E-Rallycar? Mit dem Nissan Leaf zum Col de Turini

16.10.2015 | Christian Sauer | Testrides

Nissan Leaf  Drivers Club Germany
Christian Sauer testete den „neuen“ Leaf mit mehr Reichweite und Detail-Verbesserungen in Südfrankreich und brachte interessante Informationen aus erster Hand zu dem meistverkauften E-Auto mit.

Dazu zählt auch, dass Nissan bis auf die neu gestaltete Dachantenne und den zusätzlichen Lackton „Bronze“ wohl aus Budget-Gründen das Design der zweiten Generation des erfolgreichen Elektromodells unangetastet ließ. Damit zu den ca. 1,8 Milliarden Kilometern, die weltweit bereits mit den rund 200.000 Leafs abgespult wurden, möglichst viel dazu kommen, konzentrierte man sich bei Nissan stattdessen auf die Erhöhung der Reichweite.

Zwar befindet sich die Batterie wie gehabt platzsparend im Fahrzeugboden und auch die Anzahl der Zellen bleibt unverändert, allerdings kommt in deren Inneren nun die sogenannte NMC-Technologie (LiNiMnCo) zum Einsatz. Durch deren chemischen Eigenschaften konnte die Dichte und somit die Speicherkapazität von 24 auf 30 kWh gesteigert werden. Das um 21 kg höhere Gewicht führt allerdings nicht zu einer Verringerung der Zuladung und dank optimierten Algorithmus soll auch die Zeit an Schnellladestationen unverändert bleiben – 80 % Aufladung in 30 Minuten. Gemäß NEFZ sind 250 km Reichweite möglich, also 50 km oder 26 % mehr als mit der schwächeren Batterie. Damit wäre der Leaf wieder der Reichweiten-Champion unter den kompakten Stromern, noch vor seinem Konzernbruder Renault ZOE mit 240 km. Thomas Hausch, Geschäftsführer Nissan Center Europe rechnet allerdings realistisch mit 170 km und 120 km als Mindest-Reichweite.

 

Bis auf eine effizientere Rekuperation bereits ab drei statt sieben Kilometern pro Stunde ändert sich am Antrieb nichts. Der Wechselstrom-Synchronmotor leistet weiterhin 80 kW (109 PS) und ein strammes Drehmoment von 254 Nm. Trotz des leicht höheren Gewichts verschlechtern sich weder die Fahrleistungen – 11,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und Topspeed 144 – noch das Fahrverhalten. Ohne direkten Vergleich konnten wir während unserer Testfahrt auf den extrem kurvigen Straßen von Nizza hinauf zum legendären Col de Torini, der durch die Rallye Monte Carlo weltbekannt wurde, keine nennenswerten Unterschiede feststellen. Handlich und flink wieselt er durch die Kehren. Nach 74 km zurückgelegter Strecke samt 1.607 Höhenmetern hatten wir von den 100 % am Start auf Meereshöhe dann mit Eco-Modus und ohne Klimaanlage noch 39 % übrig. Das ist eindrucksvoll, wenn auch sicher ohne wirkliche Aussagekraft für den „normalen Alltag“.