den Kotflügeln und ein Diffusor am Heck die Aerodynamik positiv beeinflussen. In der Frontschütze kommt die bekannte „RS-Welle“ zum Einsatz, die von neuen LED-Zusatzscheinwerfern eingerahmt wird. Hier kombiniert Renault Nebelscheinwerfer, Fern- und Kurvenlicht. Außerdem gibt es mit „Tonic Orange“ eine neue Außenfarbe. Im Innenraum nutzen die Franzosen rote Ziernähte und Alcantara-Sportsitze mit integrierten Kopfstützen. Der Rennsport-Stoff kommt auch auf dem Lenkrad und dem Schalthebel zum Einsatz.