Best of 2015: Range Rover Sport SVR & Jaguar F-Type AWD

30.12.2015 | Christian Sauer | Testrides

Jaguar F-Type AWD Range Rover Sport SVR
Neben dem komplett neuen Jaguar XE rollen dieser Tage auch die neuen Sport-Modelle von Jaguar Land Rover mit Allradantrieb zu den Händlern. Wir haben beide Sportler auf dem Nürburgring getestet.

Starten wir mit dem Power-SUV: Bereits der „normale“ Range Rover Sport, dessen zweite Generation sich seit seiner Premiere 2013 bereits mehr als 150.000 Mal verkauf hat, gehört zu den talentiertesten Dynamikern aller „Hochbeiner“. Doch nun hat das noch junge Spezialisten-Team der Special Vehicle Operations von Jaguar Land Rover nochmal nachgelegt. Dem Range Rover Sport SVR gebührt nicht nur der Titel des bis dato stärksten und schnellsten Land Rover, mit 8:14 Minuten brannte er auch eine Fabelzeit in den Asphalt der Nürburgring-Nordschleife. Wir konnten den Dampfhammer zwar leider nicht dort in der „Grünen Hölle“, aber dafür nebenan auf der Grand Prix Strecke in der Eifel testen. Wie schon im Jaguar F-Type R, der den gleichen 5,0-Liter-Kompressor unter der Haube hat, beeindruckt der SVR schon beim Start des Motors mit seinem lautstarken V8-Blubbern aus den vier dicken Auspuffrohren mit aktiver Klappensteuerung. Dank der Neukalibrierung der Motorsteuerung und Erhöhung des Ladedrucks wurde die Leistung gegenüber dem bisherigen Topmodell mit Kompressor um 40 PS auf 550 PS bei 6.000 bis 6.500 Umdrehungen gesteigert. Das Drehmoment wuchs um 56 Nm auf 680 Nm ab 3.500 Touren. Das schiebt mächtig an und die 100-km/h-Marke wird innerhalb 4,7 Sekunden pulverisiert – die Höchstgeschwindigkeit wird elektronisch bei Tempo 260 begrenzt. Wären da nicht die Donnerstöße aus dem Auspuff, würde man die Gangwechsel der ZF-Achtstufenautomatik mit halbierten Schaltzeiten kaum wahrnehmen.

 

Wie die anderen fünf Varianten des Range Rover Sport setzt auch der SVR auf einen permanenten Allradantrieb mit einer 50:50-Verteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Für Ausflüge ins schwere Gelände sind sogar ein zweistufiges Verteilergetriebe mit Untersetzungsmöglichkeit, die neueste Entwicklungsstufe des Terrain Response Systems mit verschiedenen Fahrprogrammen und „Wade Sensing“ zur Messung der Tiefe bei Wasserdurchfahrten an Bord. Passend dazu sorgt die weiter entwickelte Luftfederung mit Höhenverstellung für mehr oder weniger Bodenfreiheit. Der Fahrdynamik zu Gute kommen die stufenlos verstellbaren Dämpfer (Adaptive Dynamics) ebenso wie die aktive Zweikanal-Neigungssteuerung „Dynamics Response“, das aktive Hinterachs-Sperrdifferenzial sowie Torque Vectoring durch Bremseingriff. Die Hochleistungsbremsen mit 38 cm großen Stahlscheiben vorn und Sechs-Kolben-Technik von Brembo sind auch nach mehreren schnellen Runden auf der Formel-1-Strecke standfest, Sportfahrer könnten sich aber zumindest bei diesem für ein SUV per se unnatürlichen Einsatz ein noch etwas spontaneres  Ansprechverhalten wünschen. Und wenn wir gerade bei der „Wunschliste“ sind, fänden wir eine individuelle Konfiguration der einzelnen Komponenten gut. Im Dynamik-Modus dürfte die elektromechanische Servolenkung für unseren Geschmack wie im kürzlich von uns getesteten BMW X5 M gerne noch fester sein. Ansonsten sorgen die 295er Continental SportContact5 Reifen auf den optionalen 22-Zoll-Leichtmetallrädern für präzises Handling. Dennoch wird aus einem 4,87 Meter langen und 1,78 Meter hohem Dickschiff mit 2,3 Tonnen Leergewicht kein Sportwagen – zumindest nicht im klassischen Sinn.

 

Wir freuen uns natürlich immer über die exklusive Möglichkeit, gerade PS-starke Autos auf abgesperrtem Terrain testen zu können, doch leider blieb dadurch keine Zeit mehr für eine Ausfahrt auf öffentlichen Straßen. Daher ist es schwierig zu beurteilen, wo genau die Stärken und Schwächen des Range Rover Sport SVR im Alltag sind. Da sich die Luftfederung mit den adaptiven Dämpfern selbst in der härtesten Einstellung nicht extrem hart präsentiert, sollte der Fahrkomfort auch auf langen Strecken angenehm sein. Wer es allerdings auf der Autobahn zu sehr krachen lässt oder sich mit dem 2,01 Meter breiten SUV in die Innenstadt traut, wird trotz 105-Liter-Tank zum gern gesehenen Stammgast an Tankstellen. Offiziell sind im Durchschnitt 13,2 Liter pro 100 Kilometer angegeben, was 298 Gramm CO2 pro Kilometer entspricht und identisch mit der schwächeren Kompressor-Variante wäre, wird es in der Realität aber sicher deutlich mehr werden. Doch wer mindestens 126.400 Euro investiert, steckt das wohl locker weg – oder besser gesagt – rein. Die Sonderrolle des SVR signalisiert nach außen die ausschließlich für ihn bestellbare Metallic-Lackierung „Estoril Blue“. Für die Karosserie mit sportlichen Details wie den größeren Lufteinlässen und dem Heckspoiler stehen alternativ sieben weitere Farbtöne zur Wahl.