Gerne mehr: Nissan X-Trail im Fahrbericht

06.03.2017 | Christian Sauer | Testrides

Wir testeten das größte SUV von Nissan mit sieben Sitzen und klären, ob sich der neue 177-PS-Diesel lohnt. Hier unser Fahrbericht.

Nachdem Nissan seine großen Offroader wie den Terrano, Pathfinder oder Patrol (hierzulande) eingestellt hat und der Navara als Pickup ihre Rolle übernimmt, spielt der X-Trail die Rolle des „Crossover Flaggschiffs“. Mit 4,64 m Länge fällt er deutlicher größer als seine kleinen Brüder Quashai und Juke aus. Seine Formensprache finden wir gelungen. Laut Nissan soll sie Stärke und Abenteuerlust vermitteln, mit ihren fließenden Linien zugleich aber auch sportlich und vor allem elegant wirken. Dank einigen Chrom-Elementen gelingt der optische Spagat aus unserer Sicht gut.

Noch hochwertiger erstrahlt der X-Trail in der Top-Ausstattungslinie Tekna mit Voll-LED-Scheinwerfern zusätzlich zum grundsätzlich serienmäßigen LED-Tagfahrlicht. Hinter der elektrischen Heckklappe und den weit öffnenden Fondtüren gibt es jede Menge Platz – entweder für bis zu 1.982 Liter Gepäck mit maximal 2,60 m Länge oder für drei beziehungsweise fünf Passagiere. Optionale Zusatzsitze, die aus dem ohnehin schon flexibel nutzbaren Kofferraumboden herausgeklappt werden können, verwandeln den X-Trail zum Siebensitzer.

Klar, richtig bequem können vor allem Erwachsene in der dritten Reihe nicht verweilen und bei der Konfiguration bleibt nur noch 135 Liter für Gepäck, aber die Möglichkeit als „Minivan“ eingesetzt zu werden, bieten nur wenige andere SUVs seiner Größen- und Preisklasse. Bleiben die Zusatzsitze im Boden verstaut, lädt der Nissan 445 Liter. Und wer sie gar nicht ordert, wird stattdessen mit 550 Liter belohnt. So oder so ist die Rücksitzbank im Verhältnis 60:40 teilbar, jeweils in der Länge verschiebbar und in der Neigung verstellbar. Das ohnehin schon luftige Raumgefühl erhöht gegen Aufpreis das große Panorama-Glasschiebedach.

Nachdem wir uns recht lange dem Fond gewidmet haben, wechseln wir nun in die erste Reihe: Dort warten bequeme „Sessel“, die sich bei der Tekna-Ausstattung elektrisch verstellen lassen und in beiges oder schwarzes Leder hüllen. Das Cockpit präsentiert sich aufgeräumt, recht hochwertig und mit praktischen Ablagen. Wirkliche Highlights oder Überraschungen sucht man allerdings vergeblich. Dafür bietet der X-Trail je nach Ausstattung oder Aufpreis ein 7-Zoll-Infotainmentsystem samt Smartphone-Integration, Google Services und 360-Grad-Rundumsicht. Auf Wunsch parkt er auch automatisch ein.

Unter dem Begriff „Safety Shield“ fasst Nissan verschiedene Sicherheitssysteme wie den autonomen Notbrems-, Totwinkel- und Spurhalte-Assistenten zusammen. Für Entspannung soll ebenfalls die stufenlosen Xtronic-Automatik sorgen, die es jedoch nicht für den 163 PS / 240 Nm starken 1,6-Liter-Benziner gibt. Dessen 6-Gang-Handschaltung ist zwar ebenso beim 1,6-Liter-Diesel unseres Testwagens mit „nur“ 130 PS / 320 Nm, wie bei der neuen Topmotorisierung mit 2,0 Liter und 177 PS / 380 Nm Standard, aber eben auch gegen die Automatik austauschbar.

In Anbetracht der Größe des X-Trails und seines zulässigen Gesamtgewichts mit rund 2,3 Tonnen scheint der neue Motor mit mehr Durchzugskraft nicht nur für den Anhängerbetrieb (1.650 – 2.000 kg) tatsächlich die bessere Wahl, wenn auch der 1,6er für die meisten Ansprüche wohl ausreichend ist. 10,5 Sekunden auf Tempo 100 und 188 km/h Höchstgeschwindigkeit passen dazu. Offiziell gibt Nissan den Durchschnittsverbrauch mit 5,1 Liter an. In Anbetracht drohender Fahrverbote gilt noch zu erwähnen, dass beide Selbstzünder ebenso wie der Benziner die Euro-6-Norm erfüllen.

Während letztgenannter ausschließlich mit Frontantrieb angeboten wird, ist der Allrad beim kleinen Diesel optional, beim 2,0-Liter serienmäßig. Über einen Drehregler auf der Mittelkonsole kann zwischen Frontantrieb, Auto-Mode und dem Lock-Modus mit permanentem Allradantrieb gewählt werden. Im standardmäßig eingestellten Auto-Mode überwacht das System kontinuierlich die Drosselklappenstellung, die Drehzahl und das Drehmoment. Auf dieser Grundlage erkennt das System schon im Vorfeld ein drohendes Durchdrehen der Räder und kann das Antriebsmoment zwischen Vorder- und Hinterachse entsprechend verteilen. Für Fahrten bei niedrigem Tempo auf „anspruchsvollem“ Terrain eignet sich der Lock-Modus, bei dem permanent alle vier Räder angetrieben werden.

Apropos Gelände – wie die Fotos beweisen, kann der X-Trail passend zu seinem Namen auch offroad eingesetzt werden. Wie immer bleibt es eine Frage des Anspruchs sowie des Niveaus. Ein „richtiger“ Geländewagen wird er mit 21 cm Bodenfreiheit, 20 Grad Rampenwinkel, rund 18 Grad Böschungswinkel vorn und 26,5 Grad hinten zwar nicht. Doch auf unbefestigten Untergrund schafft er mehr als viele andere SUVs. Auf Asphalt fährt sich der X-Trail mit aktiver Fahrkomfortregelung samt adaptiven Dämpfern und 17 bis 19 Zoll großen Rädern ausgewogenen, komfortabel und sicher. Unterm Strich besticht seine Vielseitigkeit und das zum fairen Peis ab 24.750 Euro. Daran ändert sogar nicht die beste Ausstattung und Motorisierung, womit der Nissan X-Trail unter 50.000 Euro bleibt.