Porsche 911 (992)

28.11.2018 | Christian Sauer | News

Die nunmehr achte Generation des Sportwagenklassikers folgt im Design der Tradition ihrer Vorgänger, würzt das Vertraute aber mit neuen Elementen. Zudem wurde der Elfer stärker und noch spurtfreudiger.

er Porsche 911 ist einer der letzten seiner Art, verkörpert wie kaum ein anderes Auto den Geist der „alten Zeit“, als die linke Autobahnspur noch von den Besserverdienern als Spielstraße beansprucht wurde. Eine Epoche, in der das Können der Ingenieure an Motorleistung und Fahrspaß gemessen wurde und selten an ein paar Zentiliter weniger Verbrauch oder ein paar Gramm weniger Schadstoffen im Abgas. So betrachtet, unterscheidet sich der neue Elfer, der jetzt in Los Angeles präsentiert wurde, kaum von seinen sieben Vorgängern in den letzten 55 Jahren.

Natürlich hat Porsche den Verbrauch des 911 stets gesenkt, um 30 Prozent in den letzten Jahren. Gleichzeitig wuchs aber auch die Motorleistung, jetzt bei der S-Variante wieder um 30 PS auf nunmehr 450 PS. Dennoch verbraucht der flache Zweisitzer 0,1 Liter weniger auf 100 Kilometer als der Vorgänger. 8,9 Liter, gemessen mit der neuen, realitätsnäheren Norm, sind fraglos beachtlich bei einem so starken Sportwagen. Aber ist die Ikone in Zeiten von Fahrverboten und immer mehr Tempolimits noch zeitgemäß? „Ja“, sagt Porsche-Chef Oliver Blume und nennt den 911 „das Herz der Marke Porsche“. In der Tat ist der Einbau eines Hybridantriebs (Benziner plus E-Motor) bereits eingeplant. Wann es soweit sein wird, steht noch nicht fest.

Zurück ins Heute, zurück zur Weltpremiere. Niemand hat ernsthaft geglaubt, dass sich das Design einer solchen Ikone radikal ändern würde. Proteststürme der 911-Jünger überall auf der Welt wären die Folge gewesen. Also schob sich da Vertrautes ins Blickfeld der 400 Geburtshelfer südöstlich der Sonnenmetropole. Ein typischer 911 eben, so wie man ihn kennt und liebt und so, wie er auch immer einen unschlagbaren Werterhalt für die Käufer bietet. Wer Neues entdecken will, muss auf Spurensuche gehen. An der Front zum Beispiel feiern zwei dezente Falze auf der Motorhaube ihre Wiederentdeckung. Die gab es schon bis 1989. Porsches Design-Papst Michael Mauer: „Wir waren selbst überrascht, wie sich die relativ kleine Veränderung auf das Erscheinungsbild in Sachen Dynamik auswirkt“.

Sachlich entschlackt präsentieren sich die nunmehr nur noch drei Lufteinlässe am Bug. Bisher waren es derer fünf. Die neuen LED-Scheinwerfer betonen ebenfalls die frisch entdeckte Klarheit. Dagegen wird die Flanke von deutlich breiteren Radhäusern beherrscht, die den satten Stand des 911 schon auf dem Parkplatz betonen. Hinzu kommen elektrisch ausfahrbare Türgriffe in der glatten Seitenhaut. Wer den Neuen wirklich auf den ersten Blick als neu identifizieren will, muss sich hinters Heck stellen. Zwei kurze Leuchtenbänder sind exakt in der Mitte des schmaler gewordenen Luftgitters montiert. Damit hat Porsche nach vielen Versuchen endlich einen idealen Platz für die dritte Bremsleuchte gefunden. Pfiffig: Die beiden LED zeichnen eine „11“ nach und werden von je neun Rippen des Gitters umrahmt. Wer also die Typenbezeichnung mal vergessen sollte, kann am knackigen Porsche-Po nachzählen.

Ein Hauch von Nostalgie ist im Innenraum zu finden. In der Armaturentafel ist die Instrumentenebene ein wenig nach hinten versetzt. Das gab es zuletzt in den 70er-Jahren. Der zentrale Monitor ist auf 10,9 Zoll gewachsen, darunter als Kontrast eine Leiste aus fünf klassischen Tasten für den direkten Zugriff auf wichtige und häufig genutzte Funktionen. Moderne Bildschirm-Technik trifft Althergebrachtes.

Etwas Besonderes hat sich Porsche im Kapitel Assistenzsysteme einfallen lassen: Sensoren in den Radhäusern erkennen bei Regen die Intensität der Nässe. Droht ein kritischer Bereich (Aquaplaning) wird der Fahrer gewarnt. Der kann dann eine Taste drücken, die ESP, ABS und andere sensible Assistenten auf die Regenglätte einstellt. Neu im 911 ist auch ein Nachtsichtassistent, der mit Hilfe einer Wärmebildkamera bis zu 300 Meter entfernte Menschen oder auch Tiere sichtbar macht.

Das bekannte Sechszylinder-Triebwerk des 911 S wurde ebenfalls weiterentwickelt. Die Einspritzung ist effizienter, die beiden Turbolader neu angeordnet. Die Antriebskraft wird von einem ebenfalls neuen Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe übernommen. Angepasst und komplett überarbeitet präsentiert sich die Vernetzung des 911 mit der digitalen Umwelt. „Immer online“ heißt die Devise, die Echtzeit-Navigation und weitere Funktionen möglich macht. Der Klassiker ist endgültig in der digitalen Welt angekommen.

Aus der altbekannten Porsche-Welt dagegen kommen die Preise: Der 911 Carrera S ist ab 120.125 Euro zu haben, die gleichstarke Version mit Allradantrieb kostet 127.979 Euro. Die echten Fans wird´s nicht schocken. Sie bekommen schließlich ein Kraftpaket mit Alltagsqualitäten, das eine lange Freundschaft zu ihrem Besitzer garantiert. Mehr als 70 Prozent aller je gebauten 911 sind immer noch in Betrieb.