IAA 2015: Porsche 911 Carrera mit Turbo-Motor

07.09.2015 | Christian Sauer | News

911 Carrera S / 911 Carrera Cabriolet
Seit Jahrzehnten ist er der meistverkaufte Sportwagen der Welt und die neue Generation tritt nun an, mit Turbo-Boxermotoren, weiterentwickeltem Fahrwerk mit noch mehr Spreizung zwischen Performance und Komfort sowie neuem Infotainment-System diesen Vorsprung weiter auszubauen.

Dank mehr als vier Jahrzehnten Erfahrung mit Turbomotoren – sowohl im Rennsport als auch in Seriensportwagen – sollen die neu entwickelten Aggregate des neuen 911 Carrera Bestwerte in Bezug auf Performance, Fahrspaß und Effizienz erreichen. Die erstmals für die Carrera-Modelle optional angebotene Hinterachslenkung erweitert auf Wunsch das fahrdynamische Spektrum nochmals nachdrücklich. Äußerlich präsentiert sich der 911 Carrera mit vielen optischen Verfeinerungen: Diese reichen von neuen Scheinwerfern mit Vierpunkt-Tagfahrlicht über schalenlose Türgriffe bis zu einem neu gestalteten Heckdeckel mit vertikalen Lamellen und neuen Heckleuchten – unter anderem mit den charakteristischen Vierpunkt-Bremsleuchten. Im Innenraum bietet das neue, serienmäßige Porsche Communication Management mit Multitouch-Bildschirm ein deutlich erweitertes Funktionsspektrum und eine erheblich vereinfachte Bedienung.

Die wichtigste Neuerung beim anstehenden Lifting des Porsche 911 sind nicht die optischen Straffungen, sondern die neuen Motoren: Erstmals arbeiten in den Carrera-Variante des Sportwagens Turbo-Triebwerke. Das erlaubt einen kleineren Hubraum und senkt den Verbrauch. Unter dem neu gestalteten Heckdeckel mit seinen nun vertikalen Lamellen findet sich bei Carrera und Carrera S ein drei Liter großer Boxermotor. Bislang hatte der Sechszylinder 3,4 beziehungsweise 3,8 Liter Hubraum, das fehlende Volumen gleicht ein Turbolader aus. Im Einstiegsmodell sorgt er für einen Leistung von 272 kW/370 PS, im S-Modell sind es 309 kW/420 PS. In beiden Fällen entspricht das einem Plus von 20 PS gegenüber dem alten Sauger. Auch das Drehmoment steigt, um je 60 auf 450 respektive 500 Nm. Zur Verfügung steht es im breiten Band zwischen 1.700 bis 5.000 Umdrehungen.

Die neuen Motoren sorgen für leicht bessere Fahrleistungen. So dauert es 0,2 Sekunden weniger, bis Tempo 100 erreicht ist (Carrera mit Doppelkupplungsgetriebe: 4,2 Sekunden), die Höchstgeschwindigkeit steigt um bis zu 6 km/h (Carrera: 295 km/h). Hauptgrund für die Änderung am Motorenkonzept war jedoch der Verbrauch: Der Normwert sinkt um bis zu einen Liter – vor dem Hintergrund immer strengerer CO2-Emissionsvorgaben ein Riesenschritt. Der Carrera kommt laut Hersteller nun mit 7,4 Litern aus, der Carrera S mit 7,7 Litern, jeweils in Kombination mit dem verbrauchssenkenden Doppelkupplungsgetriebe).

Porsche ist mit diesem Spar-Ansatz nicht allein. Neben nahezu allen Volumenmarken nutzt mittlerweile auch Erz-Konkurrent Ferrari bei 488 GTB die Kombination aus Aufladung und kleinen Hubräumen zur Verbrauchssenkung. Puristen sehen die Entwicklung häufig mit Bedauern, erfreuen sie sich doch gerne am typischen linearen Kraftaufbau der Saugmotoren, am hohen Drehzahlniveau und an ihrem häufig kernigeren Klang. Porsche beeilt sich daher auch zu betonen, dass auch die Turbos den markentypisch sonoren Motorklang bieten. Und auch das Drehzahlmaximum bei 7.500 U/min übertreffen die Werte üblicher Turbomotoren deutlich.

 

In Verbindung mit dem optionalen Sport Chrono-Paket verfügt der 911 Carrera erstmals über einen Mode-Schalter im Lenkrad, der vom Hybrid-Modus-Schalter des 918 Spyder abgeleitet ist. Der Mode-Schalter besteht aus einem drehbaren Ring mit vier Positionen für die Fahrprogramme „Normal“, „Sport“, „Sport Plus“ und „Individual“. Die letztgenannte Einstellung ermöglicht es dem Fahrer, je nach Ausstattung sein ganz individuelles Fahrzeug-Setup beispielsweise von PASM, aktiven Motorlagern, PDK-Schaltstrategie und Sportabgasanlage zu konfigurieren. In Kombination mit PDK-Getriebe beinhaltet der Mode-Schalter einen zusätzlichen Druckknopf, den so genannten „Sport Response Button“. Bei dessen Betätigung wird der Antriebsstrang für 20 Sekunden für bestmögliche Beschleunigung, zum Beispiel für anstehende Überholvorgänge, vorkonditioniert. Dazu wird der optimale Gang eingelegt sowie die Motorsteuerung kurzzeitig für noch spontaneres Ansprechen angepasst.

Serienmäßig: Überarbeitetes PASM-Fahrwerk mit zehn Millimeter Tieferlegung

Beim Rundendrehen auf der Nordschleife soll die neue Version der alten sowieso überlegen sein. Porsche hat 7:34 Minuten gemessen, gut sechs Sekunden weniger als beim Vorgänger. Der 911 Carrera ist laut eigenen Angaben die Referenz für die Fahrdynamik von Allround-Sportwagen. Generation für Generation baut Porsche die Spreizung zwischen Alltagskomfort und Rundstrecken-Performance weiter aus. Das neu abgestimmte PASM-Fahrwerk (Porsche Active Suspension Management) mit zehn Millimeter Tieferlegung ist erstmals bei allen Carrera-Modellen serienmäßig an Bord. Die Stabilität während schneller Kurvenfahrten nimmt dadurch weiter zu. Gleichzeitig steigert die neue Dämpfer-Generation mit ihren weiter gespreizten Kennlinien einerseits den Komfort durch ihr noch feineres Ansprechverhalten und gleichzeitig die Aufbauanbindung bei dynamischer Fahrweise. Neue Serienräder mit fünf schlanken Doppelspeichen tragen Reifen mit reduziertem Rollwiderstand und gesteigerter Performance. Bei allen Varianten wächst zudem die Breite der hinteren Felgen um 0,5 auf 11,5 Zoll, und die Hinterreifen des 911 Carrera S messen nun 305 statt 295 Millimeter.

Mit der für den 911 Carrera S optionalen aktiven Hinterachslenkung kommt Fahrwerkstechnologie aus dem 911 Turbo und 911 GT3 zum Einsatz. Beim Einlenken gewinnt der Elfer dadurch nochmals deutlich an Agilität. Er zeichnet sich bei Spurwechseln im Hochgeschwindigkeitsbereich zudem durch hohe Fahrstabilität aus. Gleichzeitig überzeugt er im Stadtverkehr mit mehr Handlichkeit durch den um 0,5 Meter verringerten Wendekreis. Das verbesserte Handling teilt sich dem Fahrer über die neue Lenkrad-Generation mit, deren Design sich am 918 Spyder-Lenkrad anlehnt. Das Basis-Volant hat 375 Millimeter Durchmesser, das optionale GT-Sportlenkrad misst 360 Millimeter. Für uneingeschränkte Alltagstauglichkeit bietet Porsche ein hydraulisches Liftsystem mit integrierten Hubzylindern in den Federbeinen der Vorderachse an. Auf Knopfdruck steigt damit innerhalb von fünf Sekunden die Bodenfreiheit unter der Buglippe um 40 Millimeter und verhindert damit das Aufsetzen des Fahrzeugs etwa bei steilen Garagenausfahrten.

Neues Porsche Communication Management inklusive Online-Navigation
Serienmäßig in den neuen 911 Carrera-Modellen ist das neu entwickelte Porsche Communication Management System (PCM) inklusive Online-Navigationsmodul und Sprachbedienung. Das PCM lässt sich analog zu einem Smartphone mit Multitouch-Gesten auf dem Sieben-Zoll-Bildschirm bedienen. So ist zum Beispiel auch die Eingabe per Handschrift möglich. Mobiltelefone und Smartphones lassen sich nun auch per W-LAN verbinden. Die erstmals in der Mittelarmlehne integrierte Smartphone-Ablagefläche sorgt zudem für akkuschonendes Laden und optimierten Mobilfunk-Empfang. Neu ist auch die Möglichkeit zur Verbindung des iPhones mit dem PCM zur Nutzung von Apple CarPlay. Für eine deutlich verbesserte Navigation stehen Echtzeit-Verkehrsinformationen zur Verfügung, die dem Fahrer einen schnellen Überblick über die Verkehrslage und eine dynamische Anpassung der Route garantieren. Zur besseren Orientierung sind zudem erstmals die Dienste Google Earth und Google Streetview integriert. Weitere Bestandteile des PCM sind Porsche Car Connect sowie die Porsche Connect App, unter anderem zur Fernsteuerung von Fahrzeug-Funktionen, zur Übertragung von Zielen an das PCM für eine Navigation sowie zur Nutzung von Musikstreaming-Diensten von Drittanbietern über das PCM.

Neue und erweiterte optionale Assistenzsysteme
Mit weiteren neuen und verbesserten Assistenzsystemen kann der 911 Carrera noch individueller auf die persönlichen Vorstellungen zugeschnitten werden: Der optional erhältliche Tempostat kann jetzt auch moderat bremsen, wenn die vorgegebene Geschwindigkeit beispielsweise auf einem Gefälle überschritten würde. Der Abstandsregeltempostat ACC (Option) verfügt in Verbindung mit dem PDK-Getriebe jetzt über eine Segelfunktion. Dabei öffnen im Kolonnenverkehr die Kupplungen, was durch das antriebslose Rollen Kraftstoff spart. Der optionale Spurwechselassistent überwacht per Radar den rückwärtigen Verkehr und warnt über LED-Leuchten jeweils rechts und links im Spiegeldreieck vor heran nahenden Fahrzeugen im toten Winkel. Zusätzlich steigert Porsche die aktive Sicherheit des Sportwagens mit der serienmäßigen Multikollisionsbremse.

Die neuen Porsche 911 Carrera-Modelle kommen in Deutschland am 12. Dezember 2015 auf den Markt. Der Preis für das aufgeladene Carrera Coupé beträgt 94.344 Euro. Gegenüber dem aktuellen Modell bedeutet das einen Aufschlag von knapp 4.000 Euro. Ähnliches gilt für das Carrera S Coupé, das künftig 108.505 Euro kostet. Auch bei den Cabrios steigt der Preis: Sie stehen für 107.434 Euro und 121.595 Euro in der Liste.