Renault Koleos Initiale Paris

03.02.2018 | Christian Sauer | Testrides

Wir testen das französische Pendant zum Nissan X-Trail in der Topausstattung mit exklusiven Details.

Wie finden Sie den aktuellen Koleos? Noch nicht gefahren und auch kein Bild vor den Augen? Dabei ist er mit 4,67 m doch eigentlich nicht zu übersehen und auch im internationalen Vergleich nicht gerade schmächtig. Deutlich größer als die Renault-SUV-Bestseller Kadjar (4,45 m) und Captur (4,12 m) ist die zweite Generation des Koleos seit 2007 (noch) ein seltener Gast auf deutschen Straßen. Warum? Vielleicht verbinden Kunden hierzulande französische Modelle automatisch mit „klein“ und „größere“ SUVs mit prestigeträchtigeren Marken. Aber vielleicht ist dies eine überholte Perspektive, schließlich hat Renault mit seiner traditionsreichen Sportwagen-Submarke Alpine und der Luxus-Submarke Initiale hohe Ziele – weg von Masse – hin zu mehr Klasse, also mehr Exklusivität. Keinen Unterschied macht der Koleos Initiale beim aktuellem Renault-Markengesicht mit dem prägnanten LED-Tagfahrlicht. Das steht ihm aus unserer Sicht sehr gut, ebenso wie die LED-Rücklichter mit hohem Wiedererkennungswert. Exklusiv der Topausstattung Initiale vorbehalten sind die glanzgedrehten 19-Zoll-Leichtmetallfelgen sowie die Sonderlackierung Amethyst-Schwarz unseres Testwagens. Das edle Lila kommt erst bei Sonnenschein richtig raus und wirkt edel.

Gleiches gilt für den großzügigen Innenraum mit den speziellen Dekorleisten mit schöner Haptik und dem feinen Nappaleder. Es adelt sogar Teile des Armaturenbretts und zweifarbig die Sitze. Gut gefallen uns die mehrfach verstellbaren Komfortkopfstützen, aber die klimatisierbaren Sessel (hinten beheizbar) können dennoch nicht in Gänze überzeugen. Deren elektrische Verstellung ist nämlich eingeschränkt und die Sitzflächen zu kurz. Da bieten selbst einige Kompaktmodelle dank ausfahrbaren oder ausziehbaren Beinauflagen mehr Komfort für größere Gäste. Dafür präsentiert sich das Platzangebot vorn wie hinten unter dem großen Glasdach mehr als ausreichend für vier bis fünf Personen – ausklappbare Zusatzsitze als dritte Reihe werden nicht angeboten. Wohlmöglich fehlt es dem Kofferraum etwas an Länge. Dennoch wird er mit 498 bis 1.706 Liter Volumen hubter der elektrischen Klappe mit Sußsensor wahrscheinlich den meisten Ansprüchen gerecht.

Zurück ins Cockpit mit den inzwischen für Renault typisch digitalen Instrumenten im 7-Zoll-Format, deren Optik sich vierfach konfigurieren lassen. Aus anderen Modellen der Franzosen wie dem Mégane GT kennen wir inzwischen auch das bis zu 8,7 Zoll große Hochformat-Display des Infotainment-Systems R-Link 2. Natürlich „dürfen“ Konnektivität und Online-Vernetzung nicht fehlen. Die an den eigenen Geschmack anpassbare Ambientebeleuchtung sowie das Bose-Soundsystem mit 13 Lautsprechern lässt sich ebenfalls per Touchscreen steuern. Die Bedienung darüber und mit den wenigen Sensortasten finden wir (weiterhin) gerade während der Fahrt nicht optimal. Gleiches gilt für den traditionell bei Renault fest installiertem Radiosatellit hinter dem beheizbaren Volant. Der Ersatz für ein Multifunktionslenkrad ist für Umsteiger anderer Fabrikate ungewohnt. Tradition haben bei Renault auch die vielen elektronische Helferchen. Zu den wichtigsten Assistenz- und Sicherheitssystemen an Bord zählen der Front-Kollisionswarner und der Tempopilot mit Geschwindigkeitsbegrenzer.

Serienmäßig spendiert Renault seinem SUV-Flaggschiff einen Allradantrieb mit Lock-Modus für etwas schwierigeres Terrain. Zu hohe Ansprüche an die Geländefähigkeit des Koleos sollte man(n) nicht haben. Trotz 21,30 cm Bodenfreiheit wird aus ihm kein harter Offroader. Dafür fährt er sich auf Asphalt angenehm ruhig und der Federungskomfort war ja schon immer eine Stärke der französischen Hersteller. Da macht auch der Koleos keine Ausnahme und steckt Straßenunebenheiten geschmeidig weg. Dabei wirkt die Lenkung zum Glück nicht zu weich und relativ direkt. Leider gibt es keinen Dynamik- oder Sportmodus, sondern lediglich ein Eco-Programm. Bedauerlich ist ebenfalls, dass in Deutschland als Antriebskombination mit Allrad ausschließlich ein 2,0-Liter-Diesel zusammen mit einem stufenlosen CVT-Automatikgetriebe angeboten wird. Leider nimmt das Getriebe dem Vierzylinder mit 177 PS und 380 Nm viel von seinem Temperament. Der Koleos wirkt so angestrengt und unruhig. 9,5 s von Null auf Tempo 100 und 201 km/h Höchstgeschwindigkeit sind ebenso durchschnittlich wie der offizielle Verbrauch mit 5,9 Litern Diesel.

Unterm Strich ist der Renault Koleos also ein gutes SUV, das im Fall unseres nahezu vollausgestatteten Testwagens samt der Initiale-Ausstattung und einige Extras mit 47.600 Euro doch recht weit vom Einstiegspreis von 30.900 für den 130-PS-Fronttriebler samt Handschaltung entfernt liegt. Damit rutscht der Franzose preislich dicht an die deutschen Platzhirsche heran. Die sind zwar ausstattungsbereinigt noch teurer, aber gegenüber der Konkurrenz aus Korea, zum Beispiel einem Hyundai Santa Fe oder Kia Sorrento ist der Renault Koleos kein Schnäppchen. Und sein technischer Bruder Nissan Nissan X-Trail startet einige tausend Euro günstiger und bietet auf Wunsch sieben Sitze. Der große Franzose stellt gerade in der Topausstattung aus unserer Sicht eine sehenswerte Ergänzung der SUV-Familie der französischen Marke da, die er definitiv bereichert. Gegenüber der Konkurrenz wird er es wohl trotzdem weiter schwer haben, sich durchzusetzen und aufzutrumpfen.