Range Rover Evoque Cabrio

14.03.2018 | Christian Sauer | Testrides

Bevor VW den T-Roc auch als Cabrio bringt, ist der edle Dreitürer von Land Rover aktuell das einzige Open-Air-SUV und vielleicht sogar das perfekte Frauenauto?

Ein schickes SUV und dazu als Cabrio, da schlagen sicher die Herzen vieler Frauen höher. Doch unabhängig davon war es im Rückblick natürlich sehr praktisch und kein Zufall, dass Land Rover sein kompaktes Premium-SUV von vornherein nicht ausschließlich als Fünftürer, sondern auch als Dreitürer entwickelt hatte. Zwar liegt der Anteil des praktischeren großen Bruders deutlich über dem 2+2-Sitzer und daran wird auch die Stoffdach-Variante grundsätzlich nichts ändern, aber ein interessantes Nischenmodell ist es allemal. Obwohl schon zwei Jahre auf dem Markt, ist das Evoque Cabrio immer noch ein seltener Gast auf hiesigen Straßen und abseits davon. Na ja, bekanntlich gibt es nicht viele Möglichkeiten, in Deutschland offroad fahren zu dürfen. Aber wenn doch, dann käme der kleinste Range dank 21 cm Bodenfreiheit, 50 cm Wattiefe, kurzen Karosserieüberhängen und dem bewährtem Allradantrieb mit verschiedenen Fahrprogramme für unterschiedliches Gelände wohl recht weit. Aber wer möchte das schicke Cabrio wirklich hart offroad rannehmen?

Zumindest hierzulange ist wichtiger, wie sich der 4,37 m kurze Range Rover Evoque als Cabrio auf Asphalt fährt. Das Gewicht von knapp über zwei Tonnen deutet bereits daraufhin, dass viel Wert auf Verwindungssteifigkeit gelegt wurde. Zusammen mit den 20 Zoll großen Rädern unseres Testwagens wirkt das Fahrwerk straff, aber zugleich geschmeidig und souverän. Dynamik ist nicht nur beim Exterieur-Paket angesagt, sondern auch beim entsprechenden Fahrmodus. Dort werden neben den Dämpfern auch die serienmäßige 9-Stufen-Automatik von ZF Friedrichshafen und der jeweilige 2,0-Liter-Vierzylinder auf Fahrdynamik getrimmt. Wer es öfter sportlich angehen will, wird sich wohl entweder für den Si4 samt 240 PS / 340 Nm oder den stärksten Diesel, den SD4-Diesel mit ebenso 240 PS aber 500 Nm entscheiden. Am anderen Ende der Leistungsskala startet der TD4 mit 150 PS / 380 Nm.

Dessen stärkere Variante mit 180 PS / 430 Nm leistet in unserem Testwagen gute und unauffällige Arbeit. Akustisch hält sich der Selbstzünder vornehm zurück und beschleunigt das Cabrio in 10,3 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt offiziell bei 195 km/h, der Durchschnittsverbrauch ist mit 5,7 Litern Diesel angegeben. Da der offene Evoque mit Stoffverdeck wahrscheinlich zumeist als Zweit- oder gar Drittwagen auf eher kurzen Strecken – vielleicht sogar überwiegend in der City – eingesetzt wird, macht ein Diesel aber eigentlich keinen Sinn. Optimal wäre also zumindest theoretisch ein rein elektrischer Antrieb. Dieser könnte sogar aus dem eigenen Konzern vom neuen Jaguar I-Pace adaptiert werden. Doch ob sich der Aufwand für die wahrscheinlich sehr geringe Stückzahl lohnen würde, ist ebenso fraglich wie die technische Machbarkeit auf Grund des beschränkten Platzangebots im Evoque Cabrio.

Vor allem der Kofferraum hinter der nach oben schwenkenden Klappe fällt mit 251 Litern nicht gerade üppig aus. Immerhin passen Getränkekisten und kleinere Koffer hinein. Eine Durchreiche lädt Skier ein und bei geschlossenem Verdeck lassen sich hinter den beiden Rücksitzen „inoffiziell“ Jacken oder leichtes Gepäck verstauen. Erkennen die Sensoren einen drohenden Überschlag, fahren zwei Aluminiumbügel blitzschnell aus und schützen vor allem die Köpfe der maximal zwei Gäste im Fond. Die dortigen Platzverhältnisse sind ausreichend, allerdings die Sitzlehnen etwas steil. Die Kopffreiheit ist ebenso positiv zu bewerten wie die Dämmung und Isolierung des dicken Stoffverdecks mit fünf Schichten. Dadurch stören selbst bei rund 200 km/h kaum Windgeräusche. Dank den rahmenlosen Türen und dem Verzicht auf eine B-Säule wird schon mit komplett heruntergefahrenen Seitenscheiben – auch per Fernbedienung – viel Frischluft in den Innenraum hinein gelassen.

Das aufwendige Verdeck öffnet und schließt während der Fahrt bis 48 km/h in knapp 20 Sekunden. Es verschwindet komplett hinter einer festen Abdeckung und den beiden seitlichen Klappen, die im geschlossenen Zustand von innen unästhetisch aussehen. Selbst ohne das über die Rücksitze installierbare Windschott weht bei hochgefahrenen Seitenscheiben auch bei 100 km/h kein Orkan auf den vorderen Plätzen. Da macht sich die tiefe Sitzposition hinter den hohen Flanken positiv bemerkbar. Selbstverständlich lassen sich die bis zu 14-fach elektrisch verstellbaren Vordersitze auf Wunsch auch hochfahren, anwärmen, belüften und eine Massagefunktion gibt es ebenfalls. Da auch das Lenkrad beheizbar ist, könnte bei Kälte höchstens noch der Wunsch nach einer Nackenheizung entstehen. Zwar bleibt dieser unerfüllt, aber optional können statt den Komfortsitzen samt besonders feinem, ein- oder zweifarbigen Windorleder, im Rahmen des Dynamic-Pakets Plus auch Sportsitze mit schwarzem Leder bestellt werden.

Schade, dass passend zur an sich guten Qualität nicht mehr Möglichkeiten zur Individualisierung des Cockpits angeboten werden. Zumindest die Ambientebeleuchtung lässt sich 10-fach über den zentralen 10-Zoll-Touchscreen des Infotainmentsystem einstellen. Kameras erleichtern vor allem bei geschlossenem Verdeck das Manövrieren. Das Meridian-Soundsystem mit 17 Lautsprecher und 825 Watt klingt auch offen satt und klar. Zwar gibt es (noch) keine komplett digitalen Instrumente wie bei anderen Modellen von Jaguar Land Rover, aber ein Head-up-Display mit Lasertechnologie. Zudem ist das Ausstiegslicht unter den Außenspiegeln mit der Silhouette des Evoque Cabrios ein nettes Gimmick. Das passt natürlich zum lifestyligen Charakter und erinnert an den MINI als Cabrio. Der startet zwar deutlich günstiger als das günstigste Range Rover Cabrio mit 49.150 Euro, aber beide können mit den stärkeren Motoren und netten Extras deutlich teurer werden. Beim derzeit einzigen offenen SUV sind locker über 75.000 Euro drin. Wer es sich leisten kann und will, bekommt dafür jedoch ein außergewöhnliches SUV mit dickem Lob von uns!