Facelift: Range Rover Evoque im Fahrbericht

26.10.2015 | Christian Sauer | Testrides

Range Rover Evoque HSE TD4, Modelljahr 2016

Erfreulich finden wir ebenfalls das ausgewogene Fahrwerk mit für einen SUV überraschend dynamischen Potential und relativ vielen Antriebs-Kombinationen. Sämtliche Motoren bauen auf vier Zylinder und zwei Liter Hubraum. Die Top-Variante bleibt der 240 PS und 340 Nm starke Benziner mit Allrad und weich schaltender 9-Stufen-Automatik von ZF. Serienmäßig mit 6-Gang-Handschaltung fahren stattdessen die Diesel vor. Wie schon bei Jaguar soll die neue Ingenium-Motorenfamilie 150 bis 180 PS sowie 380 bis 430 Nm enorme Effizienz-Vorteile bringen. Ob das Einstiegsmodell mit dem komplizierten Namen eD4 2WD E-Capability aus Rücksicht auf einen möglichst geringen Verbrauch – offiziell 4,1 Liter im Durchschnitt und 109 g CO2 – oder wegen eines möglichst geringen Grundpreises von 34.500 Euro auf Frontantrieb setzt, wissen wir nicht. Wohlmöglich würde der den meisten Evoque- und SUV-Fahrern im „Großstadt-Dschungel“ sogar reichen. Doch auch der kleinste Range Rover muss sich wie seine größeren Brüder, dem original Range Rover und dem Range Rover Sport laut Firmen-Philosophie auch abseits befestigter Straßen bewehren. Deshalb besitzen alle Evoque-Varianten bis auf den eD4 ab Werk das von den anderen Modellen bekannte Terrain Response-System mit mehreren Fahrprogrammen für unterschiedliche Bodenverhältnisse sowie Berganfahrhilfe ebenso wie Bergabfahrhilfe. Hinzu kommt nun optional die All-Terrain Progress Control als eine Art Tempomat für schwierige Offroad-Passagen, wo dann vorwärts wie rückwärts mit 1,8 bis 30 km/h automatisch „gekrochen“ werden kann.

Doch so überraschend weit der Evoque auch im (mittel-)schweren Gelände kommen mag, bleibt sein primäres Einsatzgebiet der öffentliche Straßenverkehr. Dort sorgen nun moderne Assistenzsysteme wie der aktive Spurhalteassistenz oder der Notfall-Bremsassistent serienmäßig für mehr Komfort und Sicherheit. So viele technische Features und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten der Evoque bietet, wundert es nicht, dass sich die Aufpreisliste lang und mit oft vierstelligen Werten präsentiert. Doch das schreckt die Lifestyle-orientierten Käufer ebenso wie bei der deutschen Premium-SUV-Konkurrenz ab. Allein die dreitürige Coupé-Variante mit identischem Radstand und gleicher Länge wie beim Fünftürer scheint hierzulande nicht richtig überzeugen zu können. Unter 20 Prozent entschieden sich bislang für die aktuell einzigartige Karosserieform. Wahrscheinlich wird selbst der Wegfall des Aufpreises dies nicht ändern. Doch der Dreitürer wird weiter gebaut, liefert er doch ab nächstem Jahr die Basis für das Evoque Cabrio samt Stoff-Verdeck. Ein offenes Premium-SUV scheint unter sachlicher Betrachtung zwar wenig Sinn zu machen, doch der kleine Range Rover punktet seit seinem Start sowieso eher mit Emotionen, ohne auf ausgezeichnete Qualität und Technik zu verzichten. Das optisch unauffällige Facelift für das Modelljahr 2016 unterstreicht dies nachdrücklich und ist aus unserer Sicht sehr gelungen.