Fahrbericht: Porsche 911 Targa 4S

12.10.2014 | Christian Sauer | Testrides

Porsche 911 Targa 4S Front dynamisch

Ein Frischluft-Vergnügen der besonderen Art verspricht der neue Targa – Christian Sauer testete die stärkste Version – hier sein Fahrbericht.

In der automobilen Welt werden oft, vielleicht zu oft die Begriffe „Legende“ und „Stilikone“ verwendet. Wenn sich ein Sportwagen diese Attribute verdient hat, dann ist es unumstritten der Porsche 911. In der inzwischen über 50 Jahre langen Bauzeit hat der für viele Enthusiasten einzig wahre Porsche von Generation zu Generation dazugewonnen – sei es an Leistung, Größe, Alltagstauglichkeit und Ausstattung, aber auch an Gewicht.

Zahlreiche Sondermodelle und Variante gelten inzwischen als begehrte Sammlermodelle sowie vielversprechende Geldanlage. Eine Sonderrolle spielt dabei der 911 Targa: 1965 wurde die Idee geboren, den Fahrspaß des Coupés mit dem Wunsch nach einem Cabrio unter Erfüllung der amerikanischen Sicherheitsvorschriften zu kombinieren. Das Resultat war der breite Überrollbügel anstelle der B-Säulen und das abnehmbare Faltdach. Schon bald ersetzte die umlaufende Heckscheibe die ursprüngliche „Stoffkapuze“ und dieser eleganten Lösung ohne C-Säulen blieb der 911er bis zur vierten Generationen, der Baureihe 993 im Jahr 1995 treu. Dann löste das große, elektrisch betätigte Glasdach das klassische Targa-Konzept ab. In der siebten Auflage feiern der traditionelle Bügel, die kuppelförmige Heckscheibe und das zu öffnende Dachmittelteil nun ein spektakuläres Comeback.

 

Während letztgenanntes früher noch von Hand entfernt oder wieder installiert werden musste, übernehmen nun mehrere Elektromotoren diese Aufnahme. Von außen per Fernbedienung oder aus dem Cockpit im Stand gestartet, beginnt ein äußerst sehenswertes und 20 Sekunden dauerndes Schauspiel. Dabei schwenkt die Heckscheibe weit nach hinten, um den Weg für das vermeintliche Stoffdach frei zu machen. Allerdings besteht dieses aus zwei festen Magnesium-Elementen, die den Stoff spannen. Zusammen mit dem schalldämmend ausgekleideten Innenhimmel sorgt diese vom aktuellen 911 Cabrio abgeleitete Lösung für sehr geringe Fahrgeräusche bei geschlossenem Dach.

Geöffnet, versteckt es sich optisch unauffällig unter der Glaskanzel hinter den beiden umklappbaren Notsitzen. Sie bieten sich sowieso höchstens für kleine Kinder, aber noch besser als Ablage mit 160 Liter Volumen an. Zusammen mit den 125 Liter des eigentlichen Kofferraums im Bug bietet der Porsche 911 Targa für einen Sportwagen erstaunlich viel Platz für Gepäck. Durch die neue Dachkonstruktion entstand sogar eine zusätzliche Ablagefläche beispielsweise für einen Kleidersack oder Jacken. In Verbindung mit den Seitenscheiben wird der Fahrtwind nahezu vollständig aus dem Cockpit verband. Das Frischluft-Gefühl erinnert an das Cabrio mit Windschott und ist dennoch intensiver als im Coupé mit Schiebedach. Dazu trägt auch ein kleiner Windabweiser auf dem Rahmen der Windschutzscheibe bei, der sich zu Gunsten der Ästhetik einklappen lässt.