Nissan NP300 Navara – mehr als ein Arbeitspferd

31.07.2016 | Christian Sauer | Testrides

Nissan Navara Pickup
Der erfolgreiche Pickup zeigt in unserem Fahrbericht nicht nur auf der Koppel, welche vielseitigen Qualitäten er besitzt. Auch im harten Gelände und auf langen Touren hat er einiges zu bieten.

Kein anderes Automobil-Segment verzeichnet aktuell derartige Wachstumsraten wie die Pickups. Früher fristeten die ganz unsexy Pritschenwagen genannten Nutzfahrzeuge eher ein Nischendasein und das Angebot war ebenso klein wie die Nachfrage. Doch auch wenn es einige Jahre dauerte, bis die massenhafte Verbreitung der Pickups von Nordamerika in Europa ankam, wird nun mit zweistelligen Zuwächsen der Vorsprung verringert. Trotz deutlich schmäleren Straßen und Parkplätzen als in Übersee scheint das Potential hierzulande enorm – nicht nur für Gewerbetreibende, sondern auch für aktive Privatiers. Das haben nahezu alle namhaften Hersteller erkannt, die entweder mit überarbeiteten Modellen à la VW Amarok, Ford Ranger und Toyota Hilux oder komplett neuen Modellen wie dem Fiat Fullback auf Basis des von uns bereits getesteten Mitsubishi L200 und dem nächstes Jahr erscheinenden Mercedes-Benz GLT punkten wollen. Letztgenannter baut auf dem Nissan Navara auf, den wir heute vorstellen.

Was viele bei uns gar nicht wissen – Nissan kann bereits auf eine über 80-jährige Tradition bei Pritschenwagen verweisen. Der neueste Generation des Nippon-Pickups ist wie die meisten seiner Kollegen in zwei Karosserie-Varianten lieferbar: Zum einen als King Cab mit extra-langer Ladefläche (1,79 m) sowie hinten angeschlagenen und gegenläufig öffnenden Fondtüren. Die Rücksitze sind eher für gelegentliche Nutzung gedacht und lassen sich zu Gunsten mehr Stauraum hochklappen. Die von uns getestete Double-Cab-Variante besitzt hingegen vier konventionelle Türen und viel Platz auf fünf Sitzplätzen. Schade finden wir, dass die Rückscheibe nicht heruntergefahren oder zumindest teilweise geöffnet werden kann und dass die Kopffreiheit durch das Glasschiebedach etwas eingeschränkt wird. Ein echtes Manko könnte je nach Körpergröße jedoch das nur in der Höhe verstellbare Lenkrad sein.

 

Dies bleibt allerdings auch der einzige Kritikpunkt, den wir dem in Barcelona gebauten Navara anheften müssen. Ansonsten überzeugen die Materialien und deren Verarbeitung ebenso wie die umfangreiche Ausstattung der zwei besten Versionen N-Connecta und Tekna. Elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Sitzheizung vorn, Keyless-Schlüsselsystem, Klimaautomatik und modernes 7-Zoll-Touchscreen-Infotainment mögen zwar bei Limousinen, Kombis und SUVs keine Erwähnung mehr wert sein, doch in einem Pickup sind sie zumeist erst seit kurzem zu finden. Sie erleichtern bisherigen PKW-Fahrern die Umgewöhnung genauso wie die 360-Grad-Kamera, die sehr beim Rangieren des 5,33 m langen und 2,08 m breiten Riesens hilft.

Bei der Lenkung hat Nissan einen guten Kompromiss zwischen leichtgängig genug und schön direkt geschafft. Dank des stabilen Kastenrahmens und der für solche Pickups bislang unüblichen Mehrlenkerhinterachse samt Schraubfedern bei der Double-Cab-Variante überrascht das Fahrwerk mit Ausgewogenheit. Allein bei langsamer Geschwindigkeit neigt es etwas zum Stuckern. Die Bremsen scheinen für die Lasten – maximal eine Tonne auf der Ladefläche und 3,5 Tonnen Abhängelast zuzüglich zu den zwei Tonnen Eigengewicht – ausreichend dimensioniert. Die passiven und aktiven Sicherheitseinrichtungen sind mit hochfesten Materialien, sieben Airbags sowie autonomen Notbrems-Assistent nahezu auf PKW-Niveau.